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Ausstellung in Florenz : Die Aktualität des Manierismus

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Ob sich solche provokanten Erweiterungen, ja Konterkarierungen des Kanons auf die ideologische Unrast der Prä-Reformation zurückführen lassen? Ist hier die letzte Windung eines Individual- und Geniekults am Werk, wie wir das in Benvenuto Cellinis eitlen Memoiren geschildert finden? Gab es immer raffiniertere Sammler mit individuellen Vorlieben, denen die Bravheit all der Heiligen Familien zum Hals heraushing? Oder musste ein junger Künstler in der mörderischen Konkurrenz jener Geniejahre schlicht eine erkennbare, wenn auch durchgeknallte Manier entwickeln, um überhaupt noch aufzufallen?

Surreal-unheimliche Tierfratzen, afrikanisch-dunkle Madonna

Rosso scheinen seine Gestalten, deren hängende Windhundgesichter manchmal wie mit einem Zerrspiegel eingefangen wirken, nicht geschadet zu haben - im Gegenteil. Während Pontormo sich spätestens mit seinem riesigen Passionszyklus in der Kartause von Galluzzo zu einem Hofmaler der frischen Medicifürsten mauserte und aus der Stadt kaum herauskam, vagabundierte Rosso erst in der Toskana herum, verdingte sich im Mäzenatenzentrum Rom, nach 1527 dann vielerorts und bis nach Neapel, um schließlich die letzten zehn Lebensjahre für Frankreichs König das Schloss von Fontainebleau zu einem der großen Gesamtkunstwerke der europäischen Spätrenaissance auszustatten.

Während Fontainebleau von Florenz leider nicht um die Ecke liegt, lassen sich die festinstallierten Manierismuskapellen und -fresken der Stadt bestens mit einem Besuch der Ausstellung verbinden. Mit den Jahren jedenfalls wurden Rossos Kompositionen immer irrwitziger, als wollte jemand die Gesetze von Schwerkraft, Gleichgewicht und Geometrie mit den Regeln der Malerei aufheben. Pontormo nahm, zuvörderst mit der leichenhaft-gespenstischen „Grablegung“ in der Florentiner Kirche Santa Felicità, den Wettbewerb an.

Rossos Zwillingswerk, die turnerisch meisterliche Kreuzabnahme aus Volterra, 1521 bereits in den epochetypischen Klümpchentönen Orange-Grün-Rosa und leider nicht nach Florenz ausgeliehen, hat der Maler später an Radikalität nicht mehr übertroffen, seine individuelle Manier aber allzeit konsequent als Markenzeichen verwendet. Spätere Werke wie die riesige, übervölkerte Kreuzabnahme aus Sansepolcro oder die stumm schreiende Pietà aus dem Louvre wirken wie eine düstere Übermalung eines spätgotischen Dürergetümmels, stellenweise mit surreal-unheimlichen Tierfratzen, mit einem Jesus mit spitzem Kupferdrahtbart, mit einer afrikanisch-dunklen Madonna. Es ist schwer, diese Visionen nicht verstörend zu finden.

Gegenfiguren der Idealrenaissance

Pontormo ist als Gestalter und Kolorierer nicht weniger mutig, doch mit seinen fast schon frühbarock modellierten Gestalten näher bei Michelangelos päpstlicher Opulenz geblieben. Pontormos aus dem Lot gekippter Hieronymus (aus Hannover) wirkt mit Erbsenkopf, Riesenwuchs und einer schwebend-fallenden Kniepose beim Hinsehen schon schwindelerregend.

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