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Rainer Werner Fassbinder : Luftdicht in Vitrinen

Und dann bleibt man, zwischen zwei Installationen, wieder gebannt stehen in einem Raum mit drei Leinwänden. Ausschnitte aus 14 Fassbinder-Filmen, mit wiederkehrenden Motiven und Stilmitteln und auch schauderhaft hässlichen, kulturhistorisch sehr relevanten Tapeten. Man sieht die Rahmen, die Kadrierungen, das Faible für bestimmte Bildkompositionen; orientiert sich im Durcheinander, fragt sich, wie einer bis zu vier oder fünf Filme in einem Jahr drehen konnte, Gangsterfilmableger, Historisches wie „Fontane Effi Briest“ (1974), Melodramen mit Widerhaken, Science-Fiction. Ein Auf und Ab und Hin und Her, ein bisschen „Volkskunst“, wie Fassbinder das manchmal nannte. Selten sieht man dabei Landschaften, meist Menschen in Räumen, in der Enge, gefangen, auch in ihren Körpern – und die Befreiungsversuche.

Leben und Werk in der Zeitkapsel

Am Ende dieser Passage durch Erinnerungen, Werkschnipsel, Entwürfe, künstlerische Nebenwirkungen ist man ein wenig ratlos, was dieser Mann mit der Lederjacke (es gibt natürlich auch eine zu sehen), den meist viel zu großen Brillen und der ewigen Zigarette da angerichtet hat. Es bleibt, wie schon bei der Pasolini-Ausstellung im vergangenen Herbst, dieses leise Unbehagen, ein Leben & Werk in Vitrinen, Ausschnitten, Objekten geordnet und stillgestellt zu sehen. Der ganze Aufbruch und die Melancholie des Scheiterns, alles in einer Zeitkapsel luftdicht verpackt. Man kann das gar nicht den Machern der sehenswerten Ausstellung anlasten. Bei Temperamenten wie eben Pasolini und Fassbinder fällt es einem nur noch schmerzhafter auf, was passiert, wenn der Film ins Museum kommt.

Man muss jetzt gar nicht wieder mit den beschwichtigenden Superlativen kommen vom wichtigsten/einflussreichsten/bedeutendsten Regisseur der Bundesrepublik. Alles geschenkt, alles nicht falsch. Schließlich hat Fassbinder selbst mal gesagt, er wolle fürs Kino sein, was Shakespeare fürs Theater, Marx für die Politik und Freud für die Psychologie war. Bescheidenheit hatte er nicht nötig. Und mit seinem Wunsch, Filme zu machen, „so schön und so kraftvoll und so wunderbar“ wie Hollywoodfilme und trotzdem nicht affirmativ – damit war er weit übers Autorenkino der siebziger Jahre hinaus, und nur zu gerne hätte man weiter zugeschaut, wie er versucht hätte, sich diesen Wunsch zu erfüllen.

Die einzige Nagelprobe heute sind jedoch die Filme. Springt da noch ein Funken über? Aber ja, wenn man nicht schon völlig abgekühlt ist. Wie sind sie gealtert? Nicht alle gleich gut. Welche Gefühle, Sehnsüchte, welche Energie, welche Verzweiflung, Hoffnung, Wut sind da noch zu spüren? Oft mehr, als zu verkraften sind. Was erzählen sie nun, da sie zugleich zum Fenster geworden sind auf eine Vergangenheit, über deutsche Zustände und Befindlichkeiten, über die siebziger Jahre; und was, wenn man sie jetzt wiedersieht, über einen selbst? Mehr, als man zu wissen glaubte.

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