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Aktionskunst Banksy in Bethlehem

23.12.2007 ·  Der gefeierte britische Graffiti-Künstler Banksy hat er zusammen mit anderen Künstlern Graffiti an der Sperrmauer und an Privathäusern in Bethlehem angebracht. Doch seine Bildsprache führt zu Missverständnissen unter den Palästinensern.

Von Joseph Croitoru
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Bethlehem leidet seit Jahren unter dem Rückgang des Fremdenverkehrs, was auch mit dem Bau der israelischen Sperranlage zusammenhängt. Um Abhilfe zu schaffen, wurde der britische Graffiti-Künstler Banksy, der schon vor zwei Jahren mit Kunst gegen den Krieg auf der palästinensischen Seite des Sperrwalls hervortrat, wieder tätig. In den vergangenen Wochen hat er zusammen mit anderen Künstlern Graffiti an der Sperrmauer und an Privathäusern in Bethlehem angebracht.

Das Projekt mit dem Titel „Santa’s Ghetto“ soll nicht nur auf die schwierige Lage der Palästinenser aufmerksam machen, sondern diese auch durch den Verkauf limitierter Kunstdrucke und mit einem Online-Shop unterstützen. Der Brite ist nicht der einzige Aktivist der Wohltätigkeits-Graffitis: Die niederländische Initiative „Sendamessage“ (Schicken Sie eine Botschaft) lädt Kritiker des Zauns zum Fern-Protest ein. Für dreißig Euro können sie einen selbstgewählten Spruch an die Mauer sprühen lassen, der auch im Netz dokumentiert wird. Man will den Palästinensern damit eine Verdienstmöglichkeit schaffen, um ihre Not ein wenig zu lindern.

Ratte mit Steinschleuder

So löblich, wie die Absicht auch erscheint – das Ergebnis ist zwiespältig. Denn die Bildsprache wohlmeinender Westler deckt sich nicht immer mit jener der Palästinenser. Etwa wenn Banksy, der Mann mit der Ratte als Markenzeichen, das Tierchen auch in Bethlehem anbringt – mit einer Steinschleuder in der Pfote. Die palästinensische Presse hat eigens darauf hinweisen müssen, dass es sich bei dem Tier um das Signet des Künstlers handelt, stellt doch die Hamas in ihrer Propaganda ihre Gegner von der Fatah als verabscheuungswürdige Ratten dar.

Auch an Banksys ironischem Wandbild, auf dem ein israelischer Soldat den Ausweis eines Esels kontrolliert, scheiden sich die Geister: Als Esel dargestellt zu werden, mag als Beleidigung aufgefasst werden, andere wiederum sehen sich in dem Eindruck bestätigt, von den Israelis wie Esel behandelt zu werden. Und das von Banksy gezeichnete kleine Mädchen mit Zöpfen und Dirndl hätte kaum mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt etwas zu tun, würde es nicht an einem bewaffneten israelischen Soldaten eine Leibesvisitation durchführen – was bei den Palästinensern besonders gut anzukommen scheint.

Für einen Protest gegen die Sperranlage dürfte sich mancher aus Holland importierte Spruch, der nun an der Mauer prangt, nicht unbedingt als passend erweisen. „Cindy & Mark got married today“ – man mag noch so sehr an die siegreiche Kraft der Liebe glauben, dennoch scheint uns eine solche Selbstverewigung angesichts des realen palästinensischen Leids fehl am Platz.

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