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Auktion bei Sotheby's : Wenn Damien Hirst Millionen fließen läßt

Bankenkrise? Das muss woanders sein: Schon am ersten Tag seiner Londoner Auktion hat der britische Künstler Damien Hirst einen Rekord erzielt. Noch nie hat die Versteigerung der Werke eines einzelnen Künstlers eine derart hohe Summe eingebracht.

          Der blonde Jungbulle mit den goldenen Hufen und Hörnern in seinem goldenen Kasten tat gestern Abend, was von ihm erwartet wurde. Nach einem angemessenen Gefecht wurde Damien Hirsts „The Golden Calf“ bei 9,2 Millionen Pfund an einen telefonischen Bieter zugeschlagen, den Cheyenne Westphal, Chefin im Department für Gegenwartskunst bei Sotheby's, im Saal vertrat. Damit hat Hirst nicht nur seinen bisherigen Auktionsrekord überboten, sondern auch sein Exempel auf dem Kunstmarkt bravourös statuiert. Über den Käufer indessen ist bisher überhaupt nichts zu erfahren, noch nicht einmal die Nationalität; Cheyenne Westphal kommentierte die Frage, direkt nach der Auktion, lachend mit: „Alle sind anonym!“ - das mag sich noch ändern.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Das alles geschah am Montag abend in London, jenem Tag, an dem die Stadt vom bisherigen Höhepunkt der internationalen Bankenkrise so schlimm erschüttert wurde. Als gäbe es keine Verbindungen zu diesem Kosmos, schloss bei Sotheby's die Prestige-Versteigerung mit den ersten 56 von insgesamt 223 Werken mit einem phänomenalen Resultat ab; der englische Künstler Damien Hirst hatte seine sämtlich brandneuen Arbeiten unter dem Titel „Beautiful Inside My Head Forever“ selbst bei dem Auktionshaus eingeliefert - und also seine Galeristen aus dem Geschäft mit seiner Kunst ausgebootet und stattdessen zu Bietern und möglichen Käufern gemacht (Hirst-Auktion: Gebt dem Künstler, was des Künstlers ist ). Nach zweieinhalb Stunden im gänzlich gefüllten Auktionssaal an der New Bond Street waren 54 von 56 Losen verkauft, und einer oberen Gesamtschätzung von 62,37 Millionen für diesen ersten Abend stand ein Umsatz von knapp 70,55 Millionen Pfund (also inklusive dem von den Käufern zu zahlenden Auktionsaufgeld) gegenüber. Wohl war mit einem Erfolg dieses Experiments zu rechnen; jedoch Hirsts einzigartiger Coup im Kunstmarkt scheint regelrecht aufzugehen. Es gab (bei zwei Rückgängen) fast durchweg Ergebnisse innerhalb, vielfach oberhalb der Taxen.

          8,5 Millionen für einen Hai

          Zum zweitteuersten Los wurde „The Kingdom“, ein Remake von Hirsts legendärem ersten Hai im Formaldehydbad, der mindestens vier Millionen bringen sollte - und nach minutenlangem, zähem Ringen 8,5 Millionen Pfund kosten sollte, die ein (ungenannter) telefonischer Bieter investierte. Am Auktionspult stand Oliver Barker von Sotheby's, der in diesem Hirst-Special von seiner Kanzel aus wahrhaft um jeden einzelnen, höchsten Zuschlag geduldig und beharrlich rang, was das gerade nicht beteiligte Saalpublikum gelegentlich zum Bienenschwarm werden ließ, allerdings auch die Ernsthaftigkeit bewies, die den reinen Show-Charakter, den manche erwartet hatten, gründlich widerlegte.

          Diesen Eindruck verstärkten im Saal Jay Jopling, Damien Hirsts Londoner Galerist, und eine dreiköpfige Abordnung seines in New York beheimateten Händlers Larry Gagosian. Beide taten dies und das im Lauf der Bietgefechte und des Abends; dazu gehört, dass Jopling „The Triumvirate“, drei großformatige Kästen mit anatomischen Modellen, zur unteren Schätzung von 1,5 Millionen Pfund (ohne Aufgeld) kaufte. Und hierher gehört auch nach beinah schon zwei Stunden, dass der für die längste Zeit ganz große, inzwischen zurückgezogen agierende Galerist und Händler der Londoner Szene, nämlich Anthony d'Offay, im Saal war und, soweit zu erkennen, auf „Here Today, Gone Tomorrow“ bot, Hirsts voluminöses Vitrinenkreuz mit unzähligen Fisch-Skeletten. Am Ende aber blieb offenbar wieder Jay Jopling Sieger, mit seinem Gebot von 2,6 Millionen Pfund.

          Damien Hirst - der während der Auktion, jedenfalls sichtbar, nicht anwesend war, allerdings am frühen Nachmittag fröhlich, gewissermaßen inkognito, durch die Halle von Sotheby's schritt - ließ nach dem abendlichen Parcours ein Grußwort verlesen: „I think the market is bigger than anyone knows…“, heißt es da. Am heutigen Dienstag geht die Auktion weiter. Möge des Künstlers Zuversicht Wirklichkeit werden. Und nicht nur dort.

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