http://www.faz.net/-gqz-858tv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren

Veröffentlicht: 03.07.2015, 09:19 Uhr

Klaus Bürgle ist gestorben Der Künstler der Weitblickwelt

Auch eine scheinbar phantasieverarmte, weil hochindustrialisierte Welt kann visuell über sich hinausdenken. Das bewies der Bilderfinder Klaus Bürgle mit seinen gezeichneten Zukunftsvisionen. Zum Tode eines Visionärs.

von

Wer in den sechziger oder siebziger Jahren hierzulande in die Zukunft, ins All oder einfach in noch unerschlossene Möglichkeitsräume gucken wollte, hatte Glück: In der Buchreihe „Das neue Universum“ fanden sich geeignete Fenster zum Ausklappen, die der 1926 geborene Klaus Bürgle geschaffen hatte. Sie bewiesen, dass auch eine scheinbar phantasieverarmte, weil hochindustrialisierte Welt visuell über sich hinausdenken kann - in eine Zukunft, die keineswegs ein zubetonierter, versteppter oder versumpfter Ort gescheiterter Hoffnungen sein muss, wie das die seinerzeit beliebte Zivilisationskritik fürchtete.

Dietmar Dath Folgen:

Seit den Fünfzigern hatte Bürgle neue Lösungen im Sichtbaren (Schienen, Raumfahrt, Tiefsee) wie im Unsichtbaren (elektronische Kommunikation, Energiewirtschaft) erdacht und dargestellt. Man kann das, was er schuf, „Gebrauchsgraphik“ nennen, aber dann muss man wissen: Ihr Gebrauchswert war ein ästhetischer, kein warenwirtschaftlicher, der etwa, wie bei den meisten Illusionsleistungen des Computerfuturismus, nur in Produktdesign mündet. Klaus Bürgle warb nicht für etwas, das man bald würde kaufen können, sondern für etwas, das Leute tun sollten, die sich für mehr interessierten als für Pixelkürzel der Gegenwartsbefindlichkeit. Am Dienstag ist der Bilderfinder neunundachtzigjährig in Göppingen verstorben.

Mehr zum Thema

Glosse

Zurechtgerüttelte Menschenleiber

Von Hannes Hintermeier

Wer es pünktlich zur Leipziger Buchmesse schaffen will, der muss so einiges mitmachen – diesmal in der S-Bahn statt in der Straßenbahn. Mehr 0

Abonnieren Sie den Newsletter „Literatur“

Zur Homepage