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Veröffentlicht: 24.02.2016, 15:57 Uhr

Ausstellung im Städel In der Hitze der Macht

Die Gegenwart der Vergangenheit in einer großartigen Schau: Das Frankfurter Städel zeigt „Maniera. Pontormo, Bronzino und das Florenz der Medici“.

von Rose-Marie Gropp

Er begrüßt die Besucher im ersten Raum, der „Goldschmied“ des Jacopo Pontormo, der nach dem Ort Pontorme heißt, wo er 1494 geboren wurde. Pontormo hat den sanftäugigen, noch jungen Mann 1518 gemalt, als er selbst noch jung war, aber bereits die Anerkennung der Medici in Florenz genoss. Das Bildnis (aus dem Louvre in Paris) zeigt den Angehörigen eines hochangesehenen Berufsstands, der ihm die teure Kleidung mit Luchspelz am Kragen ermöglicht. Pontormo kam 1509 nach Florenz, wo er zuerst Schüler von Leonardo da Vinci war, später von Andrea del Sarto, dessen Einfluss noch da ist, während bereits seine individuelle Handschrift sichtbar wird – seine maniera.

Noch weiter enthüllt sich die Maniera der Florentiner Künstler rechts vom hübschen Goldschmied in der Frankfurter Ausstellung. Dort sind aufgereiht eine Madonna mit Kind und dem Johannesknaben des Rosso Fiorentino (aus dem Städel) und das gleiche Sujet, noch einmal von Pontormo (aus einer Privatsammlung). Sie umrahmen Raffaels berühmte „Madonna Esterházy“ (aus dem Szépmuvészeti Múzeum in Budapest), die nur knapp ein Jahrzehnt älter ist. Während Raffael das Motiv im pyramidalen Aufbau der Hochrenaissance und innerlichem Ernst auffasst, machen die Knaben Rossos und Pontormos regelrecht Faxen, während der Leib der Madonna durch ihr Gewand eher sichtbar als verhüllt ist. Damit tendiert sie zur Venus.

Die jungen Wilden der Spätrenaissance

Die Einführung in das Thema ist perfekt gelungen, und am weitesten treibt dann Rosso den Personalstil mit seiner „Heiligen Familie mit dem Johannesknaben“ um 1521 (aus dem Walkers Art Museum, Baltimore): Eine knopfäugige, schönbrüstige Maria hält mit spitzesten Fingern ihr Kind, das nachgerade mit ihr verschmolzen scheint zu einem Doppelgesicht und -körper. Was sprezzatura heißt, jene hart erarbeitete Leichtigkeit, ja Lässigkeit, hier wird sie Gestalt.

Als Maniera hat Giorgio Vasari, geboren 1511 in Arezzo, in „Le Vite de’ più eccellenti architetti, pittori, et scultori italiani“, seinen Lebensbeschreibungen berühmter Künstler, den späten Stil Michelangelos bezeichnet. Dabei gehörte auch Vasari selbst zum Kreis dieser Künstler, vielleicht bis heute unterschätzt, wie sein Bildnis des Herzogs Alessandro de’ Medici (aus den Uffizien) zeigt in seiner symbolischen Aufladung. Der von Vasari so gepriesene junge Herrscher wurde allerdings im Januar 1537 im Alter von 26 Jahren von einem Verwandten gemeuchelt, harte Zeiten waren das. Doch auch ohne Vorwissen über Vasari lässt sich diese Schau ihrer umwerfenden Vielfalt halber genießen; außerdem liefert sie am Ende einen kleinen Schnellkurs.

Maniera wendet sich auch gegen Manierismus als den unzureichenden Sammelbegriff für die Abgrenzungsbestrebungen einer Künstlergeneration seit etwa 1510/20 von den mächtigen Vorbildern und Lehrern, Michelangelo, Leonardo und Raffael. Es ist gerade der Individualismus jener Jüngeren, die Pontormo, Bronzino und Rosso Fiorentino heißen, der ihre Werke auszeichnet. Sie kommen zu mitunter abenteuerlichen Farb- und Formfindungen, in verqueren Körpern von Heiligen und Sterblichen, in knalligen Bonbontönen – kurz in ihren Manierismen, mit denen sie Karriere machten: Ihre Geschöpfe lassen sich torsiert oder exaltiert nennen, androgyn oder puppenhaft, arrogant oder grotesk; raffiniert sind sie in jedem Fall.

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