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Alexander McQueen in Düsseldorf Kleidung wird zur Kunst gemacht

01.08.2005 ·  Alexander McQueen im NRW-Forum: Hier geht es nicht um die Mode, sondern um Videokunst. Sieben Projektionsflächen zeigen, was die Defilees des Modestars benötigen: Musik, Choreographie, Bühnenbild, Schnittechnik.

Von Andreas Platthaus
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Der Urheber all dessen, was es im NRW-Forum Kunst und Wirtschaft auf sieben großen Projektionsflächen zu sehen gibt, taucht in einigen der Filme wie ein Kobold am Ende auf: im Hemd, in Jeans oder in Baggy-Trousers mischt er sich unter die Models, denen er Roben und Röcke und Hosen und Blusen auf den Leib geschneidert hat. Er steht für den Einbruch des Proletariats in die Welt der Haute Couture, und Alexander McQueen gibt mit seinen knappen Schlußverbeugungen zu verstehen, daß er derjenige ist, der hier die ganze Arbeit macht. Und sei es auch die phonetische Transkription eines Gassenhauers aus "Mary Poppins", der seiner Winterkollektion des Jahrgangs 2002/2003 den Namen gegeben hat: "Supercalifrajilisicxpiadlidoucious".

Doch McQueen ist kein Wortverdreher, sondern Modemacher, einer der berühmtesten noch dazu. Er lernte bei Romeo Gigli, machte sich selbständig und behielt die eigene Kollektion auch noch bei, als er 1997 von Givenchy als Chefdesigner engagiert wurde. Der Mittdreißiger gilt immer noch als junger Wilder. In Düsseldorf kann man sehen, warum. Denn die sieben Projektionsflächen zeigen sieben "Catwalk Videos", die mit einem Laufsteg aber nicht mehr viel zu tun haben. Es sind Dokumentationen der Haute-Couture-Präsentationen McQueens zu fünf Sommer- und zwei Winterkollektionen, die er zwischen 1998 und 2004 entworfen hat.

Mode ist nur der Anlaß

Der Schau geht es aber gar nicht um die Mode, sondern um Videokunst. Deshalb wirken die sechs aufgestellten Abendroben und die Serie von Backstage-Fotografien, die Anna Deniau aufgenommen hat, wie Flitterkram, wenn man sie mit der Macht der bewegten Bilder vergleicht. Hintereinander aufgereiht und von Vorder- wie Rückseite zu betrachten, grenzen die sieben Projektionsflächen sieben Klangräume ab, die durch unterschiedlichste Rhythmen charakterisiert werden. Aber auch das Erlebnis beim Durchwandern dieser Zonen ist nicht der eigentliche Inhalt der Ausstellung. Sie will ein Gesamtkunstwerk präsentieren, daß Mode nur zum Anlaß seiner Entstehung hat. McQueens Defilees benötigen für ihre Wirkung auch Musik, Choreographie, Bühnenbild, Schnittechnik, Inszenierung.

Und nicht zuletzt Erotik. Der englische Modemacher ist bekannt für seine Liebe zu transparenten Stoffen, er legte schon Bauchnabel frei, als das im Straßenbild noch als gewagt gelten durfte, und auch mit seinen Hüfthosen war er dem Trend so weit voraus, wie ihm sein eigenes Erscheinungsbild in den Videos hinterherhinkt. Seine Models arrangiert er gern zu Ornamenten der Masse, statt sie nur allein paradieren zu lassen, und bisweilen dürfen gar ein paar Herren mit auf die Bühne, wenn es wie im "Deliverance" betitelten Programm zur Sommerkollektion von 2004 eine heiße Sohle aufs Parkett zu legen gilt.

Die Kette der sieben Projektionsflächen ergänzt sich auf aleatorische Weise zu einer bis ins Farbliche aufeinander abgestimmten Folge von Bewegungsstudien. Und nur wer Stunden vor den Filmen verbringt, wird die Mängel dieser Präsentation bemerken: Die Videos sind uneinheitlich gestaltet; mal gibt es unendliche Abspänne, mal Abbrüche; einige enthalten vorgeschaltete Proben- oder Garderobenaufnahmen, andere wählen den direkten Einstieg auf die Bühne. Alle diese Zäsuren aber stören den ästhetischen Genuß des reibungslosen Übergangs, den man im Saal vermittelt bekommt. Aber wer schlendernd schaut, wie ganze Kohorten schönster Frauen aufmarschieren, dem wird ein Sommervergnügen geboten, das eine längere Laufzeit verdient hätte als die drei Wochen, die man die erst am vergangenen Wochenende eröffnete Präsentation noch sehen kann.

NRW-Forum Kunst und Wirtschaft, Düsseldorf, bis 21.August.

Quelle: F.A.Z., 02.08.2005, Nr. 177 / Seite 33
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Jahrgang 1966, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Bilder und Zeiten“.

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