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Ausstellung über Pina Bausch : Die mit dem Goldfisch tanzt

Ihre Tanzkompanie im Blick: Pina Bausch bei der Bühnenprobe von „Nelken“ 1983 im Palais des Papes in Avignon. Bild: © Pina Bausch Foundation

Wie kann man eine Kunst ausstellen, die von der Bewegung lebt und sich nur auf der Bühne erfüllt? Bonn führt es vor mit einer Ausstellung über die große Tanz-Choreographin Pina Bausch.

          Als Ikone galt sie bereits zu Lebzeiten, und so war es nur eine Frage der Zeit, dass Pina Bausch ins Museum kommt. Nachdem ihr Tod 2009 doch schon das Tanztheater Wuppertal in ein Museum verwandelt hatte, wenn auch in eines, das – zumindest bisher – das Repertoire nicht konserviert, sondern lebendig hält. Wie aber kann eine Kunst, in der alles Bewegung (und für die Bewegung alles) ist, die Barrieren einreißt, Grenzen überwindet und Neuland betritt, sich offen hält und nie fertig ist, in Vitrinen gepackt und stillgestellt werden? Weil sie damit doch genau das verliert, was sie unverwechselbar macht und ihr Geheimnis sichert.

          Die Ausstellung „Pina Bausch und das Tanztheater“ in der Bonner Bundeskunsthalle reflektiert diese Aporie, ja sie macht sie zur Grundlage ihres Versuchs einer Annäherung. „Das Werk von Pina Bausch können wir hier nicht zeigen“, sagte Salomon Bausch, der Sohn der Choreographin und Vorsitzende der Pina Bausch Foundation, der die „performative“ Schau mit Myriam Leisner und Rein Wolfs kuratiert hat: „Wer das sehen will, muss nach Wuppertal fahren.“ Das Tanztheater ist nicht reproduzierbar. Das aber bedeutet nicht, dass die Ausstellung auf sinnliche Schauwerte verzichten muss.

          Eine Seltenheit: Pina auf der Bühne

          Überlebensgroß: die Choreographin. Wer die Ausstellungshalle betritt, sieht Pina Bausch, an die gegenüberliegende Wand projiziert, in einem der seltenen (und kurzen) Auftritte, für die sie in späteren Jahren auf die Bühne zurückkehrte: In dem 1995 uraufgeführten Stück „Danzón“ tanzt sie, ganz in Schwarz gekleidet und in sich versunken, nur den Oberkörper und die Arme bewegend, einen wehmütigen Reigen, während Fischschwärme und ein orange leuchtender Schleierschwanz über sie hinwegschwimmen. Ein surrealistischer Flash: Die Hohepriesterin im Aquarium.

          Die Ausstellung ist nicht chronologisch, sondern thematisch-assoziativ gegliedert. Ein erster Bereich dokumentiert, zwischen Kaffeehaustischen und -stühlen, den frühen Werdegang der 1940 als Philippine Bausch in Solingen geborenen Gastwirtstochter: Ihr Tanzstudium nimmt sie 1955 an der Folkwangschule in Essen auf und setzt es 1960, mit einem DAAD-Stipendium, an der Juilliard School of Music in New York fort, wo sie im Jahr darauf beim New American Ballet und an der Metropolitan Opera tanzt. Ihr Lehrer Kurt Jooss ruft sie 1962 nach Essen zurück und engagiert sie für sein neu gegründetes Folkwang-Ballett.

          Von den Lehr- und Gesellenjahren berichten Plakate und Probenfotos, Programmhefte und Besetzungszettel, auf denen ihr Name unter „Mitwirkende“ erscheint und es mitunter – das gibt es später nicht mehr – „Fotograf unbekannt“ heißt. Von 1968 bis 1973 übernimmt Pina Bausch das Folkwang-Tanzstudio und beginnt, als Choreographin zu arbeiten. Der Wuppertaler Intendant Arno Wüstenhöfer wird auf sie aufmerksam und, als er ihr die Leitung des Balletts anbietet, sagt sie: „Ich kann es ja mal versuchen.“

          Am Anfang war die Choreographie

          Am Anfang hat Pina Bausch, so führt sie in der Rede zum „Kyoto-Preis“ 2007 aus, „mit musikalischen Werken gearbeitet, die schon eine gewisse Vorgabe geben“. Ihre eigene Arbeitsweise findet sie, als sie das Primat der Musik verwirft, um sie der choreographierten Aufführung später hinzuzufügen.

          Die Kunst der Bewegung auszustellen, scheint schier unmöglich. Der Pina Bausch Foundation ist es doch gelungen. Bilderstrecke

          Den bahnbrechenden, schon in „Blaubart“ (1977) vorbereiteten Schritt vollzieht sie nicht in Wuppertal, sondern in Bochum. Peter Zadek, damals noch Intendant, aber schon weggezogen nach Hamburg, hatte sie engagiert, 1978 in Zusammenarbeit mit dem Schauspielhaus das Stück „Er nimmt sie bei der Hand und führt sie in das Schloss, die anderen folgen“ (nach Shakespeares „Macbeth“) zu inszenieren. Das spartenübergreifende Projekt – „da gab es vier Tänzer, vier Schauspieler, eine Sängerin – und einen Konditor“ – erfordert einen Ansatz: „Da konnte ich nicht mit einer Bewegungsphrase kommen, sondern musste anderswo anfangen. Also habe ich ihnen die Fragen gestellt, die ich an mich selber hatte. So ist die Arbeitsweise aus einer Not heraus entstanden.“

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