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Ausstellung im Bode-Museum : Nägel geben den Leibern Kraft

Ist dies die lange gesuchte Referenzausstellung für das Humboldtforum in Berlin? Im Bode-Museum kommen Skulpturen aus Afrika und Europa ins Gespräch.

          Der Welt die Welt erklären? Es würde schon reichen, wenn das Humboldtforum sich selbst erklären könnte. Noch aber ist die Formel nicht gefunden, die den Passanten vor der rekonstruierten Schlosshülle verständlich macht, was hinter den Barockfassaden in der Mitte Berlins genau passieren soll. Stattdessen stimmen sich die einzelnen Häuser der Museumsinsel mit Sonderausstellungen auf die Eröffnung des Weltkulturenschlosses in zwei Jahren ein. Die bislang beste dieser Humboldt-Vorschauen hat jetzt im Bode-Museum begonnen, und ihr Titel ist nicht nur Programm, sondern auch eine Provokation: „Unvergleichlich“.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Denn natürlich soll man hier vergleichen: die eine Kunst mit der anderen, die Artefakte aus Afrika mit den Skulpturen und Reliefs aus Europa. Ja, die ganze Ausstellung ist als Parallelaktion angelegt, in der die afrikanischen Bilderwelten den europäischen gegenübergestellt werden – die Masken aus dem Kongo den christlichen Maskeraden, das Leoparden-Aquamanile aus Benin dem spätgotischen Löwen-Aquamanile aus Norddeutschland, das Ahnenpaar aus Dogon dem abendländischen Urahnenpaar Adam und Eva. Und wie immer, wenn Kunstwerke verglichen werden, stellt man bei näherem Hinschauen ihre Unvergleichlichkeit fest. Und vergleicht trotzdem weiter.

          ... oder afrikanische Bronzen: Viele der Exponate stammen aus deutschem Besitz.

          Das gilt schon für das Figurenpaar in der Basilika des Bode-Museums, das die Ausstellung eröffnet. Ein Bronzeputto von Donatello, um 1429 entstanden, und die dreihundert Jahre jüngere Messingstatuette einer Prinzessin aus Benin: zwei Welten. Die eine Figur, in sich gedreht, ist zur Rundumbetrachtung geschaffen, die andere, wuchtig und frontal, zur staunenden Verehrung. Die eine stammt von einem berühmten Renaissancekünstler, der Schöpfer der anderen, die als Kriegsbeute nach London und von dort nach Berlin kam, ist unbekannt. Und doch gibt es Ähnlichkeiten, die dem Betrachter ins Auge fallen: die geöffneten Arme, der Kopfschmuck, die ruhige Glätte der Körper. Und, natürlich, der Rang, den beide Figuren in der Kultur ihrer Herkunftsländer einnehmen, als Meisterwerke ihrer Zeit.

          Im Untergeschoss des Museums, dem Zentrum der Ausstellung, wird dieses Duett zum vielstimmigen Chor. Die Exponate aus Afrika und ihre europäischen Gegenstücke wirken auf vielfältige Weise aufeinander ein, sie ergänzen, umgarnen, übertönen und verschatten sich, und manchmal reden sie auch gänzlich aneinander vorbei – aber selbst dieser doppelte Monolog, diese Nichtbeziehung etwa zwischen einem Luwuwa-König mit Schild und Schwert und einem spätantiken Kaiserkopf hat etwas Augenöffnendes, denn sie schärft den Blick für das Spezifische des jeweiligen Herrscherbilds. Besonders eindrucksvoll sind die hölzernen Kraftfiguren, die in den Kulturen Kongos ungefähr die Rolle spielen, die im Christentum die Schutzheiligen einnehmen: Manche sind mit Nägeln gespickt, andere mit Porzellan, Federn, Fell, Horn, Muscheln und Stofffetzen ergänzt, alle aber haben eine aggressive Präsenz, die weit über die stille Aura der christlichen Schmerzensmänner hinausgeht. Die Nägel, die in ihren Leibern stecken, machen sie nicht zu Opfern, sondern steigern noch ihre übersinnliche Macht; die Energie des Eisens fließt aus ihnen in die Welt zurück.

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