23.08.2009 · Das hätte vor einiger Zeit noch niemand für möglich gehalten: Der Ultramoderne Peter Kulka wird das verschwundene Potsdamer Stadtschloss wiederaufbauen. Berlin dürfte staunend sehen, was der entschlossene Nachbar zustande bekommt.
Von Dieter BartetzkoDas hätte vor einiger Zeit noch niemand für möglich gehalten: Peter Kulka wird das verschwundene Potsdamer Stadtschloss wiederaufbauen. Kulka, der Ultramoderne? Der, den sein gläserner Sächsischer Landtag 1999 berühmt machte? Dem traditionsverliebte Leipziger auf ewig die radikal schmucklose schwarze Marmorkiste übelnehmen, die er als Probensaal hinter den Beton-Neoexpressionismus des Neuen Gewandhauses wuchtete, und Dresdner, dass er den legendären Riesensaal im dortigen Schloss nicht rekonstruierte, sondern als Riesenraum der Zweiten Moderne interpretieren wird?
Obwohl: Dresden kann sich derzeit nicht sattsehen am „Kleinen Schlosshof“, den Kulka mit Luftkissen futuristsich überdacht und so zu einem Forum gemacht hat, in dem Alt und Neu eine bestechend schöne Symbiose eingegangen sind (Eine Kuppel für Dresden: Das setzt der Stadt die Krone auf). Genau deswegen wurde sein Büro nun ausgewählt, das Potsdamer Stadtschloss als Brandenburgs Landtag wiedererstehen zu lassen. Denn es wird – so wollte es auch der Bauherr – keine unversehrte Auferstehung geben, sondern, wegen des Raumbedarfs, einen neuen Parlamentsbau in einer alten Hülle, der geborgene Originalteile den Segen partieller Authentizität erteilen.
Den „Goldenen Schnitt“ bewahren
Die größte Abweichung vom barocken Original des G. W. Knobelsdorff stellt die Erweiterung des Mittelflügels und der beiden Seitenflügel zum Innenhof hin dar. Den damit gewonnenen Raum werden Sitzungssäle, Verwaltungs-, Fraktions- und Abgeordnetenbereiche füllen. Architekt und Bauherren sind überzeugt, dabei den „Goldenen Schnitt“ Knobelsdorffs in verkleinertem Maßstab und so die Ausgewogenheit aller Volumina bewahren zu können.
Nicht nur spür-, sondern auch sichtbar werden Veränderungen der Dachlandschaft sein: Statt der einstigen, vielgliedrig chinois geschwungenen Linien wird sie, weil einige Satteldächer entfallen, begradigte Konturen samt einem zusätzlichen dritten Obergeschoss zeigen. Letzteres fällt kaum auf. Doch Kulka wäre nicht Kulka, würde er die Zutat nicht doch mittels diskreter Fensterreihen in Gestalt liegender Rechtecke kennzeichnen.
Detailgetreu nachgebaut wird das berühmte festliche Treppenhaus im Mitteltrakt mit seinen tänzerisch eleganten Stufenfolgen samt schmiedeeisernen Gittern und Atlanten. Diesem Juwel des Barock will Kulka mit dem neuen Plenarsaal ein Kleinod des Heute anfügen, das „schönste Plenum der Republik“, licht, mit schwebender Decke und edler Bürgertribüne. Computersimulationen lassen erste vielversprechende Züge erkennen. Dass mit der Detalbearbeitung alles noch verfeinert werden wird, verbürgt Kulkas vielfach bewährtes Können. Das um sein Stadtschloss alias Humboldt-Forum ringende Berlin jedenfalls dürfte staunend sehen, was in der Nachbarstadt dank entschlossener Bauherren und eines selbstbewussten Architekten zustande kommt.
Sehr schön, und irgendwann haben wir "Germania" geschaffen ...
Inanc Bardakcioglu (HurraTuerkiye)
- 24.08.2009, 01:00 Uhr
Armseliges Potsdam
fritz Teich (fazfazfaz123)
- 24.08.2009, 01:02 Uhr
Da gehen sie hin..die Soli Gelder ... 120mill projektierte Kosten
Michael Meier (never1)
- 24.08.2009, 10:34 Uhr
Schon interessant, für was man Jahr für Jahr...
Alfons Crocusé (ALCR)
- 24.08.2009, 12:04 Uhr
Neuschwanstein, Linderhof, Hohenschwangau, Berliner+Potsdamer Stadtschlösser
Thomas Frieling (TFrieling)
- 24.08.2009, 12:09 Uhr