18.04.2005 · Es geht um Privatbesitz königlicher Herkunft: Das älteste Adelsgeschlecht Europas, das Haus Hannover, versteigert auf dem Welfenschloß Marienburg große Teile seines privaten Besitzes.
Von Rose-Maria GroppVom 29. September bis zum 8. Oktober wird auf dem Welfenschloß Marienburg bei Nordstemmen Besitz des Hauses Hannover versteigert. Es handelt sich um Gemälde, Porzellan, Silber, Glas und Möbel aus der Zeit vom sechzehnten bis zum neunzehnten Jahrhundert.
Aufgeteilt sind die Bestände in rund fünftausend Lose, bei einer Gesamtschätzung von mehr als zwölf Millionen Euro, die zweifelsohne weit übertroffen werden wird. Den acht Tage währenden Marathon - am 2. und am 3. Oktober wird pausiert - betreut die Auktionsfirma Sotheby's, gemeinsam mit dem Kunstberater Christoph Graf Douglas, dessen Beziehungen zum Haus Hannover maßgeblich für das Zustandekommen sind.
Im Auftrag Ernst Augusts
Die Auktion erfolgt im Auftrag des jungen Prinzen Ernst August von Hannover, dem sein Vater, der zur Zeit schwer erkrankte Prinz Ernst August, bereits im vergangenen Jahr das deutsche Eigentum der Familie übertragen hat. Der Erlös der Versteigerung wird in eine Familienstiftung fließen, die auch dem Unterhalt der welfischen Kulturgüter dienen soll.
Nicht veräußert werden das ursprüngliche neogotische Inventar von Schloß Marienburg, einem romantisierenden Bau des neunzehnten Jahrhunderts, und die Möblierung des Fürstenhauses in Herrenhausen. Beide Gebäude bleiben auch weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich. Wesentliche Teile des Auktionsguts - überwiegend aus dem neunzehnten Jahrhundert - stammen von den einstigen Welfenschlössern Cumberland am Traunsee in Österreich und Blankenburg im Ostharz.
Umverteilung zwischen Adel und Bürgertum
Es waren die fulminanten Adelsauktionen der Thurn und Taxis auf Schloß St.Emmeran in Regensburg 1993 und der Markgrafen und Großherzöge von Baden in Baden-Baden 1995, die Maßstäbe gesetzt haben für solche Verkäufe, bei denen es zur Umverteilung angestammter Habe zwischen Adel und Bürgertum kommt.
Wenn die Welfen das jetzt tun, ist es doch nicht wie jedesmal: Gewiß wird das Haus auf diese Art eine ganze Menge Ballast aus Speichern, Kellern und Lagern los, an dem andere dann Freude haben mögen, vor allem der Provenienz wegen. Doch auch dies bleibt: Es sind die Welfen, die es tun - das älteste Adelsgeschlecht Europas, aus dessen Mitte einst Heinrich der Löwe gegen Barbarossa aufstand; die Welfen, denen im siebzehnten Jahrhundert die Kurfürstenwürde zufiel und die Anfang des achtzehnten Jahrhunderts den englischen Königsthron als Erbe erhielten.
Es sind die engen, sich langer Tradition verdankenden Verbindungen, die Christoph Graf Douglas - wie schon im Fall der badischen Markgrafen - auch für die Welfen tätig werden ließen. Und es sind die Logistik und die Infrastruktur der weltweit umsatzstärksten Auktionsfirma, des amerikanischen Aktienkonzerns Sotheby's, die den Ablauf garantieren werden. Philipp Herzog von Württemberg führt den deutschen und französischen Zweig von Sotheby's; auch er ist Sproß eines früher regierenden Hauses. Er wird am Pult des Auktionators stehen: Es geht dieses Mal um Privatbesitz königlicher Herkunft.
Rose-Maria Gropp Jahrgang 1956, Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.
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