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David Hockney in Köln Selbstgespräche mit Matisse an der Weißdornhecke

David Hockney ist fünfundsiebzig Jahre alt - aber die Auseinandersetzung mit seiner Heimat wurde mit Hunderten von Bildern zu seiner produktivsten Phase. Jetzt sind sie in Köln zu sehen.

Nichts stimmt an diesen Bildern: nicht die Farben, nicht die Perspektiven, nicht die Anschlüsse zwischen den kleinen Leinwänden, von denen David Hockney Dutzende und Aberdutzende zu solch gigantischen Formaten zusammengefügt hat, dass man kaum weiß, wohin man schauen soll. „A Bigger Picture“ heißt denn auch so programmatisch wie zweideutig die Ausstellung im Kölner Museum Ludwig: das größere Bild.

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Sie ist ein Bombardement auf die Sinne, eine Explosion, bei der dem Besucher Äcker und Felder, Wiesen und Wälder, blühende Büsche und kahle Bäume nur so um die Augen gehauen werden. In Pink und Pfefferminzgrün. In Giftgelb und Kardinalsrot. Man wunderte sich nicht, hätten die Geister von Vincent van Gogh und Henri Matisse neben Hockney an der Staffelei gestanden und ihm Mut ins Ohr geflüstert: Mach’ schon - kräftiger, flächiger, wilder. Werde einer von uns: Impressionist! Fauvist! Surrealist? Und dann zieht sich eine schlammige Forststraße purpurfarben durchs Bild, oder es tanzen Striche in Türkis und Violett über den Himmel, wie Eisenspäne um einen Magneten. Manche seiner Baumstämme sehen aus wie Neonröhren im Unterholz.

Bilder einer neuen Epoche

Aber Hockney war natürlich allein, als er in den vergangenen fünf, sechs Jahren eigens für diese Wanderausstellung durch East Yorkshire streifte und in diesem hügeligen Landstrich nach Motiven suchte. Fast allein wenigstens. Ein Assistent fuhr das Auto, band bei Wind die Staffelei irgendwo fest und sortierte für Hockney auf einem Tischchen Becher voller Pinsel und Berge von Farbtuben. Denn alle Bilder, alle Aberhunderte dieser Gemälde entstanden an Ort und Stelle unter freiem Himmel, en plein air, ganz in der Tradition des neunzehnten Jahrhunderts.

Der Filmemacher Bruno Wollheim war dabei. Drei Jahre lang hat er David Hockney begleitet, um zu dokumentieren, wie diese Bilder entstehen. Und so können wir Hockney bei der Arbeit zuschauen: Mal in Gummistiefeln und dicker Jacke, den Kragen hochgeschlagen und die Finger in beheizbare Handschuhe gesteckt, wenn er im Graupelschauer die wirr in die Luft ragenden Zweige eines Strauchs am Wegesrand malt. Mal die Ärmel hochgekrempelt und das Sonnenhütchen tief ins Gesicht gezogen, wenn er die blühenden Weißdornhecken auf die Leinwand tüpfelt. Nicht zuletzt dieser Film mag zu dem Missverständnis beigetragen haben, Hockney habe Landschaften gemalt. Was er zeigt, ist das Leben.

Das hat er schon früher getan. Von den sechziger Jahren an, als er nach Kalifornien zog und dort einen hedonistischen Lebensstil unter Palmen und Duschen oder am Rand von Swimming Pools in leuchtende Bilder übertrug. Schöne nackte Jünglinge geben sich gepflegt dem Müßiggang hin, die Sonne glitzert auf der Wasseroberfläche, dass es im Auge blendet, und einmal spritzt, in „A Bigger Splash“, die ganze Lebenslust wie eine Fontäne aus dem Schwimmbecken in den azurfarbenen Himmel. Niemand hat seither für den Jungbrunnen im ewigen Sommer Südkaliforniens eine schönere Metapher gefunden. Aber irgendwann war es gut mit dem Leben in nur einer Jahreszeit.

Den Kontakt zu England hatte Hockney nie verloren. Dreißig Jahre lang besuchte er seine Mutter, der er im Seebad Bridlington, an der Küste von East Yorkshire, ein kleines, leerstehendes Hotel gekauft hatte, jeweils über Weihnachten. Erst als ein guter Freund erkrankte, so sagt er selbst, verlängerte er seinen Aufenthalt und fuhr täglich zur Klinik nach York, um ihn zu besuchen. Ein Bild dieser Fahrt, in dem die Eindrücke des Unterwegsseins gestaffelt, gestaucht und bizarr kombiniert neben- und übereinander stehen, wurde zu seiner ersten künstlerischen Auseinandersetzung mit der Heimat: „The Road through Sledemere“, entstanden 1997. Hockney entschied zu bleiben und richtete sich im Dachgeschoss des ehemaligen Hotels ein Studio ein.

Gemeinsam mit zwei anderen Gemälden dieser Zeit, die ebenso Spuren des Kubismus wie der Farbfeldmalerei in sich tragen, hängt das Bild von der „Straße durch Sledmere“ nun im ersten kleinen Raum der Ausstellung wie in einem Schrein. Es ist, als habe mit diesen Bildern eine neue Epoche begonnen.

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