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Abgang eines Museumsdirektors Aber einmal noch ein König

 ·  Kasper König machte aus dem Museum Ludwig in Köln einen Ort von Weltrang. Nun räumt er sein Büro und geht in Rente. Was bleibt zu tun am letzten Arbeitstag?

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© Karich Vergrößern Gestatten: Kasper König. „Ich bin kein Rambo. Ich bin nur direkt.“

An seinem letzten Arbeitstag trägt Kasper König Smoking, dazu ein blau-weiß-kariertes Fleecehemd, das preiswert aussieht und eher für einen Oktoberfestbesuch passend wäre. Den Smoking hat er sich vor zwölf Jahren gekauft, damals war er hier gerade Direktor geworden. Als er die Rechnung als Spesenquittung in der Verwaltung einreichte, flippte die Buchhaltung zum ersten Mal aus - ein Smoking als Arbeitsanzug? Für einen Museumsdirektor?

Es ist neun Uhr morgens. Wir sitzen in seinem Büro im hintersten Trakt des Gebäudes. Auch wer schon einmal hier war, verläuft sich leicht. An seiner Tür hängt noch die Präambel, die formuliert, wie er vor zwölf Jahren hierherkam: „Von dem Willen geleitet, das Museum Ludwig wieder zu einem Ort der Kunst von internationalem Rang zu machen.“ Das hat funktioniert, absolut. Aber was nun?

Der Betrieb hat ihn nicht zerschlissen

Kasper König hat vierzig Jahre Kunstgeschichte geprägt. Als Kurator, Museumsdirektor und Künstlerfreund. Er hat als Leiter der Frankfurter Städelschule die Ausbildung ganz neu gedacht. Hat Künstler wie Claes Oldenburg entdeckt und begleitet. Hat ein intellektuelles, freies Klima geschaffen, dass die Hochschule als sozialen Ort etablierte. Hat das Ausstellen und schließlich das Museum Ludwig revolutioniert. Kasper König ist ein Intellektueller, der keine Schubladen öffnet beim Denken und den der Betrieb dennoch nicht zerschlissen hat. Ein Kämpfer, der genau dort arbeitete, wo der Widerspruch, dass die Kunst frei ist, die Subventionen aber begrenzt sind, zum Alltag gehört. Ein Patriarch, in dessen Wirken sich all die Vorzüge des Patriarchentums zeigen - und auch ein paar Nachteile.

Er hatte die Idee als unsinnig abgetan, ihn an seinem letzten Arbeitstag zu begleiten. Da passiere ja gar nichts mehr, sagte er. Den ganzen Tag über wird er so tun, als sei der Tag, an dem er Smoking trägt, ein Tag wie jeder andere. Er ist jetzt fast 69 Jahre alt. Sein Vertrag ist zwei Jahre über die Pensionsgrenze hinaus verlängert worden. Seit einem halben Jahr ist klar, dass er geht. Trotzdem hat er vor wenigen Wochen noch einmal mit Rücktritt gedroht, weil die Stadt Köln irgendetwas anders wollte als er. Wie könnte einer, der es stets für etwas Besonderes hielt, dass er bleibt, es nun normal finden, dass er geht?

Unter dem Arm trägt er seinen Kalender

Am letzten Arbeitstag folgt König wie immer seinen Umwegen, verbringt viel Zeit mit seiner Kunst, dem Sehen und Gesehen werden. Noch einmal streift er, den Rücken leicht gebeugt, durch sein Museum, das er, sonst meist in Hemd und Hosenträgern, wie ein Revier inspiziert. Unter dem Arm klemmt sein Kalender und das Adressbuch, in das er Nummern einträgt, Visitenkarten einklebt, beschriftet. Er hat kein Smartphone, keine Datei mit Kontakten. Zuhause hortet er noch Kalender aus vierzig Jahren.

Die Besucher bleiben stehen. „Schau mal, das ist er“, tuscheln sie, während er von einem Erlebnis auf der Vernissage mit David Hockney vor ein paar Tagen erzählt. Dort seien Autogrammjäger gewesen, welche die Karten im Internet verkaufen wollten. Aggressiv, unerbittlich seien sie aufgetreten, als wäre es ein Menschenrecht, diese Unterschrift zu bekommen. Aber Hockney gab sie ihnen nicht. König erzählt davon wie von einer Begegnung mit Außerirdischen. Was kommen denn da jetzt für Leute zur Kunst?

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