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Architektur Dreifaches Z: Das neue Innenministerium

22.11.2007 ·  Der Siegerentwurf des Berliner Architektenduos Müller/Reimann für das neue Innenministerium ist ein Schritt hin zum neuen Berliner Staatsstil. Er schwelgt in Schinkel-veredeltem Funktionalismus und erinnert an einen introvertierten Riesen, findet Dieter Bartetzko.

Von Dieter Bartetzko
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Nicht wenige rümpften die Nase, als bekannt wurde, dass das Bundesinnenministerium sich nicht mit seinem derzeitigen Provisorium begnügen, sondern bauen werde. Einige von ihnen mag die Tatsache milder gestimmt haben, dass statt der geplanten 192 Millionen Euro nur 175 Millionen anfallen werden.

Viele aber wird der Sieg des Berliner Architektenduos Müller/Reimann im Wettbewerb freuen. Die beiden sind bestens eingeführt: Nach ihrem Entwurf enstand 1996 der neue Trakt des Aussenministeriums, der monumental und doch anmutig vor dem zyklopischen Altbau von 1933 steht; „Zweite Moderne“ als David, die spielerisch den NS-Goliath zähmt.

Ein introvertierter Riese

Beim Innenministerium ist alles anders. Müller/Reimann bauen einen Solitär, die Großform ein ineinander verschachteltes dreifaches „Z“, die Einzelteile Rastergerüste in Travertin gekleidet. Vor- und Rücksprünge im Takt der Fensterbänder gliedern die Fassaden, Brüstungsleisten betonen die Waagerechte, in den Erdgeschossen öffnen sich einige Durchgänge, deren kompakte Travertin-Pfeiler auf festliche Freitreppen treffen, die in gepflasterte Innenhöfe führen.

All das ist ein Schritt hin zum neuen Berliner Staatsstil. Abgeleitet vom steinernen Nachwende-Berlin des Senatsbaudirektor Stimmann, schwelgt er in werksteinernem, Schinkel-veredeltem Funktionalismus. Bei Müller/Reimann korrespondiert dies mit der aktuellen Rückwendung vieler junger Architekten zum Repräsentationsstil der Spätmoderne. So kommt es zu Grotesken wie der, dass an der Gedächtniskirche gerade Travertinbauten der sechziger Jahre fallen, um nun am Moabiter Werder in Gestalt des neuen Innenministeriums aufzuerstehen.

Letzteres aber wird der Stadt, anders als seine Vorgänger beim Kudamm, den Rücken zuwenden. Ein introvertierter Riese: Rita Süßmuths einstige Rede vom Parlament, das Aug' in Aug' mit den Bürgern arbeiten werde, klingt da wie der Nachhall einer längst versunkenen Welt.

Quelle: F.A.Z., 22.11.2007, Nr. 272 / Seite 38
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Jahrgang 1949, Redakteur im Feuilleton.

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