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Cross-Media-Ausstellung : Ein Palazzo für die Schule des Sehens

  • -Aktualisiert am

Drei, die wissen, wer sie sind und was sie wollen: Wie Anna Viebrock, Thomas Demand und Alexander Kluge die Fondazione Prada in Venedig in einen Ort verwandeln, an dem man überall einen neuen Blick kennenlernt.

          Trans“, „inter“ und „cross“ sind Lieblingspräfixe der internationalen Antragsprosa, denn wenn ein Wort damit anfängt, dann kann es eigentlich nur gut enden: mit Formauflösung zum Beispiel oder wechselseitiger Einflussnahme. Was in der Wissenschaft nicht zumindest eine leicht „interdisziplinäre“ Duftmarke trägt, kann sich mittlerweile keine allzu großen Förderchancen ausrechnen. Und auch in den Künsten ist der Prestigewert des Crossover gestiegen. Irgendwie hat man sich darauf geeinigt, dass Avantgarde da ist, wo „trans“ draufsteht. Damit wird auch in Kauf genommen, dass künstlerische Arbeiten, die unter dieser Flagge segeln, die Kategorien, mit denen navigiert wird, verwässern, statt sie zu schärfen.

          Aber es gibt Ausnahmen: In Venedig eröffnet in diesen Tagen eine als „cross-mediales“ Großereignis angekündigte Ausstellung, die beweist, dass die Mischung von künstlerischen Ausdrucksformen sehr wohl imponieren kann, wenn sich dafür Künstler zusammentun, die eine klare Vorstellung davon haben, wer sie sind und was sie wollen.

          Im Ca’ Corner della Regina, der venezianischen Dependance der Fondazione Prada, stellen der Autor und Filmemacher Alexander Kluge, der Fotokünstler Thomas Demand und die Bühnenbildnerin Anna Viebrock erstmals ihre Werke gemeinsam aus. Was sie eint, ist das Interesse an Erinnerung und Archiv, an Stimmungsräumen und Nebenschauplätzen. Was sie trennt, ist das Medium: Kluge schreibt und stellt Collagen aus bewegten Bildern her, Demand fotografiert simulierte historische Szenen und Viebrock entwirft Räume für das klassische Rollenspiel – drei Arbeiter auf einem ganz eigenen Feld. Angeblich brachte die drei ein Genrebild des italienischen Malers Angelo Morbelli zusammen, das sie ganz unterschiedlich deuteten. Es zeigt Schulbänke in einer hohen Halle, auf denen alte Männer hocken und ihren Gedanken nachhängen. „Was für ein Licht, was für ein Raum!“ sagte Demand. „Was für Männer – vielleicht Matrosen?“, fragte Viebrock. „Nein, viel eher alte, bis zu ihrem Lebensende wissbegierige Männer“, antwortete Kluge. Aus dem Missverständnis – in Wahrheit zeigt das Bild eine Alltagsszene aus einem historischen Altersheim – erwuchs ein Interesse an der jeweils anderen Perspektive.

          Alles beginnt mit zwei lebenden Toten

          Man begann die Werke der anderen zu sichten, Anknüpfungspunkte auszumachen, Widerstände aufzuspüren. Zwei Jahre lang haben die drei geplant, wie sie den ehrwürdigen Palast aus dem frühen achtzehnten Jahrhundert am besten bespielen sollten. Udo Kittelmann, Direktor der Berliner Nationalgalerie, fungierte als Kurator und stellte dem Unternehmen ein schlagkräftiges Zitat aus Shakespeares „Julius Caesar“ voran: „The boat is leaking / the captain lied“ (Das Schiff hat ein Leck / Der Kapitän hat gelogen). Ein Satz, der sich auf vieles beziehen lässt, was die von Fake News geplagte Gegenwart umtreibt, und der doch umfassend genug ist, um nicht als politischer Kommentar missverstanden zu werden.

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