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500 Jahre Sixtinische Kapelle Hätte Luther ihn doch nur verstanden!

Michelangelos Deckengemälde der Sixtinischen Kapelle wird fünfhundert Jahre alt. Als es entstand, war Martin Luther in Rom. Er könnte es gesehen - und missverstanden haben.

© dpa Michelangelos „Erschaffung Adams“ - eine von acht Einzelfresken in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan

Das Jahr 1510 in Rom war spannungsgeladen. Achtzehn Jahre zuvor hatte der Genuese Christoph Columbus eine neue Welt entdeckt und so die Grundlage des spanischen Weltreichs gelegt. Sieben Jahre später sollte die Christenheit durch die Unbeugsamkeit eines deutschen Bettelmönchs auseinanderbrechen. Auf dem Papstthron saß 1510 ein Italiener, Julius II., il Terribile, der Schreckliche, wie die Römer raunten. Kardinal war der junge Giuliano della Rovere dazumal durch seinen Onkel Papst Sixtus IV. geworden. Mit politischem Geschick, Intrigen und gestreuten Gerüchten hatte er dazu beigetragen, den Ruf seines Erzfeindes, des Spanierpapstes Alexander VI. Borgia, zu ruinieren.

Gewiss, dieser Papst hatte im Stil eines weltlichen Fürsten gelebt, nicht anders als die italienischen Renaissancepäpste auch, doch er hatte weltpolitisches Format. Während sein italienischer Vorgänger Innozenz VIII. es als Höhepunkt seines Pontifikats ansah, seinen Sohn mit der Tochter Lorenzos des Prächtigen von Florenz zu vermählen und der zu Papst Julius II. gewordene della Rovere in den Krieg ritt, um dem Kirchenstaat Besitzungen hinzuzufügen, gelang es AlexanderVI. im Vertrag von Tordesillas, die Großmächte Spanien und Portugal zu einer Teilung der Welt in Interessensphären zu bewegen. Damit hat er der Menschheit Tausende von Kriegstoten erspart.

Frommes Kunsthandwerk oder große Kunst?

Der monströse Ruf Alexanders VI. ist nicht zuletzt das Werk der nationalitalienischen Propaganda, die den Spanier nach allen Regeln der Infamie verunglimpfte. Mit Hexen habe er sexuell verkehrt, ließ zum Beispiel sein Sekretär Burchard von Straßburg verlauten. Dass Innozenz VIII., Julius II. selbst und weitere italienische Päpste Kinder hatten, weiß die Geschichte, doch verschweigt es die Fama. Die Desinformationskampagne des Kardinals della Rovere und seiner italienischen Freunde, die alle Unarten der Renaissance auf den Spanierpapst projizierten, hat bis heute Erfolg.

So wäre Julius II. als verschlagener Intrigant, mittelmäßiger Politiker und erfolgloser Kirchenreformator in den Fußnoten der Geschichte verschwunden, wäre nicht sein Streben nach Nachruhm gewesen. Während Papst Alexander VI. sich nicht um sein Grab kümmerte und seine Gebeine mit denen seines Onkels, Papst Calixt III., fast dreihundert Jahre lang in einem Sakristeischrank vermoderten, strebte der Roverepapst bald nach seiner Wahl nach einem Prunkgrab. Der Renaissancemensch wusste, dass nicht frommes Kunsthandwerk ewigen Ruhm verleihen konnte, sondern nur große Kunst.

Die kam damals nicht aus Rom, die gab es in Florenz, in Umbrien, in Mailand. So beauftragte er Donato Bramante aus Mailand, ihm das größte Gotteshaus der Welt zu planen. Das Pantheon solle er auf die gigantische Basilika des Konstantin wuchten, so wollte es der Papst, und für die Finanzierung mussten Ablässe her, verhängnisvolle, wie sich später herausstellen sollte. Den jungen, schon berühmten Michelangelo Buonarotti aus Florenz betraute er mit dem Entwurf seines Grabs, das mit 48 titanischen Gestalten die Apsis des neuen Petersdoms füllen sollte.

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