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Ausstellung „Die Wittelsbacher am Rhein“ : Mit der Zeit gehen

Kluge Dynasten im Schatten der Staufer und Welfen: Eine gelungene Mannheimer Ausstellung zeigt, welche Rolle das Adelsgeschlecht der Wittelsbacher am Rhein spielte.

          So etwas nennt man Vertragstreue: Am 4. August 1329 wurde das Herzogtum Bayern geteilt, Kaiser Ludwig der Bayer trat an Rudolf III. den Blinden und Ruprecht I. den Roten die Rheinpfalz und die Oberpfalz ab. Damit war zunächst geregelt, dass die Kur (Wahl) eines Kaisers sowohl von einem pfälzischen als auch von einem bayerischen Wittelsbacher ausgeübt werden konnte. Dieser Hausvertrag von Pavia sah aber zudem vor, dass im Fall des Todes eines männlichen Erben der andere Familienteil einspringen sollte. Auf diese Weise wurde dem Aussterben des ums Jahr 1000 das Licht der Geschichte betretenden bayerischen Adelsgeschlechts erfolgreich vorgebeugt.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Dessen Regentschaft in der Pfalz beginnt, als der Stauferkaiser Friedrich II. seinen treuen Fahrensmann Ludwig I. (genannt der Kelheimer) 1214 mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein belehnt. Fortan darf er zu den weiß-blauen Rauten der Wittelsbacher einen Löwen im Wappen führen. Als Günstlinge der Staufer und durch clevere Heiratspolitik nahmen die Wittelsbacher im Windschatten Kurs auf höchste Positionen. Da Friedrich II. zumeist in Apulien oder auf Sizilien regierte, saß auf der Pfälzer Außenstelle - aber mitten in Europa - einer der mächtigsten Männer nördlich der Alpen. Aus einem bayerischen Grafengeschlecht war in nur zwei Generationen ein für das Königsamt tauglicher Adel geworden. Wie steil diese Karriere verlief, untermauert auch die filmische Rekonstruktion der bescheidenen Burg Wittelsbach, die nahe dem bayerischen Ort Aichach stand.

          Es ist die Geschichte dieses Aufstiegs, der sich die von Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen getragene Ausstellung „Die Wittelsbacher am Rhein“ von morgen an zunächst widmet. Sie will an den Erfolg der vor drei Jahren gezeigten Schau „Die Staufer und Italien“ anknüpfen, die sich „Drei ,Innovationsregionen’ im mittelalterlichen Europa“ gewidmet hatte. Die Ausstellung soll das „Wittelsbacher-Jahr 2013“ krönen, das in der Rhein-Neckar-Region an fünfundvierzig Orten begangen wird.

          Um die 600 Exponate sind für die aktuelle Schau ausgeliehen worden, unter anderem aus dem Vatikan, der British Library, dem Louvre, dem Kunsthistorischen Museum Wien und dem Bayerischen Nationalmuseum. Erstmals ist zum Beispiel die zwei Meter hohe und 1,5 Tonnen schwere Sandsteinfigur des Pfalzgrafen bei Rhein, die zusammen mit sechs Kurfürsten und dem König am Giebel des Mainzer Kaufhauses befestigt war, auf die Reise gegangen.

          Man sollte Zeit mitbringen: Das Mittelalter ist auf zwei Etagen im Zeughaus, die Neuzeit in den Prunkräumen des Mannheimer Barockschlosses untergebracht, das fußläufig in wenigen Minuten erreichbar ist; beide Teile auf einmal zu besichtigen bedarf einiger Konzentrationsfähigkeit.

          Handschriften, Rüstungen, Waffen und Mitmachstationen

          Die sieben Kurfürsten setzten sich aus den Bischöfen von Trier, Mainz und Köln zusammen, die weltlichen Herrscher kamen aus Böhmen, Sachsen, der Mark Brandenburg und der Pfalz. Weswegen die Pfalz bis heute rangmäßig vor Bayern rangiert, was sich im Titel des Chefs des Hauses Wittelsbach ausdrückt. Der firmiert als Königliche Hoheit, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Bayern und so fort.

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