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Afrikanische Kunst : Die Entdeckung einer neuen Kunstwelt

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Lange wurde die afrikanische Kunstszene unterschätzt. Das könnte sich bald ändern: In Südafrika, Uganda oder Angola wächst eine neue Generation von Künstlern und Galeristen heran. Ein Gespräch mit den Gründerinnen des Magazins „C&“ für afrikanische Kunst.

          Für die Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland wurde zuletzt auf der Kunstmesse Frieze ein Werk des afrikanischen Künstlers Georges Adéagbo erworben. Museen in Frankfurt, Köln und Düsseldorf haben angekündigt, vermehrt Kunst aus Afrika sammeln und zeigen zu wollen. Gibt es einen Boom afrikanischer Kunst in Deutschland?

          Julia Grosse: Auch wenn gerade gerne von einem „African Art Boom“ gesprochen wird, ist das im deutschen Kontext schon etwas übertrieben. Es ist natürlich erfreulich, zu sehen, dass auch deutsche Museen beginnen, sich nicht nur auf die Kunstproduktion in Europa und Nordamerika zu konzentrieren. Aber die Tatsache, dass dieser recht neue Fokus, der eigentlich selbstverständlich sein sollte, als „Boom“ empfunden wird, zeigt, dass man noch ein ganzes Stück davon entfernt ist, von einer gleichberechtigten „Global Art“ sprechen zu können. Denn letztendlich lassen sich Ausstellungen in Deutschland, in denen künstlerische Perspektiven aus Afrika oder der Diaspora gezeigt werden an einer Hand abzählen.

          Yvette Mutumba: Und die Projekte, die diese Perspektiven berücksichtigen, zeigen tendenziell eine ähnliche Gruppe von Künstlern. Natürlich ist es schön, immer wieder Arbeiten von Yinka Shonibare, Julie Mehretu, Kader Attia oder William Kentridge zu sehen. Aber es ist auch schade, weil man die Chance verpasst, die vielen anderen spannende Positionen einem größeren Publikum vorzustellen.

          Die Tate Modern in London hat 2011 eine Partnerschaft mit der nigerianischen Guaranty Trust Bank zur Förderung zeitgenössischer Kunst aus Afrika abgeschlossen. Die Tate gilt als Vorreiter in Europa auf diesem Feld. Wie schätzen Sie die deutsche Kunstszene im Vergleich dazu ein?

          Mutumba: Mit Okwui Enwezors „The Short Century“ im Jahr 2001, mit der von ihm kuratierten Documenta 11 im Jahr darauf sowie mit der Blockbuster-Schau „Afrika Remix“ im Jahr 2004 von Simon Njami gab es ja in Deutschland bereits wegweisende, international beachtete Ausstellungen. Allerdings wirkten sie nicht nachhaltig. Wie anders wäre es sonst zu erklären, dass die MMK-Ausstellung „Die Göttliche Komödie“, die Simon Njami zehn Jahre nach „Afrika Remix“ kuratiert hat, in weiten Teilen als DIE Möglichkeit wahrgenommen wurde, sich endlich einen Überblick über die Kunstproduktion in Afrika und der Diaspora verschaffen zu können? Es wäre nicht gut, wenn diese großen und auch wichtigen Überblickausstellungen zu Alibi-Veranstaltungen würden: Man hat die Kunst gezeigt und kann sich danach wieder Ed Atkins, Andy Warhol und dem Expressionismus widmen.

          Grosse: Natürlich übertreiben wir hier ein wenig. Wir sind nicht der Ansicht, dass die deutschen Museen und Galerien jetzt ständig nur Ausstellungen mit Kunst aus Afrika zeigen sollten. Im Gegenteil, es müsste normal werden, dass in Ausstellungen auch Künstler mit einer afrikanischen Perspektive teilnehmen. Als zeitgenössische Künstler und ohne dass ihr Hintergrund groß thematisiert wird.

          Die meisten Museen werden weltweit gerade in Asien gegründet. Wie sieht die Museumslandschaft in Afrika aus?

          Mutumba: Auf dem afrikanischen Kontinent finden gerade sehr spannende Entwicklungen statt, die aber eigentlich über das, was wir uns vielleicht unter einer „Museumsszene“ vorstellen, hinausgehen. Sicher, es gibt Museen für zeitgenössische und moderne Kunst wie beispielsweise die National Art Gallery of Rwanda oder das Gezira Center for Modern Art, Kairo. Der Sammler Jochen Zeitz plant gerade den Bau eines Megamuseums in Kapstadt, das ausschließlich Gegenwartskunst zeigen wird. Vielleicht noch spannender ist aber die wachsende Zahl unabhängiger Kunsträume. Dort werden die unterschiedlichsten Formen von Ausstellungen, Sammlungen, Biennalen oder anderen Festivals ausprobiert. Diese Räume werden durch eine neue Generation von Kuratoren entwickelt, betreut und kommuniziert.

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