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Ai Weiwei im Gespräch : Wir werden ein Desaster erleben

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Das Dorf, in dem Ai Weiwei lebt, nennt sich neuerdings „Caochangdi Art Zone“. Der Künstler findet, die einzige harmonische Gesellschaft in diesem Land sei die der Hunde und Katzen in seinem Garten.

          Der Hauptteil des Films „Never sorry“ über Sie endet vor Ihrer Verhaftung im letzten Jahr. Was hat sich seitdem für Sie geändert?

          Der Film läuft auf diese Verhaftung zu. Man kann die Frustration sehen, auf meiner Seite, bei der Gesellschaft, den jungen Leuten, die ich beeinflusst habe, und auch bei der Regierung, den Funktionären. Das führte dann zu der Haft, die 81 Tage lang dauerte. Der chinesische Staat hat bis heute nicht offen meinen Fall diskutiert. Also, da gibt es keine Veränderung von Seiten der Regierung. Was mich betrifft, spreche ich weiter mit der Presse, twittere weiter, versuche weiter an meinen Recherchen zu arbeiten wie vorher. Wenn sich etwas geändert hat, dann ist es mein Verständnis der Situation. Bis heute sehen wir kein Anzeichen dafür, dass die Regierung eine politische Reform will. Es gibt keinen Sinn dafür, dass es Raum für freie Diskussion geben sollte. Es gibt kein Zeichen dafür, dass die Regierung die Unabhängigkeit des Rechtssystems sicherstellen will. Ohne eine solche Reform wird die sogenannte Entwicklung Chinas aber ein Desaster sein, wird nirgendwohin führen. Sie wissen, Leute, die das Geld und die Macht haben, schicken ihre Kinder in den Westen zur Schule, bringen ihr eigenes Geld ins Ausland und lassen die Probleme hier zurück. Es gibt immer noch keine Vision, keinen Mut, keine Vorstellungskraft.

          Wie interpretieren Sie heute, was Ihnen im vergangenen Jahr geschehen ist?

          Ich habe mich immer gefragt: Warum passiert das im jetzigen Augenblick, was ist der Grund dahinter, warum veranstalten sie so eine Verhaftung im Geheimen? Sie unternahmen eine Riesenanstrengung, stellten über zweihundert Beweisstücke von unseren Computern sicher, untersuchten sogar die Wohnungen unserer Mitarbeiter in ihren Heimatorten in anderen Provinzen, ihre Verwandten, Geschwister, Eltern, ihre Arbeitseinheiten, alles wurde untersucht. Und dann ließen sie mich plötzlich frei. Ich fragte: Warum lasst ihr mich frei? Keine Antwort. Das, was sie mir sagten, war: Ai Weiwei, wir können dir nicht sagen, weshalb wir dich verhaftet haben, und wir können dir nicht sagen, warum wir dich freigelassen haben. Was wir dir sagen können ist, dass wir dich wieder verhaften können und dass wir dich nicht wieder freilassen müssen.

          Hatten Ihre Verhaftung und Ihre Freilassung eventuell mit Machtkämpfen innerhalb der Partei zu tun, wie sie jetzt durch die Absetzung und Verhaftung des Politbüromitglieds Bo Xilai sichtbar geworden sind?

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