http://www.faz.net/-gqz-858tv

Klaus Bürgle ist gestorben : Der Künstler der Weitblickwelt

Auch eine scheinbar phantasieverarmte, weil hochindustrialisierte Welt kann visuell über sich hinausdenken. Das bewies der Bilderfinder Klaus Bürgle mit seinen gezeichneten Zukunftsvisionen. Zum Tode eines Visionärs.

          Wer in den sechziger oder siebziger Jahren hierzulande in die Zukunft, ins All oder einfach in noch unerschlossene Möglichkeitsräume gucken wollte, hatte Glück: In der Buchreihe „Das neue Universum“ fanden sich geeignete Fenster zum Ausklappen, die der 1926 geborene Klaus Bürgle geschaffen hatte. Sie bewiesen, dass auch eine scheinbar phantasieverarmte, weil hochindustrialisierte Welt visuell über sich hinausdenken kann - in eine Zukunft, die keineswegs ein zubetonierter, versteppter oder versumpfter Ort gescheiterter Hoffnungen sein muss, wie das die seinerzeit beliebte Zivilisationskritik fürchtete.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Seit den Fünfzigern hatte Bürgle neue Lösungen im Sichtbaren (Schienen, Raumfahrt, Tiefsee) wie im Unsichtbaren (elektronische Kommunikation, Energiewirtschaft) erdacht und dargestellt. Man kann das, was er schuf, „Gebrauchsgraphik“ nennen, aber dann muss man wissen: Ihr Gebrauchswert war ein ästhetischer, kein warenwirtschaftlicher, der etwa, wie bei den meisten Illusionsleistungen des Computerfuturismus, nur in Produktdesign mündet. Klaus Bürgle warb nicht für etwas, das man bald würde kaufen können, sondern für etwas, das Leute tun sollten, die sich für mehr interessierten als für Pixelkürzel der Gegenwartsbefindlichkeit. Am Dienstag ist der Bilderfinder neunundachtzigjährig in Göppingen verstorben.

          Weitere Themen

          Überbiss sucht Unterbiss

          Zeichnungen von Roland Topor : Überbiss sucht Unterbiss

          Gemeinsam mit dem Verlag Diogenes wird der Franzose Roland Topor in den Sechzigern als Illustrator groß. Die Vielfältigkeit der Werke des Multitalents überrascht auch heute noch.

          Topmeldungen

          WM-Titel 2018 : Die dritte französische Fußball-Republik

          „Das ist das Frankreich, das wir lieben“: Die „Équipe Tricolore“ zeigt bei der WM eine machtvolle Demonstration und holt den Titel. Und das muss noch längst nicht alles gewesen sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.