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Bürgerliches Engagement Maria bleibt am Main

 ·  Edle Weihnachtsgabe für das Städel: Barbara und Eduard Beaucamp schenken eine „Madonna mit Kind“ des bedeutenden Barockmalers Guercino der Altmeistersammlung des Frankfurter Hauses - bedingungslos.

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Von so einem Weihnachtsgeschenk können die meisten großen Museen nur träumen: Dem Städel Museum wird eine um 1621 entstandene „Madonna mit Kind“ von Guercino gestiftet; wenn das Museum im Herbst 2011 neu eröffnet, wird man das Gemälde in der Altmeistersammlung des Hauses sehen können. Es ist ein außergewöhnliches Bild. Man sieht Maria, die versunken ihr Kind betrachtet, offenbar - das legt die leicht entblößte Brust nahe - hat sie es gerade gestillt. Die ungewohnte Nähe, die man durch den Anschnitt zu dieser Szene hat, ist ebenso auffallend wie die plastische Ausgestaltung; man hat das Gefühl, der Maler wolle die mythische Szene physisch direkt ins Leben derjenigen hineinrücken, die sie betrachten.

Il Guercino, der 1591 als Giovanni Francesco Barbieri in Cento geboren wurde, gilt als einer der bedeutendsten Maler des italienischen Barock. Anfänglich von der Caracci-Schule geprägt, näherte er sich stilistisch später Guido Reni; die Plastizität seiner effektvoll ausgeleuchteten Chiaroscuro-Szenarien kommt Caravaggio sehr nahe. Werke dieser Qualität sind mittlerweile im Kunsthandel rar.

Es stand ungerahmt und verschmutzt in einem Keller

Die Spender dieses kostbaren Werks sind vielen Lesern dieser Zeitung bekannt - es sind Barbara und Eduard Beaucamp, der langjährige Kunstkritiker dieser Zeitung und seine Frau.

Nun gehört es zum Schicksal von Kunstkritikern, dass sie sich die Kunst, die sie am meisten bewundern, meistens nicht übers Sofa hängen können; deswegen muss man erklären, wie das Paar in den Besitz eines so einmaligen Werks kam. Man kann von einem spektakulären Rumpelkammerfund sprechen: Anfang 1981 entdeckten Eduard Beaucamp und seine Frau, die ebenfalls Kunsthistorikerin ist, das Gemälde in den Räumen des Frankfurter Auktionshauses Arnold; es stand ungerahmt und verschmutzt in einem Kellerwinkel auf dem Boden. Auf der Versteigerungsliste wurde es für eine Kopie aus dem neunzehnten Jahrhundert gehalten und auf vierhundert Mark taxiert. Das Paar erkannte die außerordentliche Qualität des Gemäldes und ersteigerte es - für tausendfünfhundert Mark. Der englische Guercino-Spezialist Sir Denis Mahon und zahlreiche nachfolgende Untersuchungen bestätigten später, dass es sich bei dem Fund um ein eigenhändiges Gemälde Guercinos handle; es wurde mittlerweile mehrfach auf großen monographischen Guercino-Ausstellungen gezeigt.

Eduard Beaucamps Feldzug gegen die Korrumpierung des öffentlichen Museums

Obwohl die Alte Pinakothek in München ihnen das Werk abkaufen wollte, schenken die Beaucamps es nun dem Frankfurter Museum. Sie schenken es ohne Bedingungen - was eine noble und immer seltener werdende Geste ist in einer Zeit, in der sich viele Kunstsammler noch für die durchwachsensten Werkanhäufungen babylonisch aufwendige Selbstverherrlichungstempel errichten (François Pinaults Museen in Venedig sind nur ein Beispiel) oder aber den expansionshungrigen Ausstellungshäusern ihre Werke als Leihgaben überlassen, um sie nach dieser wertsteigernden Zwischenlagerung ohne große Vorwarnung wieder abzuziehen. Eine solche bittere Erfahrung musste vor einigen Jahren das Frankfurter Museum für Moderne Kunst machen, aus dem der Immobilienunternehmer Dieter Bock seine sogenannten Dauerleihgaben quasi über Nacht ausräumte. Er hinterließ ein halbleeres Haus mit einer Restsammlung, die nun unlogisch, fragmentiert und streckenweise pathologisch unsympathisch (Unmengen von Araki-Bildern) wirkte.

Eduard Beaucamp ist gegen die Korrumpierung des öffentlichen Museums durch Partikularinteressen immer zu Felde gezogen; er hat die Verwandlung von Museen in Durchlauferhitzer für den Markt ebenso scharf kritisiert wie die Einverleibung gigantischer und mittelmäßiger Privatsammlungen in staatliche Häuser, die sich dann mit Betreuung, Versicherung und Konservierung der Leihgaben oft übernahmen. Er hat immer betont, dass das Museum nur als ein Ort des bürgerlichen Engagements überleben kann, als ein demokratischer Ort, an dem Spender das Beste ihrer Sammlungen der Res publica überantworten - und Experten das Beste aus privaten Sammlungen auswählen.

Die Tradition bürgerlichen Engagements belebt

Dass auch private Geber oft zu Recht darüber erbost sind, wie schlampig mit ihren Gaben verfahren wird, ist eine Tatsache, die bei der Sammlerkritik nicht vergessen werden darf - und es wirkt sicherlich vertrauensbildend, wenn die Schenkungen in die Hände kundiger und leidenschaftlicher Experten wie Jochen Sander fallen, der als stellvertretender Direktor und Kurator für Gemälde der Alten Meister am Städel wirkt.

Die Beaucamps setzen ein Beispiel: Sie schenken das Wertvollste aus ihrem Besitz der Allgemeinheit und beleben so in einem Moment der Krise jene Tradition bürgerlichen Engagements, auf die schon der Museumsstifter Johann Friedrich Städel setzte. Man wünscht sich, dass andere diesem Beispiel folgen - denn nur so kann das Museum auf Dauer jener Ort bleiben, als der es einmal erfunden wurde: Nicht als Schlachtfeld privater Spekulanten und nicht als neofeudaler Repräsentationstempel wohlhabender Selbstdarsteller, sondern als ein Ort, an dem sich eine Gesellschaft gemeinsam ein Bild von sich und der Welt machen kann.

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