Home
http://www.faz.net/-gsa-7h9gl
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Bibliothek

Ausstellung „Die Wittelsbacher am Rhein“ Mit der Zeit gehen

Kluge Dynasten im Schatten der Staufer und Welfen: Eine gelungene Mannheimer Ausstellung zeigt, welche Rolle das Adelsgeschlecht der Wittelsbacher am Rhein spielte.

© Bayrisches Nationalmuseum München Vergrößern König Ruprecht I. mit seiner Gattin Elisabeth von Hohenzollern-Nürnberg (1772/73).

So etwas nennt man Vertragstreue: Am 4. August 1329 wurde das Herzogtum Bayern geteilt, Kaiser Ludwig der Bayer trat an Rudolf III. den Blinden und Ruprecht I. den Roten die Rheinpfalz und die Oberpfalz ab. Damit war zunächst geregelt, dass die Kur (Wahl) eines Kaisers sowohl von einem pfälzischen als auch von einem bayerischen Wittelsbacher ausgeübt werden konnte. Dieser Hausvertrag von Pavia sah aber zudem vor, dass im Fall des Todes eines männlichen Erben der andere Familienteil einspringen sollte. Auf diese Weise wurde dem Aussterben des ums Jahr 1000 das Licht der Geschichte betretenden bayerischen Adelsgeschlechts erfolgreich vorgebeugt.

Hannes Hintermeier Folgen:  

Dessen Regentschaft in der Pfalz beginnt, als der Stauferkaiser Friedrich II. seinen treuen Fahrensmann Ludwig I. (genannt der Kelheimer) 1214 mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein belehnt. Fortan darf er zu den weiß-blauen Rauten der Wittelsbacher einen Löwen im Wappen führen. Als Günstlinge der Staufer und durch clevere Heiratspolitik nahmen die Wittelsbacher im Windschatten Kurs auf höchste Positionen. Da Friedrich II. zumeist in Apulien oder auf Sizilien regierte, saß auf der Pfälzer Außenstelle - aber mitten in Europa - einer der mächtigsten Männer nördlich der Alpen. Aus einem bayerischen Grafengeschlecht war in nur zwei Generationen ein für das Königsamt tauglicher Adel geworden. Wie steil diese Karriere verlief, untermauert auch die filmische Rekonstruktion der bescheidenen Burg Wittelsbach, die nahe dem bayerischen Ort Aichach stand.

Ausstellung "Die Wittelsbacher am Rhein" © dpa Vergrößern Um die 600 Exponate sind für die aktuelle Schau ausgeliehen worden

Es ist die Geschichte dieses Aufstiegs, der sich die von Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen getragene Ausstellung „Die Wittelsbacher am Rhein“ von morgen an zunächst widmet. Sie will an den Erfolg der vor drei Jahren gezeigten Schau „Die Staufer und Italien“ anknüpfen, die sich „Drei ,Innovationsregionen’ im mittelalterlichen Europa“ gewidmet hatte. Die Ausstellung soll das „Wittelsbacher-Jahr 2013“ krönen, das in der Rhein-Neckar-Region an fünfundvierzig Orten begangen wird.

Um die 600 Exponate sind für die aktuelle Schau ausgeliehen worden, unter anderem aus dem Vatikan, der British Library, dem Louvre, dem Kunsthistorischen Museum Wien und dem Bayerischen Nationalmuseum. Erstmals ist zum Beispiel die zwei Meter hohe und 1,5 Tonnen schwere Sandsteinfigur des Pfalzgrafen bei Rhein, die zusammen mit sechs Kurfürsten und dem König am Giebel des Mainzer Kaufhauses befestigt war, auf die Reise gegangen.

Man sollte Zeit mitbringen: Das Mittelalter ist auf zwei Etagen im Zeughaus, die Neuzeit in den Prunkräumen des Mannheimer Barockschlosses untergebracht, das fußläufig in wenigen Minuten erreichbar ist; beide Teile auf einmal zu besichtigen bedarf einiger Konzentrationsfähigkeit.

Handschriften, Rüstungen, Waffen und Mitmachstationen

Die sieben Kurfürsten setzten sich aus den Bischöfen von Trier, Mainz und Köln zusammen, die weltlichen Herrscher kamen aus Böhmen, Sachsen, der Mark Brandenburg und der Pfalz. Weswegen die Pfalz bis heute rangmäßig vor Bayern rangiert, was sich im Titel des Chefs des Hauses Wittelsbach ausdrückt. Der firmiert als Königliche Hoheit, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Bayern und so fort.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Sagen Sie mal, Frau Doktor Was tun gegen Hitzepickel?

Hilft das Hausmittel wirklich? Kann ich dem Gesundheitstipp meiner Nachbarin trauen? Ärztin Christina Stefanescu antwortet auf Fragen, die Sie schon immer mal stellen wollten – ganz ohne Termin. Heute: die unschönen Seiten schöner Sonnentage. Mehr

19.08.2014, 17:41 Uhr | Stil
Zweifelhafte Abrechnungen Bayern will Hubert Haderthauer verklagen

Wegen abgerechneter Drogentests will der Freistaat Bayern den Ingolstädter Landgerichtsarzt Hubert Haderthauer verklagen. Der Ehemann der bayerischen Staatskanzleichefin sei für die Laborleistungen nicht qualifiziert gewesen. Mehr

17.08.2014, 17:26 Uhr | Politik
Eine Flasche Wein am Tag Richard III. schaute tief ins Glas

Wasser oder Wein – im Mittelalter war der Unterschied nicht groß. Nach den Untersuchungen der vor kurzem in England gefundenen Gebeine König Richards III. steht jedoch fest: Nach heutigem Maßstab war der Mann alkoholkrank. Mehr

17.08.2014, 19:18 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 09.09.2013, 20:03 Uhr

Lies oder stirb!

Von Sandra Kegel

Bildung ist Trumpf: Wie ein Gangsta-Rapper seinen Intimfeind mit einer Leseschwäche zu demütigen versucht. Mehr 3