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Chronologie in Kurzmitteilungen : Was geschieht mit Ai Weiwei?

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Der chinesische Künstler Ai Weiwei wurde am Pekinger Flughafen festgenommen. Der Hintergrund und die Konsequenzen sind unklar. Über Twitter verbreiteten sich Meldungen und Kommentare wie ein Lauffeuer. Chronologie einer öffentlichen Sorge.

          Am Sonntagmorgen wurde der chinesische Künstler Ai Weiwei auf dem Pekinger Flughafen von der Polizei am Flug nach Hongkong gehindert und zu Verhören in Gewahrsam genommen. Seitdem haben sich auf dem Kurznachrichtendienst Twitter Meldungen und Kommentare zu dem Vorfall wie ein Lauffeuer verbreitet.

          Twitter ist in China zwar gesperrt, doch mit Hilfe von speziellen Vermittler-Schnittstellen im Netz – sogenannten Proxy-Servern – kann der Mikrobloggerdienst ebenso wie andere gesperrte Websites erreicht werden. In Lagen wie diesen, in denen der Hintergrund und die Konsequenzen der Festnahme noch unklar sind – Ai Weiwei selbst war bis in den Nachmittag hinein nicht zu erreichen – wird die rasche Öffentlichkeit der Kurzmitteilungen besonders wichtig. Die wichtigsten „Tweets“ dokumentieren wir in Auszügen. Alle Zeitangaben beziehen sich auf die Ortszeit. (Si.)

          * * *

          Gegen 10 Uhr:
          Am 3. April 2011 wurde Ai Weiwei auf dem Pekinger Flughafen beim Passieren des Zolls von zwei Beamten in Gewahrsam genommen. Er wurde von seinen Mitarbeitern getrennt, die an einen anderen Ort gebracht wurden. Das Handy von Ai Weiwei wurde ausgeschaltet. Es gibt seit dreißig Minuten keine Verbindung mehr zu ihm. Die Lage ist unklar. Bitte weiterverfolgen. (Assistent Ai Weiweis)

          Gegen 11 Uhr:
          Das Handy von Ai Weiwei ist immer noch ausgeschaltet. Ich hoffe, dass nichts passiert ist. (Assistent)

          Gegen 13 Uhr:
          Die Mitarbeiter und Freiwilligen vom Atelier sind zu einer Polizeistelle abgeholt worden. Vor etwa einer halben Stunde kam die Polizei mit einem Durchsuchungsbefehl und durchsucht seitdem das ganze Atelier in Caochangdi (Anmerkung: Pekinger Künstler- und Galerienbezirk). Acht Mitarbeiter wurden mitgenommen. Die Frau von Ai Weiwei ist mit der Polizei allein zu Hause. Und jetzt stehen vor dem Atelier Polizisten. Man darf weder raus noch rein. (Assistent)

          Gegen 15 Uhr:
          Der Eunuch Sina-com (Anmerkung: das größte chinesische Webportal) hat schon alle Informationen zu Ai Weiwei gelöscht.

          15.54 Uhr:
          Bei Twitter gibt es über siebzigtausend Grasschlammpferde (Anmerkung: im chinesischen Internet gebräuchlicher Ausdruck für Blogger). Sie kommen aus dem Land und aus aller Welt. Wir müssen handeln. Ihr, die ihr Ai Weiwei festnehmen wollt, nehmt euch in Acht.

          16.14 Uhr:
          Das Gesetz ist kein Schutzschild (Anmerkung: Anspielung auf die Formulierung einer Sprecherin des Außenministeriums, die den ausländischen Korrespondenten kürzlich sagte, sie dürften das Gesetz nicht als Schutzschild gebrauchen). Die Literatur ist kein Schutzschild. Ein ausländischer Pass ist kein Schutzschild. Künstler-Sein ist kein Schutzschild. Superreich-Sein ist kein Schutzschild. Verteidigungsminister-Sein ist kein Schutzschild. Staatspräsident-Sein ist kein Schutzschild. Thronfolger-Sein ist kein Schutzschild.

          16.20 Uhr:
          Wir klagen, dass es seit 62 Jahren keine großen Meister mehr gibt, und führen das auf das Bildungssystem zurück. Aber jetzt merken wir, dass es am Justizsystem liegt. Seit 62 Jahren schickt dieses Land seine besten Söhne und Töchter ins Gefängnis.

          16.53 Uhr:
          Ai Weiweis Atelier wurde durchsucht, in seiner Umgebung wurden drei Warnlinien markiert. Menschen und Autos dürfen sie nicht überqueren.

          18.17 Uhr:
          Ai Weiwei, Wen Tao (Anmerkung: ein Freund Ais, der am Sonntag ebenfalls in Polizeigewahrsam genommen wurde) und Freunde, ihr werdet nicht einsam sein.

          18.22 Uhr:
          Der Mut, die Weisheit und die Kraft werden die Katastrophen, die kommen werden, gewiss wieder überwinden. Alle seine Freunde im In- und Ausland werden sich um ihn kümmern.

          20.44 Uhr:
          Drei von den Mitarbeitern im Atelier Ai Weiweis sind noch bei der Polizei, die anderen wurden entlassen. Alle Computer, Festplatten und Laptops wurden mitgenommen. Das Atelier ist völlig durcheinander.

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