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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Architektur Der Skandal-Turm des chinesischen Fernsehens

 ·  Um den jüngst fertiggestellten Neubau des chinesischen Fernsehsenders in Peking ist eine heiße Debatte entflammt. Schwelgt das vom niederländischen Architekten Rem Koolhaas entworfene Gebäude in pornographischen Formen?

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Der niederländische Architekt Rem Koolhaas hat sich auf der auch von ihm betreuten Website des „Office for Metropolitan Architecture“ (www.oma.nl) gegen die in China zurzeit weitverbreitete Vorstellung verwahrt, der von ihm entworfene Neubau des staatlichen Fernsehsenders in Peking, der sogenannte CCTV-Tower, habe eine pornographische Bedeutung. Grundlage dieser Idee ist eine Fotomontage, die den charakteristischen Torbogen des Gebäudes parallel zu den Beinen einer knienden nackten Frau zeigt. Das Bild war ein Entwurf für den Umschlag des von Koolhaas 2004 im Taschen-Verlag herausgegebenen Buchs „Content“; es wurde damals zwar verworfen, im Inneren des Buchs aber gleichwohl dokumentiert. Schon im folgenden Jahr, vor allem aber nun in den vergangenen Monaten, zirkulierte das Foto im chinesischen Internet und erregte dort starke Entrüstung. Laut einer Umfrage halten 47 Prozent der Teilnehmer das Gebäude tatsächlich für ein Symbol der weiblichen Genitalien.

„Der Bau sollte als nationale Schande wieder abgerissen werden“, forderten manche, und ein Bericht fasste den Vorgang mit der Überschrift zusammen: „Architekt hält 1,3 Milliarden Chinesen zum Narren.“ Koolhaas beteuert nun in seiner sowohl auf Chinesisch wie auf Englisch abgefassten Erklärung, dass die von einem Designer erstellte Fotomontage „in keiner Weise unsere Meinung repräsentiert“; vielmehr habe man sich schon damals dafür entschieden, den CCTV-Tower als „das positive und leuchtende Beispiel einer sich wandelnden Weltordnung“ zu präsentieren: „Er hat keine verborgene Bedeutung.“ Die Zentralverwaltung des Staatssenders will das Gebäude noch vor dem sechzigsten Jubiläum der Volksrepublik am 1. Oktober dieses Jahres beziehen.

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Jahrgang 1959, Feuilletonkorrespondent in Peking.

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