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„Indigenous Australia“ : Der Drang nach außen

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Eine Ausstellung im British Museum zeigt indigene australische Kunst. Was hat das mit mir zu tun, könnte man denken. Die Antwort: Es geht um Europa, es geht auch um uns.

          Es war kein guter Start. Am 29. April 1770 landete James Cook in der so benannten Botany Bay an der Ostküste Australiens. Der größte Entdecker seiner Zeit ließ sich zu den Eingeborenen rudern, die er am Ufer erblickte, „in der Hoffnung, mit ihnen sprechen zu können“. Er hatte seinen Übersetzer Tupaia dabei, der sich in ganz Polynesien und in Neuseeland verständlich machen konnte – hier verstand er kein Wort. Man wollte sie nicht an Land lassen, es kam zum Gefecht. Cook feuerte eine Musketenladung auf einen der zwei Widersacher, der seinen Schild fallen ließ und im Wald verschwand, und dieser grobe Schild aus Mangrovenholz hängt heute in der Hauptstadt des Landes, das bald darauf den gesamten australischen Kontinent in Besitz nahm.

          Mangrovenholz gegen Musketen – damit ist schon viel gesagt über „Indigenous Australia: Enduring Civilisation“. Es ist die erste britische Ausstellung über die Aborigines, die diese auch als Kultur würdigt. Bei der letzten im British Museum 1973 ging man noch davon aus, dass ihre Lebensweise in weiten Teilen Australiens ausgestorben sei. Das war zum Glück Unsinn, auch wenn von ihren einst 250 Sprachen kaum die Hälfte überlebte.

          Nicht mal töpfern

          Gesammelt hatten Briten indigene Objekte immer schon: Auf den Schild folgten Speere, Boomerangs, Gemälde auf Baumrinde, bemalte Anhänger aus Perlmutt, aufwendig gewebte Beutel und Pfeilspitzen aus Stein, die zu den besten der Welt gehören. Die beeindruckendsten Werke blieben allerdings an Ort und Stelle – Felsenmalereien in Australien sind bis zu 40.000 Jahre alt, es ist die älteste, kontinuierliche Kunsttradition der Erde. Schon seltsam: Dieselben Menschen, die beinahe den Untergang der Aborigines herbeigeführt hätten, bemühten sich gleichzeitig um Artefakte dieser Kultur, ob Soldaten, Sträflinge, Siedler, Missionare oder Seeleute. Das organisierte wissenschaftliche Interesse erwachte aber eher spät. Lange glaubte man in Europa, die Aborigines seien eine Art übriggebliebenes Steinzeitvolk – noch Sigmund Freud sah in ihnen nackte, kulturlose Kannibalen, die nicht mal töpfern konnten.

          Dementsprechend wurden sie behandelt. Wie brutal die Briten bei der Kolonisierung des „leeren“ Landes vorgingen, zeigte sich auf der Insel Tasmanien. Dort wurden zwischen 1824 und 1831 über vierhundert Hektar* Land an Siedler verschenkt. Als die Tasmanier sich wehrten, versuchte man sie in einer Ecke der Insel zusammenzupferchen. Es starben fast alle ursprünglichen Bewohner Tasmaniens, die verbliebenen 200 wurden mit falschen Versprechen überzeugt, sich zu ergeben, und dann auf eine Insel umgesiedelt. Als von diesen wiederum nur 47 übrig waren, siedelte man sie erneut um. Der letzte der indigenen Tasmanier starb 1876.

          Der erste Heimatbesuch überhaupt

          Der Historiker Tom Lawson veröffentlichte im vergangenen Jahr ein Buch über diesen „britischen Genozid in Tasmanien“ im 19. Jahrhundert und argumentiert gegen die entschuldigende These vom „Aussterben“ des Volkes – es wurde gezielt getötet, um Tasmanien zu kolonisieren. Noch bis weit ins 20. Jahrhundert kam die australische Politik einem Vernichtungsfeldzug gegen indigene Kulturen gleich. Aborigines wurden zwangsumgesiedelt, lebten in isolierten Siedlungen oder in urbaner Segregation. Bürgerrechte wurden ihnen vorenthalten, Kinder ihren Familien entrissen und in weiße gesteckt. Doch es gab auch Widerstand.

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