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Architekturbiennale in Venedig : Oh, wie schön ist Offenbach

  • -Aktualisiert am

Neubauten verwischen die herbe Anmut der Stadt: Laut einer Broschüre ist der Offenbacher Hafen „Lebenswelt von morgen“. Bild: Wolfgang Eilmes

Offenbach sei hässlich und laut, habe viele Arbeitslose und viel Kriminalität, lautet das gängige Vorurteil. Jetzt feiert der deutsche Pavillon auf der Architekturbiennale in Venedig ausgerechnet Frankfurts wilder Schwester als Stadt der Zukunft.

          Ein Smalltalk-Kennenlern-Gespräch irgendwo in Deutschland. „Und, was machst du so?“ - „Journalistin“. - „Ah, das ist sicher ein spannender Beruf. Und wo kommst du her?“ Antwort: „Ich wohne in Offenbach.“ Je nachdem, wer das fragende Gegenüber ist, gibt es in diesem Moment entweder ein betretendes Schweigen, einen mitleidigen Blick, ein knappes „Oha!“ oder, ganz direkt: „Ach, Offenbach, das ist doch die Assi-Vorstadt von Frankfurt“, gefolgt von der Frage „Kann man denn da nachts allein auf die Straße gehen, so als Frau?“

          Offenbach ist: hässlich, laut, hat viele Arbeitslose, viel Kriminalität - so das gängige Vorurteil, das auch von Leuten wie dem in Offenbach aufgewachsenen türkisch-kurdisch-stämmigen Gangsterrapper „Haftbefehl“ kultiviert wird. Seine Botschaft lautet: Wer hier groß geworden ist, kann eigentlich froh sein, es überlebt zu haben. Offenbach als Bronx von Hessen, und zwar die Bronx der siebziger Jahre. 37 Prozent der Bürger in der 130.000-Einwohner-Stadt sind Ausländer - Offenbach liegt damit auf Platz eins in Deutschland und auch in der EU ganz weit vorn. Auch das erscheint einigen als Problem. Wenn Offenbach in der überregionalen Presse vorkam, dann als Problemfall.

          Eine Frage von Architektur und Stadtplanung

          Doch jetzt passiert etwas Erstaunliches. Der Problemort wird zum Vorbild geadelt. Ein Kuratorenteam vom Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt, das den deutschen Pavillon auf der Ende dieser Woche beginnenden Architekturbiennale in Venedig gestaltet, macht aus der Offenbach-Not eine Tugend und präsentiert die Stadt dem internationalen Publikum als positives Beispiel einer sogenannten „Arrival City“, in der Ankommen und Integration besonders gut gelingt. Das übergeordnete Motto des deutschen Beitrags lautet „Making Heimat. Germany, Arrival Country“ und zeigt, dass die vielzitierte Flüchtlingsfrage eben auch eine Frage von Architektur und Stadtplanung ist; neben einigen „Arrival Cities“ werden Unterkünfte für Flüchtlinge und Migranten aus ganz Deutschland präsentiert.

          Eine Stadt als Großbaustelle: Kräne über Offenbach im November 2014
          Eine Stadt als Großbaustelle: Kräne über Offenbach im November 2014 : Bild: Picture-Alliance

          Alles also halb so wild in Offenbach? Und zuerst einmal, wie funktioniert so eine Ankunftsstadt überhaupt? Der Journalist Doug Saunders erklärt es in seinem Buch „Die neue Völkerwanderung. Arrival City“, das gewissermaßen die intellektuelle Matrix liefert, von der aus der deutsche Beitrag argumentiert.

          Eine hervorragend funktionierende Infrastruktur

          Da zieht zum Beispiel ein bettelarmer Bangladescher aus seinem Heimatdorf an den Rand von London. Der Neuankömmling sucht sich eine winzige Wohnung, findet einen Job, gründet später ein kleines Geschäft, holt die Familie nach, schafft im Idealfall einen gewissen ökonomischen Aufstieg und wird allmählich Teil der „Arrival City“. Was ihm dabei hilft: ethnische Netzwerke, günstige Mieten, gute Verkehrsanbindungen, Zugang zu Arbeitsplätzen, Offenheit und Toleranz seitens der Ankunftsstadt.

          In diesem Sinne ist auch Offenbach tatsächlich eine „Arrival City“. Die Mieten sind noch bezahlbar, mit der S-Bahn sind es nur fünfzehn Minuten nach Frankfurt. In der verdichteten Offenbacher Innenstadt konnten sich viele Migranten selbständig machen. In den unteren Etagen von Wohnhäusern haben sich kleine Läden eingenistet, hier ein italienischer Metzger, dort ein kroatischer Supermarkt oder eine marokkanische Shisha-Bar. Zieht etwa ein Türke aus der Türkei nach Offenbach - die Türken bilden hier die größte Migrantengruppe -, so trifft er auf eine hervorragend funktionierende Infrastruktur, geschaffen von seinen Landsleuten.

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