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Ausstellung „Friederisiko“ : In den Schatzkammern des Philosophenkönigs

Die Ausstellung „Friederisiko“ in Potsdam zeigt Friedrich den Großen so, wie wir ihn noch nicht kannten: als familienbewussten Dynasten, als Gourmet und als Sammler schöner und teurer Dinge.

          Da steht, in einer Vitrine, des Königs letzter Freund. Condé, so hieß der Schimmelwallach, den Friedrich der Große 1777 erwarb und der ihm neun Jahre lang als Leibpferd diente, bis zum allerletzten Ausritt im Park von Sanssouci, sechs Wochen vor seinem Tod. Der Name des Wallachs stammte von einem französischen Feldherrn Ludwigs XIV., einem jener Schlachtenhelden, die der König verehrte, aber Friedrich verwöhnte ihn wie einen Salonlöwen, gab ihm Melonen, Brei und Zuckerzeug und ließ ihn im Stall, wenn er selbst in den Krieg oder ins Manöver zog. Als das Tier 1804 mit achtunddreißig Jahren starb, fast zwei Jahrzehnte nach seinem Besitzer, war sein Gebiss besser erhalten als das der meisten Pferde.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Die Zähne kann man noch heute bewundern, denn das Skelett Condés hat, anders als seine im Berliner Hohenzollernschloss Monbijou verbrannte Haut, die Bomben des Zweiten Weltkriegs überstanden. Jetzt ist es eines der sprechendsten Exponate der Ausstellung, mit der die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten den dreihundertsten Geburtstag Friedrichs des Großen feiert.

          Das Aschenputtel der preußischen Schlösserlandschaft

          Denn es erzählt eine Geschichte. Die Geschichte eines Monarchen, der sich im Alter von seinen Zeitgenossen ab- und seinen vierbeinigen Lieblingen zuwandte, den Windspielen Biche und Diane und eben dem Wallach Condé. Es ist das alte, oft wiederholte Genrebild vom Alten Fritz. Und auch wieder nicht. Der Raum nämlich, in dem das Pferdeskelett gezeigt wird, gehört zu einer Fürstenwohnung, die Friedrich eigens für seinen Freund Jean-Baptiste de Boyer, Marquis d’Argens, einrichten ließ - den letzten, der ihm von den Gefährten seiner Jugend geblieben war. Und das Gebäude, in dem die Wohnung liegt, gehört zu den prächtigsten und unbekanntesten Barockschlössern der Welt: das Neue Palais in Potsdam.

          Am westlichen Ende des Parks von Sanssouci gelegen, ist das Neue Palais so etwas wie das Aschenputtel der preußischen Schlösserlandschaft. Wer es von weitem sieht, könnte es für einen Filmset halten, einen Kulissentraum aus Babelsberg (und tatsächlich hat Stanley Kubrick hier 1974 Aufnahmen zu „Barry Lyndon“ gedreht). Erst im Näherkommen erkennt man seine gewaltigen Ausmaße, seine pompösen, mit Figuren überladenen Dekors, seine majestätische Verspieltheit. Kurz nach dem Siebenjährigen Krieg entworfen und binnen drei Jahren unter Aufbietung aller Finanzkräfte eines darniederliegenden Landes in den märkischen Sand gesetzt, sollte es den europäischen Mächten den ungebrochenen Glanz des Hauses Hohenzollern und seines königlichen Oberhaupts vor Augen führen.

          Für diese „fanfaronnade“, diese Prahlerei, wie er sie selbst nannte, war dem Alten Fritz nur das Beste gut genug. Aus Italien und Schlesien ließ er Marmor und Kristalllüster, aus der sächsischen Kriegsbeute Spiegel und Porzellan, aus Paris antike Plastiken und den Hofmaler Van Loo herbeischaffen, und für die Innendekoration verpflichtete er die Crème des deutschen Kunsthandwerks: Kambly, Hoppenhaupt, Roentgen, die Brüder Spindler und andere. So entstand ein Ensemble aus Bildern, Stoffen, Möbeln, Böden und Wanddekorationen, das hinter den Schlössern der Sachsen und Bayern nicht zurücksteht und an stilistischer Geschlossenheit in ganz Europa seinesgleichen sucht.

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