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Banksys zerstörtes Bild : A(u)ktionskunst

Große Verwirrung: Auktionsbesucher nach der Zerstörung Bild: dpa

Ein Kunstwerk von Banksy hat sich selbst zerstört. Der Schaden des Käufers dürfte das am Ende nicht sein – und auch das Auktionshaus hat gewonnen.

          Am vergangenen Freitag wurde das Kunstwerk eines hochgehandelten Künstlers vor den Augen der Weltöffentlichkeit durch den Schredder gezogen – und das in einem Auktionshaus. In dem Moment, da bei Sotheby’s in London für die Leinwand-Sprayarbeit „Mädchen mit Ballon“ des britischen Street-Art-Künstlers Banksy der Hammer bei umgerechnet etwa 1,2 Millionen Euro fiel, setzte sich ein im mächtigen goldenen Neobarockrahmen verborgener Schredder in Gang: Am unteren Ende des Rahmens kam das Bild des Mädchens, das starr einem davonfliegenden roten Herzballon hinterherblickt, in hauchfeine Streifen zerschnitten, aber als Bild noch erkennbar, heraus.

          Der Künstler, welcher den Zerstörungsmechanismus selbst einbaute und im Auktionspublikum per Fernsteuerung in der Sekunde des Hammerschlags auslöste, wie er in einem geposteten und inzwischen wieder entfernten Video bekundete, weckt mit dieser Aktion zwei mächtige Assoziationen: zum einen sich selbst zerstörende Bildnachrichten aus Agentenfilmen oder Romanen, die sich sofort beim Öffnen wieder verabschieden. Zum anderen die öffentliche Selbstzerstörung von Bildern durch Künstler, die ein alter Topos ist. Künstler wollen mit einem solchen Ikonoklasmus ihre Nichtverfügbarkeit für merkantile Verwertung bezeugen. Das zeigt sich unter anderem daran, dass Banksys ironischer Kommentar zu dieser spektakulären Schreddera(u)ktion auf seiner Seite – „Going, going, gone...“, also „Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten – weg/verkauft!“ – eine Fülle begeisterter Reaktionen anderer Künstler erhielt, die ihn für dieses Wörtlichnehmen des Marktentzugs von Kunst als „Genie“ feiern.

          So sieht das Bild im Ganzen aus: „Girl with Balloon“ von Banksy

          So einfach ist es aber nicht, denn es bleibt die Rahmen-Frage: Sotheby’s zufolge soll der Künstler selbst dem Einlieferer das Bild 2006 verkauft haben, in dem monströs kitschigen, nur ironisch zu verstehenden Goldrahmen. Von der darin verborgenen Mechanik will Sotheby’s nichts geahnt haben. Bereits bei den technischen Angaben auf der offiziellen Sotheby’s-Seite hätte dessen enorme Tiefe von 18 Zentimetern stutzig machen müssen – selbst für derartige neobarocke Wuchtbrummen von Rahmen wäre dies deutlich zu viel. Erst recht wirkt unglaubwürdig, dass bei den peniblen restauratorischen Untersuchungen der Werke im Vorfeld der Versteigerungen nicht aufgefallen sein sollte, dass sich ein kompletter Schredder im Rahmen befindet. Ein Schelm, der daran denkt, dass eine so endende Versteigerung während der wichtigsten englischen Kunstmesse Frieze (un)bezahlbare Aufmerksamkeit für ein Auktionshaus liefert. Man möchte wetten, dass der neue Besitzer das Schredder-Bild nicht nur stolz behält, sondern für das so öffentlichkeitswirksam Zerstörte – dennoch auf wundersame Weise Unbeschädigte – bei einer zukünftigen Auktion ein Mehrfaches des jetzigen Verkaufspreises erlösen würde.

          Stefan Trinks

          Redakteur im Feuilleton.

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