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Aktualisiert: 18.05.2017, 14:32 Uhr

Zweihundert Jahre Städelschule So lernt man Kunst!

Was macht das Geheimnis der Städelschule aus? Zu ihrem 200. Geburtstag hat FAZ.NET Künstler aus aller Welt gefragt. Herausgekommen sind Berichte über lange Nächte im Atelier, Streit und bleibende Freundschaften.

Daniel Birnbaum

Hat Anne Imhof, die vielleicht sichtbarste Künstlerin Europas im Moment, etwas bei Professor Judith Hopf in der Städelschule gelernt? Was haben Tomas Saraceno, Danh Vo oder Simon Denny, um einige in der ganzen Welt wirksame Absolventen zu nennen, in Frankfurt gelernt, und wie war das möglich? Ich weiß es nicht. Kann man Kunst überhaupt lehren? Wir haben vor einigen Jahren in der Städelschule ein Buch zu dem Thema gemacht, „Kunst Lehren“ (Walther König), in dem John Baldessari, der damals zu Gast war, die Frage ganz präzise beantwortet: „Nein, eigentlich glaube ich nicht, dass man Kunst Lehren kann.“ Und trotzdem wissen wir mit Sicherheit, dass irgendwas mit den Studierenden und deren Arbeiten passiert in den Ateliers. Vielleicht hat Tobias Rehberger recht, der im gleichen Buch behauptet: „Wenn es einmal gelingt, den Kitsch loszuwerden, den man mit sich herumschleppt, dann kommt man fast automatisch am richtigen Ort an.“ Es ist eine Freude: Manchen gelingt das.

Daniel Birnbaum war zwischen 2000 und 2010 Rektor der Städelschule. Seit 2010 leitet er das Moderna Museet Stockholm.

Haegue Yang

Ich kam 1994 nach Deutschland, um in der Klasse von Georg Herold an der Städelschule zu studieren. Anfangs kam ich mir vor wie eine Analphabetin. Die Städelschule kam mir vor wie ein Labor, in dem mit brutal nährstoffreichem Dünger extremes Wachstum produziert wird. Man lernte, sich selbst zu behaupten und sein Selbstvertrauen unter Beweis zu stellen, ob man nun eins hatte oder nicht. Was einem in der Kunst widerfährt, hat oft wenig mit Demokratie oder Sinn zu tun. Es gibt Momente, in denen nach langen Diskussionen und Rationalisierungen Entscheidungen per Münzwurf fallen. In der Kunst geht es nicht um Konsens, Mehrheiten und Konventionen. Man muss dorthin gehen, wo man nichts weiß.

Haegue Yang, geboren 1971 in Seoul, studierte von 1994 bis 1999 an der Städelschule. Sie folgte zu diesem Semester als Professorin auf Michael Krebber.

Martha Rosler

Nach vielen Jahren als Professorin in Amerika erlebte ich die Zeit an der Städelschule als Glück und Befreiung. Die Schule schien das beste und das schlimmste am deutschen Bildungssystem zu verkörpern: die mittelalterliche Meister-Schüler-Beziehung und die Freiheit der Professorin, nicht zu „unterrichten“, sondern eher mit den Studenten Zeit zu verbringen, aber auch intellektuell anspruchsvoll zu arbeiten. Ich erinnere mich an viele ernsthafte Studenten aus den unterschiedlichsten Ländern, eine hilfsbereite Verwaltung (meistens), eine höchst nützliche Bibliothek, einen strengen Hausmeister (was gut ist), unzuverlässige Heizungen und barbarische Toiletten.

Die Künstlerin Martha Rosler war von 2005 bis 2009 Professorin an der Städelschule.

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