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Ausstellung in Leipzig : Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt

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Ayse Erkmen und Mona Hatoum möchten in Leipzig Dissonanzen zwischen Kunst und Architektur überbrücken – mit brachial-minimalistischen Installationen aus Stacheldraht, Glas und Leuchtstoff.

          „Das alles ist in einem bestimmten Maße politisch“, erklärt Kurator Frederic Bußmann. Vor ihm stehen Handgranaten aus Muranoglas in einem kleinen Wandschrank aufgereiht. In irisierendem Pink, erdigem Gelb und schillerndem Grün wirken sie auf den ersten Blick wie Christbaumschmuck. Erst bei näherem Hinsehen zeigt sich die Sprengkraft der Gläser. Derartige Bedeutungsverschiebungen sind charakteristisch für die einst aus Palästina geflüchtete Künstlerin Mona Hatoum.

          Im englischen Exil entwickelte sie eigene Bilder von Identität und Vertreibung. Immer wieder spielen dabei Orte, Plätze, Architekturen und Räumlichkeiten eine Rolle. Nun stellt sie gemeinsam mit der türkischen Künstlerin Ayse Erkmen im Museum der bildenden Künste in Leipzig aus. Und zeigt brachial-minimalistische Installationen aus Stacheldraht, Glas und Leuchtstoff neben dekorativ arrangierten Tretminen-Attrappen. Eine politische Deutungsebene liegt bei beiden Künstlerinnen nahe. Trotzdem wollten sie sich nicht als Aktivistinnen verstanden wissen, insistiert Bußmann. Viel wichtiger sei die Auseinandersetzung mit der Architektur des Leipziger Ausstellungshauses. Diese allerdings darf selbst als sächsisches Politikum gelten.

          Auch wenn die Zeiten, in denen die Errichtung des Hauses noch hohe Wellen schlug, längst einer zähneknirschenden Akzeptanz gewichen ist. Immerhin verschwand der Bau jüngst hinter breiten Häuserfronten und ist nur noch über halb versteckte Durchgänge zu erreichen. Trotzdem bleibt das Image. Die monumental hohen Räume befremden, lassen sie elitär erscheinen und eine Ausstellungsnutzung zur Herausforderung werden. Nun soll eine neue Doppel-Schau „Displacements/Entortungen“ die baulichen Besonderheiten des Museums aufnehmen und Dissonanzen zwischen Kunst und Architektur überbrücken.

          Schwächen im Ausstellungskonzept

          Dabei dürfte es auch darum gehen, jenes tiefe Unbehagen in der Bevölkerung zu heilen, das kaum sicht-, dafür aber umso deutlicher spürbar scheint. Schaffen wollen die Ausstellungsmacher das unter anderem mit zehn bunten „Gemütlichen Ecken“, die eine Anbindung der Ausstellung an den Stadtraum und die Alltagswelt der Leipziger leisten sollen. Ob sie das können, bleibt allerdings fraglich. Denn die asymmetrisch ausgeschnittenen, flachen und ganz und gar nicht behaglichen Aluminium-Installationen an Hauswänden und Bäumen fügen sich als Störfelder in das Stadtbild ein, lassen aber kaum eine konkrete Übersetzbarkeit auf Ausstellungsbelange oder Autorenschaft zu.

          Eine Anbindung ans Museum der bildenden Künste droht deshalb vor allem dann zu scheitern, wenn die Lichtinstallation „Glassworks“ von Erkmen im Souterrain des Museums noch unbekannt ist. Farbeffekte werden dort durch ein symmetrisches Netz an ähnlich geformten Leuchten erzeugt. Was an dieser Stelle wie ein Farbregen wirkt und die Wahrnehmung des sonst leeren Raumes dank kantiger Glasplatten verändert, ihn optisch füllt, verkleinert und zu einem facettenreichen Dickicht von Lichtstimmungen werden lässt, verpufft im kleinteiligen Durcheinander Leipzigs allzu schnell.

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