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Jil Sander im Gespräch : Am Ende muss es leicht sein

Aus Jil Sanders letzter Kollektion, Frühjahr/Sommer 2014 Bild: Repro Museum für Angewandte Kunst

Sie revolutionierte die deutsche Mode und eröffnete Frauen eine elegante Androgynität. Jil Sander über ihre erste Museumsausstellung, die am kommenden Wochenende in Frankfurt eröffnet.

          Die Ausstellung ist riesig. Das ganze Museum für angewandte Kunst ist leergeräumt für Sie, für Ihre Mode, alles ist Ihrem Gestaltungswillen unterworfen. Sie wollen trotzdem nicht, dass es eine Retrospektive genannt wird.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Ich war immer gegen eine Puppenparade mit vielen Mannequins. Ich empfinde es als schwierig, wenn Kleidung so tot auf den Puppen steht. Deswegen hat mich eigentlich eine Museumsausstellung in der Form nie interessiert. Weil Kleider, wenn sie nicht getragen werden, ihre Energie verlieren. Man muss sie neu kreieren, neu kombinieren. In der Ausstellung, wie sie jetzt entstanden ist, geht es um ein Gesamtwerk. Ich habe mich nicht nur mit Stoffen und Schnitten und Mode, sondern auch sehr viel mit Architektur und Kunst befasst. Die Idee für die Ausstellung war: Wie sehe ich, was ich bisher gemacht habe, mit meinem Auge von heute, wie beurteile ich das, was ich sehe?

          Sie sind nicht einfach ins Archiv gegangen und haben die alten Klamotten rausgeholt? Hatten Sie überhaupt ein Archiv?

          Die Stücke in der Ausstellung haben wir zum größten Teil aus privaten Sammlungen. Sie wissen ja, ich habe im Jahr 2000 ein Joint Venture mit Prada gemacht. Das war eine sehr große Veränderung. Und damit war auch das Archiv nicht mehr vollständig greifbar.

          Sie haben die alten Kollektionen an Prada mitverkauft?

          Ja, die gehörten dazu. Ich habe auch nie daran gedacht, wieder zu diesen alten Sachen zurückzugehen, obwohl ich einige Angebote hatte, für Ausstellungen, für Bücher. Mich interessierte immer die Weiterentwicklung. Dass ich jetzt doch eine Ausstellung mache, hat auch mit diesem Haus zu tun. Mir hat die Architektur sehr zugesagt, der Bau von Richard Meier. Er schien mir irgendwie schön, diese Loft-Idee, Innen und Außen. Wir respektieren die Architektur, aber wir machen das Ganze leichter, heller, weiter. Ich möchte, dass die Besucher von Anfang an eine besondere Energie spüren.

          Jill Sander
          Jill Sander : Bild: Peter Lindbergh

          Es gibt auch Musik.

          Ja, der Sound begleitet uns unterschiedlich, je nach Vision und je nach Thema in den einzelnen Ausstellungsräumen. Wie auch das Licht, das sich verändert.

          Die Musik hat Frédéric Sanchez beigesteuert, der seit 1991 Ihre Schauen musikalisch begleitet hat. Sind die Lichtkünstler auch dieselben wie bei den Defilees?

          Nein, wir arbeiten mit einem Lichtteam mit großer Museumserfahrung.

          Sie wollten zwar eine Ähnlichkeit mit der Ästhetik der Schauen, aber nicht, dass es gleich aussieht?

          Wichtig war mir immer, dass man eine Schau macht, die nicht auseinanderfällt, und der Zuschauer den Sound, dann das Make-up oder die Models und dann die Mode wahrnimmt, sondern dass alles im Zusammenspiel geschieht. Das war auch der Grund dafür, dass ich schließlich meinem eigenen Flagship-Store gebaut habe, in Paris.

          Avenue Montaigne Nr. 50. Gegenüber von Marlene Dietrichs Wohnung.

          In der Nähe ihrer Wohnung. Das war, wenn ich das heute so betrachte, ein ziemlich mutiges Projekt. Damit begann meine architektonische Laufbahn. Denn wenn man sich auf solche Projekte einlässt und dann auch noch weltweit, und wenn man dann auch noch auf höchste Qualität schaut und überall natürlich die gleiche Energie will, dann wird man fast ein Bauingenieur. Deshalb war es mir hier jetzt auch sehr geläufig, die Architektur der Ausstellung mitzugestalten.

          Sie sind die erste deutsche Designerin überhaupt, die in Paris nicht nur einen Flagship-Store eröffnet hat, sondern auch in der Modewelt akzeptiert war, mit ganz neuen Ideen. Gibt es im deutschen Schneiderhandwerk eine Traditionslinie, in der sie sich sehen, was das Handwerk, die sehr qualitätsvolle Verarbeitung angeht? Jemanden wie Uli Richter etwa?

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