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Amerikanische Gegenwartskunst : Das Schöne ist des Schrecklichen Anfang

Fast alle sind dabei: Mehr als 70 Werke amerikanischer Gegenwartskunst zeigt die Ausstellung „America! America! How Real is Real?“ in Baden-Baden. Weniger Trump-Bezüge hätten ihr allerdings gut getan.

          Die Namen der fünfundzwanzig Künstler lesen sich wie ein All-Star-Ensemble der amerikanischen Szene seit den Sechzigern. Von Richard Artschwager und Tom Wesselmann, über Alex Katz, Roy Lichtenstein und Jeff Koons bis hin zu Robert Longo und Cindy Sherman, natürlich nicht ohne Andy Warhol. Im eleganten Richard-Meier-Bau des Museums Frieder Burda in Baden-Baden sind sie inszeniert, oft in eindrucksvollen Großformaten, schön luftig gehängt und gestellt. Das hat Wucht, ohne Zweifel, es ist ein Parcours der Überwältigung. Unter dem Motto „America! America! How Real is Real?“ firmieren mehr als siebzig Werke, fast sämtlich repräsentativen Kalibers. Den Nukleus bilden Beispiele amerikanischer Kunst aus Frieder Burdas eigener hochkarätiger Sammlung.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Zusammengebracht sind jede Menge echte Hingucker: Da steht freundlich ein Exemplar von Koons’ lebensgroßer Skulptur „Bear and Policeman“ von 1988 aus bemaltem Holz. Es gibt zwei phänomenale Gemälde von Eric Fischl, die subtil Nähe und Distanz in Bewegung einfangen, zwischen Mann und Frau, zwischen einem Torero und einem Stier. Auf nachgerade klassischen Alex-Katz-Gemälden lauert unter der glatten Oberfläche die jederzeit ausbruchsbereite Aggression, die Nachtseite des american dream. Jeff Wall hat das fragile Gleichgewicht von Ruhe und Gefährdung in zwei seiner berühmten Leuchtkästen gebannt. Und auf Robert Longos großen Schwarzweißzeichnungen manifestiert sich der Schrecken, in der Frontalität eines überdimensionalen Revolvers zum Beispiel. In „The Haunting“ fasst Longo die Katastrophe von 9/11 in die sakrale Form des Triptychons.

          Licht und Schatten Amerikas

          Da ist Warhol: vor allem mit der unhintergehbar schrecklichen Ästhetik seines „Big Electric Chair“ in Pink und Hellgrün von 1967 – dem schönfarbigen Schlag ins Gesicht einer aufgeklärten Gesellschaft. Das Titelmotiv der Ausstellung gibt William Copleys „Imaginary Flag for U.S.A.“ von 1972 ab, statt der Sterne im blauen Feld des Star-Spangled Banner hat Copley das Wort „Think“ dort hingeschrieben. Copleys weitere Bilder wirken ein wenig befremdlich in diesem kraftvollen Feld, wie auch die inzwischen einigermaßen peinlichen Gruppen nackter junger Frauen in Strumpfhosen der in Genua geborenen Künstlerin Vanessa Beecroft.

          Kuratiert hat die Leistungsschau Helmut Friedel, der bis Juni 2017 Intendant des Burda-Museums war. Das zweifache „America!“ kann für Licht und Schatten stehen, auch für die alten und neuen Ambivalenzen gegenüber den Vereinigten Staaten. Angesichts der aufgebotenen Phalanx klingt es aber eher wie ein Roy-Lichtenstein-haftes „Wow!“. Den Aufhänger für die Titel-Frage, wie real denn real sei – also was denn wirklich oder wahrhaftig, wenn nicht gar in einem emphatischen Sinne wahr sei –, soll der Beginn von Donald Trumps Amtszeit bilden: „,Fake News‘ und ,Alternative Facts‘ sind zu Schlagwörtern geworden, die deutlich machen, dass offensichtlich in der Welt der realen Politik nicht mehr zwischen nachgewiesener Wirklichkeit und eindeutigen Falschaussagen unterschieden wird“, schreibt Friedel im Katalog.

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