Der bekannte chinesische Künstler Ai Weiwei ist offenbar festgenommen worden. Die Polizei habe ihn am Sonntag in Peking am Zoll abgeführt, als er einen Flug in die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong antreten wollte, wie Mitarbeiter über den Internetdienst Twitter berichteten. Danach hätten Polizisten das Pekinger Atelier des Künstlers untersucht und acht seiner Mitarbeiter zur Befragung auf eine Polizeistation gebracht. Das Atelier wurde von der Polizei abgeschirmt, berichteten die Mitarbeiter weiter.
Auf seinem Mobiltelefon war der 53 Jahre alte Künstler am Sonntag nicht zu erreichen. Unklar war, ob Ai vorhatte, über Hongkong das Land zu verlassen. Der Künstler hatte vor kurzem angekündigt, er wolle sich ein Atelier in Berlin anschaffen und in Zukunft von beiden Städten aus arbeiten. Ai Weiwei ist der im Ausland bekannteste chinesische Gegenwartskünstler. Wegen seiner Kritik am Regime der chinesischen Kommunistischen Partei hatte er mehrfach den Zorn der Behörden auf sich gezogen.
Angst vor „Jasmin-Protesten“
Im vergangenen Jahr hatte die Polizei Ai vorübergehend unter Hausarrest gestellt, um ihn daran zu hindern, den von den Behörden erzwungenen Abriss seines Schanghaier Ateliers zu feiern. Im Zeitraum vor und nach der Vergabe des Friedensnobelpreises an den chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo war Ai Weiwei zudem für längere Zeit in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt worden. Vor zwei Jahren hatten Polizisten in der südwestchinesischen Provinz Sichuan den Künstler den eigenen Angaben zufolge geschlagen und verletzt. Ai musste sich darauf bei einer Reise in Deutschland behandeln lassen.
Die neuen Probleme für den Künstler fallen mit einem gegenwärtig stark verschärften Vorgehen der Behörden gegen Andersdenkende zusammen. Die Führung ist aufgeschreckt, seitdem Unbekannte im Internet Aufrufe zu „Jasmin-Protesten“ nach arabischem Vorbild in China verbreitet hatten. Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen hat die Polizei mit einer Welle von Repressalien reagiert. 26 Bürgerrechtler wurden festgenommen, 30 sind verschwunden und mehr als 200 stehen unter Hausarrest, wie die Menschenrechtsorganisation Chinese Human Rights Defenders (CHRD) mitteilte. Gegen drei Aktivisten werde wegen der „Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt“ Anklage erhoben. Die Menschenrechtler sorgen sich insbesondere um einige Bürgerrechtsanwälte. Sie würden unter völliger Missachtung der Gesetze ohne Kontakt nach außen festgehalten. Ihnen drohe Folter.
Scheindialog über geistige Freiheit
Das scharfe Vorgehen wirft auch einen Schatten auf die deutsche Gastausstellung über „Die Kunst der Aufklärung“ des Auswärtigen Amtes und drei deutscher Museen, die Außenminister Westerwelle am Freitag im Pekinger Nationalmuseum eröffnet hatte. Die Deutschen erhoffen sich, über den Umweg der Kunst mit der Öffentlichkeit in China in ein Gespräch über den Wert geistiger Freiheit treten zu können. In einer Rede zu Beginn des Dialogforums, dass zu diesem Zweck parallel zu der Ausstellung veranstaltet wird, hatte Westerwelle am Samstag den Schutz der Menschenrechte, eine kritische Gesellschaft und ein offenes Internet angemahnt. Die folgende Gesprächsrunde zwischen drei deutschen und drei chinesischen Museumsdirektoren stellte sich jedoch als Scheindialog heraus: Ein Deutscher aus dem Publikum wurde auf seine Frage nach dem deutschen Sinologen Tilman Spengler von deutschen Teilnehmern ausgebuht. Ein chinesischer Museumsdirektor kanzelte die Frage mit der Bemerkung ab, man sei „keine Visaabteilung“.
Dem Sinologen und Schriftsteller Spengler, der an der Entwicklung des Dialogforums mitgewirkt hatte und der Mitglied der offiziellen Westerwelle-Delegation sein sollte, war die Einreise nach China unter dem Hinweis verweigert worden, er sei „kein Freund des chinesischen Volkes“. Der Grund für das Einreiseverbot ist eine Laudatio, die Spengler im vorigen Jahr auf den inhaftierten Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo gehalten hatte.
Handelsembargo gegen China, so verfahren wie mit Lybien, sofort....!
(de.simonsito)
- 03.04.2011, 17:52 Uhr
Hier hilft nur eines: Aufrüsten und sich wirtschaftlich gegen China abzuschirmen
Volker Spielmann (Schildwache)
- 03.04.2011, 19:41 Uhr
Herr Westerwelle, zeigen Sie Mumm und ziehen Sie den Botschafter aus Peking ab
Rainer Kordes (rkordes)
- 04.04.2011, 14:00 Uhr
Ist Ai Weiwei ein Heiliger? I
Franz Kafka (franzkafka2011)
- 04.04.2011, 16:38 Uhr
Ist Ai Weiwei ein Heiliger ? II
Franz Kafka (franzkafka2011)
- 04.04.2011, 16:39 Uhr