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Ausstellung „Smart New World“ : Die Kunst befreit uns vom Daten-Terror

  • -Aktualisiert am

Der Download der Zukunft geht weiter: Die Düsseldorfer Kunsthalle zeigt uns, wie die „Smart New World“ aussieht. Und macht uns Mut, ihr zu entkommen.

          Die Ausstellung „Smart New World“ in der Düsseldorfer Kunsthalle ist eine Hommage an die zeitgenössische Kunst als Ganzes. Sie will das eigentlich gar nicht sein, sondern eine Bestandsaufnahme zu den ästhetischen Folgen der digitalen Revolution. Aber dieser Stoff zwingt sie dazu, das ganze Spektrum an Eingriffen ins Geschehen aufzufahren, das die Kunst heute kennt – visuell, formal und inhaltlich. Während der Bienenstock Kunstmarkt im Preisrausch summt, graben die in Düsseldorf versammelten Leute Tunnel in die Fundamente des Informationszeitalters – intelligent, besessen, klug. Angesichts dieser Schau verstummen Einordnungs-Ansa-gen wie Medienkunst–Netzkunst–Sonstwiekunst. Auch „politische Kunst“, die als Inszenierung globaler Sorgenbrennpunkte zuletzt zum neuen Mainstream für kultivierte Bedenkenträger erklärt worden ist, findet man in der „Smart New World“ eher mittelbar – es geht nicht ums Anprangern, denn für das, was hier versucht wird, fehlen einstweilen noch die Parolen.

          Wie sieht also diese „neue Welt“ der klugen Taschentelefone, Wischfinger und Zap-Blicke in der Kunst aus? Wer ist hier wie und warum intelligent? Die Ausstellung zeigt uns zunächst, was wir wissen sollten, bevor wir urteilen können – nämlich wie sich die Sammler nicht etwa der Gemälde und Skulpturen, sondern der Daten unserer Privatsphäre bemächtigen, wie sie absaugen, was sie in die Leitungen kriegen – aber auch welche Möglichkeiten der gemeine Nutzer hat, Selbstermächtigung zumindest zu proben.

          Intellektuell überlegen

          Gleich zu Beginn steht eine einfache Übung an, der sich alle Besucher unterziehen müssen. Ein Formular wird ausgefüllt, man kennt das aus dem Internet: „Registrieren Sie sich“, heißt es dort, wenn man dazugehören will. Doch in Düsseldorf ist ein weiterer Schritt gefordert: Man tritt alle Rechte am eigenen Namen ab. Wer dies verweigert, muss draußenbleiben. Die Künstlergruppe INS (International Necronautical Society) hält die Forderung nach individueller Freiheit im Netz für eine Farce – man solle die eigene „Nichtauthentizität“ akzeptieren, erst dann könne man etwas bewegen. INS wirbt mit dem lateinischen Satz „cras ingens iterabimus aequor“ – „Morgen trägt uns aufs Neue das Weltmeer“ von Horaz.

          Das Weltmeer, das man in Düsseldorf betritt, ist der Daten-Ozean, in dem greifbare Veränderungen reifen, bis sie an die Benutzeroberfläche dringen. Der Besucher steckt mittendrin: Geheimdienste wollen geheim bleiben, aber der amerikanische Künstler Trevor Paglen dreht die Perspektive und spioniert den Geheimdienst aus – und zwar mit künstlerischen Mitteln. Er fotografierte Satelliten mit Präzisionsobjektiven oder Drohnen auf ihrem Weg zum Töten. In Düsseldorf ist seine jüngste Serie mit Nachtaufnahmen von Quartieren der amerikanischen NRO (National Reconnaissance Office), NGA (National Geospatial-Intelligence Agency) und NSA (National Security Agency) zu sehen – die staatliche Seite des Doppelgesichts „Big Data“. Die Riesenbauten, wie sie weit unten idyllisch im Land liegen, verändern den Blick auf das Verhältnis von Staat und Bürgern. Paglen stellt seine Bilder zum freien Download ins Netz, ruft zur Verbreitung auf. Ein auratisches Werk fürs Museum ist hier Fehlanzeige.

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