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Bryan Adams als Fotograf Scharf wie ein Messer

Als Rockmusiker ist er weltberühmt. Jetzt zeigt sich Bryan Adams in einer Ausstellung in Düsseldorf als Fotograf: mit braven Porträts von Musikerkollegen, mit erotischen Modefotos - und mit einer Serie kriegsversehrter Soldaten, die einem den Atem nimmt.

Als sich Bryan Adams einmal, so erzählt es eine Anekdote, zu seinem eigenen Auftritt verspätet hatte, fuhr er kurzerhand mit der U-Bahn hin, einmal quer durch New York, im überfüllten Waggon, inmitten all seiner Fans, die ebenfalls zu dem Konzert unterwegs waren. Keiner habe ihn erkannt. Dabei zählt er zu den berühmtesten Rockmusikern der Welt.

Als Bryan Adams jetzt in Düsseldorf die Ausstellung „Exposed“ eröffnete, in der er sich als Fotograf vor allem von Musikerporträts und Modebildern präsentiert, hätte es ihm ähnlich gehen können. Blue Jeans, T-Shirt, Turnschuhe, das kurze Haar streng gescheitelt und mit Gel in Form gehalten, das zernarbte Gesicht müde in die Hand gestützt, aber in den Augen ein blitzendes Lächeln, machte er seinen dreiundfünfzig Jahren zum Trotz den Eindruck eines Schuljungen, ein wenig spitzbübisch, ein wenig verlegen und irgendwie unauffällig. Vielleicht ist das nicht die schlechteste Voraussetzung, um den Großen des Geschäfts mit dem Glamour zu begegnen. Aber als er den ersten Satz ins Mikrofon sprach - „I’m Bryan, guten Morgen“ -, brüllte er so laut, als begrüße er siebzigtausend Zuhörer in einem Fußballstadion. „Oops!“, erschrak er selbst darüber.

Seine Musikerkarriere begann in den Siebzigern mit hartem Rock und führte später mit romantischen Balladen auf die vorderen Plätze der Charts. „Summer of 69“ wurde zur Stadionhymne, „Everything I do, I do it for you“ zum Schmusehit einer ganzen Generation. Dass er in den Fußstapfen noch Größerer wandelt, allen voran Bruce Springsteen, hat dem Erfolg nicht geschadet. Bis heute hat er mehr als fünfundsechzig Millionen Platten verkauft.

Ernsthaft zu fotografieren begann Adams Ende der Neunziger, nach einer vier Jahre dauernden Welttournee. Dass es ihm um mehr ging als bloß Ablenkung von der Musik, zeigt sich schon darin, dass er bei Herb Ritts in die Lehre ging. Das hat seinen Stil nicht unerheblich geprägt: kühle Ansichten, harmonisch komponiert, nur selten ironische Einfälle - eben die Stars als Ikonen. Aber es gibt auch Anleihen bei Helmut Newton und Bruce Weber, bei Peter Lindbergh und Annie Leibowitz. Viele der riesig abgezogenen Aufnahmen wirken dann in der Ausstellung gerade ihrer Perfektion wegen fast schon nostalgisch, irgendwie falsch datiert. Den großen Agenturen jedoch und den wichtigsten Magazinen ist eine solche Ästhetik noch immer willkommen. So reicht die Liste seiner Auftraggeber längst von „Harper’s Bazaar“ über „Vogue“ bis zum Magazin „i-D“. Auch als Fotograf ist Bryan Adams ganz oben angekommen. Dass er Gorbatschow, Hillary Clinton und die Queen porträtieren durfte, ist Zeichen höchster Wertschätzung.

Verstörender Optimismus

Stets bleibt er professionell: Die enge Freundschaft mit vielen der Stars, mit Mick Jagger etwa, Mickey Rourke oder Amy Winehouse, führte nie zu besonders intimen Beobachtungen und förderte erst recht keinen kritischen Blick. Zudem darf man vermuten, dass die Auftraggeber gern ein Wort mitsprechen. Modestrecken und CD-Hüllen dienen dem Verkauf und sind selten der Ort für eine gnadenlose Fotografie. Erst dort, wo die Spuren des Lebens sich tief in Körper eingegraben haben, gewinnen auch Adams’ Bilder endlich an Tiefe. Im Blick des von Parkinson gezeichneten Schauspielers Michael J. Fox liegt ein Moment des Entsetzens. Und das Bild der knöchernen Finger der Bildhauerin Louise Bourgeois, die sich über eine Tischkante schieben, nimmt auf gespenstische Weise den Tod voraus. Das sind Fotos, die schaudern machen.

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Und dann die Soldaten. Englische Kriegsheimkehrer, Veteranen aus Afghanistan, von Minen verstümmelt. Hier ein Bub in Uniform, ohne Beine und mit nur noch einer Hand - aber diese zum militärischen Gruß an die Stirn gehoben. Dort ein Mann, der seine Prothesen wie ein Spielzeug nach oben klappt. Da ein blindes Auge mit dem Union Jack anstelle der Pupille. Verbrannte Gesichter, vernarbte Körper. Abgetastet mit der nüchternen Präzision der Großbildkamera, aber aufgenommen mit dem Seelenschmerz eines großen Künstlers, rauben diese Bilder dem Betrachter den Atem. Zumal ein verstörender Optimismus aus den Personen spricht. Nicht Patriotismus oder Unbelehrbarkeit, sondern eine tiefempfundene Verbindung zum Leben, nach der man bei all den Stars vergeblich sucht. „Cuts Like a Knife“ heißt ein Hit von Bryan Adams. Es könnte der Titel dieser Serie sein, die er nur für sich fotografiert hat - und mit der er all seine Vorbilder zurückgelassen und übertroffen hat.

Bryan Adams - Exposed, NRW-Forum, Düsseldorf; bis 22. Mai. Ein opulenter Band gleichen Titels ist im Steidl Verlag erschienen, er kostet 65 Euro.

Quelle: F.A.Z.

 
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