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Ausstellung in Freiburg Verblüffend wie ein Zaubertrick

 ·  Einfache Mittel und große Wirkung: Welche Welten mit Stift und Feder geschaffen werden, zeigt eine glänzende Schau im Augustinermuseum in Freiburg.

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© Katalog Vergrößern Carl Sandhaas, „Der Bursch“, um 1820

Das Augustinermuseum mausert sich zusehends zum Anziehungspunkt im Herzen von Freiburgs Altstadt. Nachdem im Jahr 2010 der erste Abschnitt seiner Gesamtsanierung fertiggestellt wurde, läuft nun deren zweiter Teil. Es geht um einen angegliederten Neubau, wie schon der Umbau nach dem Entwurf des Architekten Christoph Mäckler; er wird „Haus der Graphischen Sammlung“ heißen. Das schreibt Tilmann von Stockhausen, seit 2008 Direktor der Städtischen Museen Freiburg, im Vorwort zum Katalog der aktuellen Ausstellung, die jedem Liebhaber von Zeichnungen - und allen, die das noch werden können - das Herz aufgehen lässt.

Sie ist das Gegenteil eines Spektakels, eine feinsinnige Auswahl, die ausschließlich mit eigenen Beständen arbeitet. In seiner Katalogeinleitung umreißt Felix Reuße, der Kurator der Graphischen Sammlung, die Geschichte des Bereichs, der seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts keineswegs aus gezieltem Sammeln entstand. Vielmehr kamen die heute rund fünftausend Zeichnungen zunächst durch Schenkungen, Vermächtnisse und Künstlernachlässe, vor allem aus der Bürgerschaft, ins Haus.

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© Imhof Verlag/Katalog Vergrößern Bonaventura Genelli, „Die tote Hexe“, vor 1843

Erst später gab es sporadische Ankäufe, in jüngster Zeit einige ergänzende Erwerbungen. Entsprechend heterogen ist die Struktur der Sammlung, die sich aber nicht im regionalen Bezug erschöpft - und genau das macht den besonderen Reiz dieser erstmaligen Präsentation jetzt aus, unter der viele bisher unbekannte Blätter sind. Und so manche kaum bekannte oder gar unbekannte Namen tauchen auf in den dreizehn Sektionen der Schau, die einige Ordnung in das vielgestaltige Revier bringen.

Vom „Langen Atem des Klassizismus“, der noch bis zur genialischen Studie einer „Toten Hexe (Entseelt am Meeresstrand)“ des Bonaventura Genelli reicht, führt der Weg zum „Seriösen und Comischen“, der romantischen Ironie eben auch, wie sie die Arbeiten des Hannoveraner Hofkünstlers Johann Heinrich Ramberg auszeichnet, der mit spitzer Feder die Mythologie und seine Zeitgenossenschaft umreißt. Darauf schwingt der „Traum der Romantik“ im Mandolinenspiel eines „Troubadour“ des 1802 in Mannheim geborenen Friedrich Hoffstadt mit; sein Aquarell fängt die Mittelaltersehnsucht jener Zeit zauberhaft ein.

Für das stark religiöse Programm der Nazarener kann Joseph Heinemanns „Jakob schenkt Joseph einen bunten Rock“ von 1850 stehen; wunderbar ausgearbeitet ist diese Bleistiftzeichnung auf Velin des Schülers von Julius Schnorr von Carolsfeld zur vollgültigen Bildhaftigkeit. Wie bald „Pose und Psyche“ im Porträt erscheinen, zeigt das Selbstbildnis von Carl Sandhaas, in dessen Blick sein seelisches Leiden eingefangen ist. Schon in Konkurrenz zur frühen (Porträt-)Fotografie stehen, auf je eigene Art, die wohl idealen Frauenbildnisse von Sebastian Luz und Ludwig Zorn, beide um 1880, die dem neuen Medium ihre zeichnerischen Mittel der Innerlichkeit im äußeren Ausdruck kraftvoll entgegensetzen.

Jeder Betrachter wird seine eigenen Lieblinge in diesem Panoptikum finden, unbesehen von Geltung und Berühmtheit der Künstler. Es treten durchaus Namen auf wie Edward von Steinle oder Karl Spitzweg, Franz Xaver Winterhalter oder Marie Ellenrieder, Anselm Feuerbach oder Hans Thoma, aber die eigentliche Erfahrung heißt: hinschauen und begreifen, wie es dieses lange Zeit geschmähte Jahrhundert in sich hat, besonders in der Zeichenkunst. Das handwerkliche Können, an den Akademien eingebimst, ist das eine. Dass die Strahlkraft und Anmut der Zeichnungen, Aquarelle und Pastelle diese notwendige Grundlage so oft bei weitem überschreiten, ist das andere.

Konvolut von nachgerade romantisch fragmentarischem Charme

Das zeigen auch die ausgestellten Naturstudien. Unter ihnen finden sich Blätter vom Freiburger Künstler Emil Lugo; in der Nachfolge des einflussreichen Karlsruher Professors Johann Wilhelm Schirmer (der auch vertreten ist) entwickelte er seinen Stil. Das war Emilie, der Schwester von Anselm Feuerbach, aus familiären Gründen verwehrt; ihr blieb das „Blumenmalen“. Welches Talent sich so nicht entwickeln durfte, deutet ihr aquarellierter „Feldblumenstrauß“ wenigstens an.

Erwähnt sei noch die Darstellung der Architektur, die es mit der wirklichen Topographie weniger hatte als gemeinhin gern vermutet. So widmete Friedrich Eibner, um das Freiburger Münster möglichst zu überhöhen, ihm gleich mehrere Ansichten - abseits der um 1870 realen Umgebung, eines langweiligen klassizistischen Gebäudes: Da stehen auf Eibners Aquarellen, phantasievoll wahrlich, links der gotischen Kathedrale entweder mittelalterliches Fachwerk oder geschwungene Renaissancegiebel oder gleich ein italienischer Renaissance-Palazzo. Der Historismus ist einfach mit Vorsicht zu genießen. Dann lieber gleich hin zu tanzenden Hexen, zu Triton und Nereide von Hans Thoma, wo die „Vergangenheit als Motivschatz“ wiederkehrt - während die Moderne draußen längst die Türen eintritt.

Nicht Vollständigkeit wird im Augustinermuseum vorgeführt, sondern ein Konvolut von nachgerade romantisch fragmentarischem Charme. Die unaufdringliche Didaktik, mit der Felix Reuße die Präsentation in ein paar Vitrinen unterstützt, erhöht das Vergnügen - selten genug - übrigens noch.

Mit Stift und Feder. Zeichnungen vom Klassizismus bis zum Jugendstil. Im Augustinermuseum in Freiburg, bis zum 15. September. Der sorgfältige, lehrreiche Katalog, erschienen im Michael Imhof Verlag, kostet 24,80 €.

Quelle: F.A.Z.
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