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Ausstellung „Inhuman“ : Die Hölle ist dort, wo andere unsere Gedanken lesen

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„Inhuman“ heißt eine Schau in Kassel, die über den Stand der Technik Auskunft geben will: Kann das die Kunst und wie sehen künstlerische Antworten auf technische Fragen aus?

          Gibt es einen technischen Stand? Was ist das für eine Welt, in der wir leben – oder wenigstens diejenigen von uns, die Zugang zu neuen Technologien haben, seien es die der Medizin oder der Kommunikationsmedien. Die knappe Antwort der Ausstellung im Kasseler Fridericianum lautet: „Inhuman“. Unmenschlich sei die Technik, mit der wir uns umgeben, und das ist in einem doppelten Sinne gemeint. Unmenschlich zum einen, weil sie das, was als das Menschenmögliche galt, längst überbietet. Die übermächtige Symbiose aus Mensch und Technik nannte Sigmund Freud den „Prothesengott“; in seinen Händen befinden wir uns längst. Mit „unmenschlich“ wird darüber hinaus auch das Unbehagen bezeichnet, das die Neuerungen auslösen.

          Was hat das mit Kunst zu tun? Fünfzehn Künstler hat Susanne Pfeffer, die Direktorin des Kasseler Fridericianums, nun eingeladen, den Stand der Dinge, die technischen Voraussetzungen, die Möglichkeiten und Abgründe in einer Ausstellung zum Thema zu machen. Wer die Ausstellungshalle betritt, begibt sich damit auch in eine eigene Kunstwelt. Die neuen Medien haben nämlich nicht zuletzt dazu geführt, dass die bildende Kunst, die wie ein großer Fels durch die Jahrhunderte rollte, in tausend Teile auseinandergesprengt wurde. Die Brocken sind in alle Himmelsrichtungen geflogen, jeder scheint ein Planet für sich. In New York wird gerade heftig über den sogenannten „Zombie-Formalismus“ debattiert, auch „Crapstraction“ genannt, zusammengesetzt aus „crap“ und „abstraction“, ein Schimpfwort also für die Flut abstrakter zeitgenössischer Malerei, die häufig als eine Finanzanlage dienen soll. Und dann gibt es noch das andere Ende der Kunstgalaxie, der in Kassel die Tore geöffnet wurde: Kunst, die Werke als eine Möglichkeit versteht, sich mit politischen Inhalten auseinanderzusetzen.

          Wie viele Worte braucht es für diese Bilder?

          Klappt das? Die Hürden sind in dieser Ausstellung hoch. Das liegt zum einen daran, dass zahlreiche Werke – zum Beispiel Filme – auf Englisch sind. Nicht bei jedem Betrachter können dafür genügend Sprachkenntnisse vorausgesetzt werden. Dazu kommt, dass der Kunstdiskurs ein eigenes Esperanto ausgebildet hat, das sich flirrend zwischen Wort und Bild hin und her bewegt. Ein Beispiel: Die in Berlin lebende Künstlerin Aleksandra Domanović stellt drei bedruckte Polyester-Mäntel aus, die den Titel „HeLa on Zhora’s Coat“ tragen. Nie HeLa gehört, auch nicht Zhora? Darüber gibt das mit Sorgfalt verfasste Begleitbändchen Auskunft. Dort lässt sich nachlesen, dass die HeLa-Zellen 1951 der an Krebs erkrankten Patientin Henrietta Lacks entnommen wurden. Die Zellen traten einen Triumphzug in der Medizin an, da es gelang, diese auch außerhalb des Körpers zu kultivieren. Sie teilten und vermehrten sich – ein Stoff für Nobelpreise und bahnbrechende Publikationen. Von diesen Erfolgen profitierte nur eine Person nicht: Henrietta Lacks, eine Afroamerikanerin, der die Zellen entnommen worden waren, ohne ihr Einverständnis oder das ihrer Familie einzuholen. Bilder der Zellen finden sich als Muster auf den Mantel aufgeprägt. Und auch zum Mantel gibt es einen Erklärungstext: Er sei „eine Replik des Kleidungsstücks der Protagonistin Zhora aus dem Science-Fiction-Film ,Blade Runner‘“.

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