26.10.2009 · Trotz ungeklärter Rechtslage und absehbarer Mehrkosten: Das Berliner Schloss wird gebaut, und in sein Forum soll alles hineinpassen, was man dafür vorgesehen hatte, nun auch die Keller des Originalbaus. Am Montag wurden die neuen Pläne vorgestellt.
Von Regina MönchGerade noch wurde geraunt, das Berliner Schloss, vielmehr der Baubeginn, stehe wieder zur Diskussion, krisenbedingt. Davon soll nun keine Rede mehr sein: Im Herbst kommenden Jahres, spätestens im Frühjahr 2011 wird gebaut. Am Montag verkündeten dies der Staatssekretär im Bundesbauministerium, Engelbert Lütke Daldrup, und Hermann Parzinger, Präsident der Preußenstiftung. Noch halten sich die Kosten im Rahmen, mit etwa 480 Millionen Euro, jedoch sind die kürzlich freigelegten Reste der Fundamente des 1950 gesprengten Hohenzollernschlosses (siehe Preußen unter den Füßen: Ausgrabungen am Humboldt-Forum) nicht mit auf der Rechnung. Für die Betonwanne des Palastes der Republik waren fast alle Fundamente abgeräumt und vernichtet worden, nur die Keller der westlichen Flügel um den Eosanderhof blieben unter Asphalt konserviert. Parzinger ließ keinen Zweifel daran, dass sie erhalten bleiben müssen; über das Wie muss verhandelt werden, zumal die letzten Gutachten noch ausstehen.
Auch für die Rekonstruktion des Eosanderportals müssten wohl bis zu vierzig Millionen Euro mehr veranschlagt werden. Im November nimmt die Stiftung „Berliner Schloss – Humboldtforum“ ihre Arbeit auf, bis zum Dezember will sie entscheiden, ob die nun modifizierten Pläne zum Entwurf des Wettbewerbssiegers Franco Stella umgesetzt werden können. Die am Montag vorgestellten Pläne sollen dann öffentlich zur Diskussion gestellt werden.
Kein Enthusiasmus in der Öffentlichkeit
Die „Agora“, im Eosanderhof, ist nach diesen neuen Plänen größer angelegt, doch bleibt sie kleiner als der ältere, der östliche Schlüterhof. Sie wird gesäumt von zwei Räumen für Sonderausstellungen, die im Vergleich zu Stellas Entwurf ihre Leichtigkeit verloren zu haben scheinen. Im Erdgeschoss, auf der Seite des Schlüterhofes, ist zudem eine Kunstkammer zur Schlossgeschichte geplant, den Hof sollen Restaurants und der Museumsladen säumen. Und zwischen beiden, dem Eosander- und dem Schlüterhof, wird sich das Schlossforum entfalten, eine Prachtpassage und unbestritten das Glanzstück des großen Projektes.
Mit Spannung war erwartet worden, ob sich die Bauherren noch entschließen könnten, eine Korrektur des Museumskonzeptes vorzunehmen. Auch Beobachter, die die anspruchsvolle Idee des „Forums“ mit dem permanenten Gespräch über permanent umzuräumende Präsentationen unterstützen, hatten vermerkt, dass es in der Öffentlichkeit keinen Enthusiasmus gibt. Aber es soll, ohne dass der künftige Bauminister Ramsauer sich schon hätte äußern können, dabei bleiben: Im zweiten Obergeschoss werden sich die außereuropäischen Sammlungen um Agora, Schlossforum und Schlüterhof ziehen, als Museum der Weltkulturen. Im ersten Obergeschoss teilen sich die Sammlungen der Humboldt-Universität, eine Forschungsbibliothek und die Staatlichen Museen den westlichen Flügel, im östlichen soll die Landesbibliothek einziehen. Von den Lesesälen im sogenannten „Belvedere“ wird man bis zum Alexanderplatz schauen, von einer Galerie wiederum in das Bücherreich hinein.
Alle lobten Stella
Der veränderte Entwurf wurde von den Bauherren zwar sehr gelobt, gleichwohl bleibt die versprochene Luftigkeit eine Hoffnung. Der Ostflügel zur Spreeseite galt als die Schwachstelle im Stella-Entwurf, seine Eintönigkeit hat er jedenfalls (noch) nicht verloren. Doch alles in allem sieht das „Humboldtforum“ nun aus wie ein Schloss, und nicht weniger war vom Bundestag auch beschlossen worden. Noch einmal lobten alle Franco Stella und dessen einstimmig preisgekrönten Entwurf, der in seiner stilistischen Geschlossenheit und mit einem großartigen Raumkonzept alle hat überzeugen können.
Hermann Parzinger und der bauministeriale Staatssekretär gaben sich am Montag etwas zu betont entspannt, was den noch ausstehenden Richterspruch zur Klage des im Wettbewerb unterlegenen Architekten Hans Kollhoff betrifft. Das Bundeskartellamt hatte danach den Vertrag mit Stella und seinen deutschen Partnern für vorerst nichtig erklärt. Seitdem hängt das architektonisch und geschichtspolitisch größte Bauprojekt des Bundes eigentlich in der Luft.
Anfang Dezember muss das Oberlandesgericht Düsseldorf über die Vertragsbeschwerde des Bundes entscheiden. Die Herren ließen jetzt in Berlin keine Zweifel daran aufkommen, dass sie mit einem Sieg für sich und Stella rechnen. Es gebe neue Erkenntnisse, wonach Kollhoff schon Wochen vorher von der Vergabe an Franco Stella gewusst habe. Das Gleiche gelte für die Verträge mit dem Münchner Büro Hilmer & Sattler und dem Hamburger Architekten Gerkan, der den Bau übernehmen soll. Außerdem habe Stella mit eigenen Nachweisen seine Teilnahmeberechtigung am Wettbewerb noch einmal untermauern können.
Sicher nicht
Joerg' S (joerg51)
- 27.10.2009, 12:12 Uhr