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Akademie der Künste : Mehr Weg als Ziel

  • -Aktualisiert am

Die Berliner Akademie der Künste zieht an diesem Samstag in ihr neues Domizil am Pariser Platz. Das Gebäude ist eine Sensation, ein Feuerwerk der Einfälle: ein Anspruch, den der Hausherr erst noch einlösen muß.

          Der Neubau für die Berliner Akademie der Künste, der heute im Beisein allerhöchster Zelebritäten mit einigem gesellschaftlichen Aufwand eingeweiht wird, ist eine Sensation.

          Nicht mehr, nicht weniger. Ein befreiender, ein beglückender Ort, ein Haus, durch das zu schlendern, treppauf, treppab, von Brücke zu Balkon zu Empore, eine wahre Lust ist. Günter Behnisch und Werner Durth, die beiden Architekten, haben eine rechte Leistungsschau ihrer Kunst inszeniert, ein Feuerwerk von Einfällen, ein schillerndes, heiteres, vielfach ironisch gebrochenes Exempel, was Architektur alles kann, selbst auf einem derart beengten, schwierigen Grundstück wie dem der Akademie am Pariser Platz, wo das neue Haus an angestammter Stelle eingezwängt ist zwischen dem neohistoristisch biederen Hotel Adlon und Frank O. Gehrys steinschwerer „DG Bank“.

          Leider mißratene Glasfassade

          Offen ist der Bau, voller Durchblicke hinter seiner symbolisch überschätzten, leider mißratenen Glasfassade, eine transparente Schatulle für die wilhelminischen Säle der alten Akademie und zugleich eine öffentliche Passage vom Brandenburger Tor zum Holocaust-Mahnmal, mehr Weg als Ziel, eine Einladung, hereinzuspazieren, zu schauen, herumzuwandern, vielleicht einen Kaffee an der langen Bar im Foyer zu trinken und, gleichsam en passant, aufmerksam zu werden auf die Kunst, die hier in Zukunft an vornehmster Stelle der Stadt einen Sitz haben soll.

          Für die Akademie, deren West-Berliner Hälfte seit 1960 in einem idyllischen Bau am Rande des Tiergartens residierte, der als Rückzugsort und Studio erhalten bleiben soll, ist das neue Haus Segen und prekärer Ansporn. Sie müßte jetzt, wollte sie ihrer Behausung gerecht werden, mindestens so ideenreich, so überraschend, so ruppig und anregend werden wie die Architektur, die sie umhüllt. Bislang freilich ist sie davon weit entfernt.

          Fast ein wenig schläfrig

          Suchte man nach Vokabeln, die den gegenwärtigen Zustand der Institution beschreiben, so drängen sich lauter Begriffe auf, die im schärfsten Kontrast stehen zu den Versprechungen der neuen Architektur. In sich gekehrt ist die Akademie, unauffällig, fast ein wenig schläfrig, wenig streitlustig, mehr Depot denn Labor, mit einem Wort: übersehbar. Die überregionale Bedeutung und internationale Ausstrahlung der Künstlersozietät, die im Streit um die Übernahme der Einrichtung durch die Bundesregierung immer wieder reklamiert wird, um Zweifel der Länder an der Zuständigkeit des Bundes zu zerstreuen, ist eher Behauptung denn Faktum, und sie wird auch nicht schon dadurch erreicht, daß heute abend zur Eröffnung sowohl der Bundespräsident als auch der Kanzler mit Grußworten herbeieilen.

          Nun gibt es für die betrübliche Verfassung der Akademie durchaus objektive Gründe. Die diffizile Vereinigung von Ost- und West-Hälfte, unter den Präsidenten Heiner Müller und Walter Jens Mitte der neunziger Jahre ins Werk gesetzt, hat viel Kraft gekostet. Die grotesken, zeitraubenden, geldverschlingenden Schwierigkeiten der Bauarbeiten am Pariser Platz, die der Schriftsteller Rolf Hochhuth eben noch einmal in einer wüsten Polemik angeprangert hat, haben, wiewohl üblich in Berlin, die Verantwortlichen über Gebühr in Anspruch genommen; und die festangestellten Mitarbeiter in den sechs Sektionen der Akademie neigen schon seit einer Weile dazu, sich eher in ihre Themen zu verbohren, denn in die Öffentlichkeit hinein zu wirken.

          Aberwitziges Mißverhältnis

          Hinzu kommt, wie bei vielen öffentlich finanzierten Institutionen, ein einigermaßen aberwitziges Mißverhältnis zwischen den fixen Personalkosten und den frei disponiblen Mitteln für Projekte. Jede der Banken, die am Pariser Platz, vis-a-vis der Akademie, luxuriöse Repräsentanzen unterhalten, könne mehr Geld für die Kultur ausgeben als er, stellt Adolf Muschg, der Akademiepräsident, nüchtern fest.

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