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Berliner Ausstellung „Geraubte Mitte“ : Unter dem Pflaster ruht die Schuld

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Fast ein Fünftel aller Immobilien im Berliner Stadtkern waren Anfang des 20. Jahrhunderts jüdisches Eigentum. In Berlin entlarvt nun die Ausstellung „Geraubte Mitte“ die völlige Geschichtsvergessenheit aktueller Baupläne.

          Die Ausstellung im Berliner Ephraim-Palais ist klein. Aber sie birgt so viel Zündstoff, dass die Debatten über die Bebauung des Berliner Stadtkerns fortan einen anderen Tonfall annehmen werden, ja müssen. Von nun an wird es nicht mehr nur um ein ästhetisches Pro und Contra von Moderne und Tradition gehen: Was wir unter dem Titel „Geraubte Mitte“ sehen, bezeugt, dass alle Baumaßnahmen, die hier nach dem Zweiten Weltkrieg stattfanden, auf einer Unrechtsgeschichte ruhen, die bisher bloß zugeschüttet wurde.

          Berlins Mitte ist die tundraweite Fläche zwischen dem kommenden „Humboldtforum“ an Stelle des Berliner Stadtschlosses und dem Alexanderplatz. Sie liegt zu Füßen des Roten Rathauses. Und während die absonderliche „Humboldtbox“ mittlerweile zu einem der beliebtesten Besuchsorte in der Berliner Stadtmitte geworden ist, weil von ihr aus so hübsch auf die Baustelle des Stadtschlosses zu schauen ist, dient das Areal östlich davon bloß für allerlei Allotria und jugendliche Schlägerbanden. Ansonsten pfeift der Geschichtswind durch die Leere des verwehten Kerns, aus dem das heutige Großstadtgebilde entstanden ist. Nur die gotische Marienkirche, Versammlungsort der stillen Revolution von 1989, versucht, allein gelassen, eine Ahnung davon wach zu halten.

          Effizienter Raub jüdischen Besitzes dank Albert Speer

          Die Kuratoren Benedikt Goebel und Lutz Mauersberger blicken mit ihrer Ausstellung erstmals genauer auf das, was unter dem Pflaster liegt. Den Strand finden sie dabei nicht, doch reichlich Zeugnisse des größten staatlichen Immobilienraubzugs an der jüdischen Bevölkerung, von dem die neuere Geschichte weiß, durchgeführt in den dreißiger Jahren im Rahmen einer konzertierten Aktion des Deutschen Reichs und des Berliner Magistrats. Sie war die erste Etappe einer megalomanen Stadtplanung mit „Altstadtforum“ und Ost-West-Achse im Zentrum Berlins. Letztere sollte die ungleich bekanntere Nord-Süd-Achse durch den Tiergarten ergänzen.

          Für beide Aktionen war Albert Speer als Generalbauinspektor von Berlin (GBI) der Dirigent am nazistischen Staatspult. Dank ihm funktionierte der behördliche Raub jüdischen Besitzes effizient und reibungslos; doch anders als im Tiergarten, dem heutigen Hansa-Viertel und Kulturforum profitierten in der Stadtmitte kaum Privatleute, sondern der Staat und die gleichgeschaltete Stadt. Nach dem Krieg und der Spaltung Berlins trat die DDR die Nachfolge des Dritten Reichs an, dachte aber keineswegs daran, dessen Unrecht wiedergutzumachen. Mit dem grausigen Argument, die sozialistische Enteignung von Grund und Boden dürfe vor „jüdischem Kapital“ nicht haltmachen, weil es sonst „Sondervergünstigungen gegenüber allen anderen Kapitalisten eingeräumt bekäme“, lehnte die Diktatur diesbezügliche Vorschläge ab.

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