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Ausstellung „Nach der Natur“ : Vom Winde gemalt

Werner Henkel, Ohne Titel (Gerollte Silberpappelblätter), 2014 Bild: Werner Henkel, VG-Bildkunst, Bonn 2017

Kunst und Technik sollen im Design verschmelzen. In der Bad Homburger Ausstellung „Nach der Natur“ gehen sie aber noch ganz eigene Wege.

          Mit der Natur ist es wie mit der modernen Kunst. In beiden Fällen ist der Gegenstand so unsicher geworden, dass der künstlerische Zugang zur Natur mit erheblichem Reflexionsaufwand verbunden ist. Auf den Schautafeln des Anthropozäns lässt sich verfolgen, wie sich die menschengemachte Natur immer weiter nach vorne schiebt. Und mit der Biogenetik wird die Natur auch auf molekularer Ebene zum Design-Projekt. Es ist also eine einleuchtende Idee der Bad Homburger Altana- Stiftung, in ihrer Schau „Nach der Natur“ künstlerische Naturbilder neben technische Materialarbeiten der Offenbacher Hochschule für Gestaltung zu setzen. Beim Gang durch die Ausstellung tut sich jedoch eine Lücke auf zwischen den Kunstwerken und den technisch „informierten“ Materialien, wie dem echsenhaften Gummimantel von Johannes Wöhrlin, der fugenlos seine Form verändert, oder dem Reibebrett aus Papierzacken, die sich beim Benässen wie Betende in einer Moschee aufrichten.

          Thomas Thiel

          Redakteur im Feuilleton.

          Die Künstler gingen traditionellere Wege in die Natur als die Designer. Angela Flaig sammelte Samen von Disteln und Löwenzahn und stellt sie dekorativ als leuchtend-flaumige Rosette aus. Andere machten die Natur selbst zum Gestalter, wie Rikuo Ueda, der den Wind mit einem an einem Obstbaumzweig fixierten Tintenstift Papierblätter beschreiben ließ, oder Mario Reis, der mit Baumwollstoff bespannte Keilrahmen in Flüsse hinabsenkte und nun ein harmonisches Muster aus den Farben präsentiert, die Schlamm und Strömung darauf einzeichneten.

          Simulierte Natürlichkeit

          Der Ausstellungstitel „Nach der Natur“ ist dafür zu forsch. Hier geht es nicht um einen Abschied für immer, sondern um das untergründige Fortleben einer gezähmten Natur – nach dem Muster, das gegenwärtig in Literatur, Lyrik und Publizistik großen Zulauf hat. Auch die präparierte Natur hat Leben und Leuchtkraft, lautet die Botschaft, die Werner Henkels trippelschrittige Phalanx aus gerollten Silberpappelblättern sinnfällig illustriert.

          Muskulös ist dagegen der Ansatz von Julius von Bismarck, einem Schüler Olafur Eliassons. Von Bismarck ließ einen ganzen Wüstenabschnitt von mexikanischen Landarbeitern erst mit weißer Tünche überziehen und danach mit giftiger Farbe übermalen, dem natürlichen Farbton nachempfunden, aber doch eine durch und durch simulierte Natur. Das Video bricht nach dem Ende der zähen Pinselarbeit unvermittelt ab, als wollte von Bismarck seine zweite Natur gar nicht mehr betrachten.

          Nach der Natur. Im Museum Sinclair-Haus, Bad Homburg; bis zum 10. September.

          Quelle: F.A.Z.

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