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Kunst Visuelle Echokammer - Dali bis Jeff Koons

 ·  Surrealismus, gibt es den noch? Ja, sagt eine Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle und veranschaulicht das an Beispielen von Salvador Dali bis Jeff Koons.

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Große Ausstellungen spannen oft riesen Bögen. Auf den Gedanken, einen Bogen von Dalí bis zu Jeff Koons zu spannen, muss man erst mal kommen.

Zwar verbindet beide, den spanischen Surrealisten und den New Yorker Star des Neo-Pops eine Neigung zum Exaltierten, vielleicht zum „Hypermentalen“, aber es liegt auch viel zwischen ihnen: immerhin drei Generationen, und auch nicht wenig Kunst, die man nicht ohne weiteres mit „wahnhafter Wirklichkeit“ in Verbindung bringen kann.

Kritiker kamen schon zu Wort

Hat „Hypermental“ den Bogen überspannt? Als die Ausstellung im Herbst im Kunsthaus Zürich eröfffnet wurde, waren etliche Kritiker dieser Meinung. Ein „Ragout“ hätte die Kuratorin Bice Curiger angerührt, das theoretische Konzept sei bloßes „Brainstorming“, die Zusammenstellung der Werke ein „Patchwork“, schrieb Matthias Frehner vernichtend in der „Neuen Zürcher Zeitung“.

Worum geht es in „Hypermental“? Um eine völlig neue Sicht auf die Kunst von 1950 bis 2000? Erklärtermaßen versucht die Schau, das „unvollendete Projekt des Surrealismus“, von dem der Londoner Kunsthistoriker Norman Bryson in seinem Katalogessay spricht, bis in die Gegenwart zu verfolgen. Anspruch auf Vollständigkeit oder allgemeine Gültigkeit besteht jedoch nicht.

Schon frühere Ausstellungen Curigers, etwa die Auswahl amerikanischer Malerei unter dem Titel „Birth of the Cool“, die in Zürich und in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen war, vertrauten weniger einem niet- und nagelfesten Begriffsraster als dem visuell nachvollziehbaren Dialog der einzelnen Werke.

Visuell nachvollziehbarer Dialog

Hierin liegt auch die Stärke der etwas verschlankten Präsentation, die von Christoph Heinrich für die Hamburger Kunsthalle entwickelt wurde. Wie in einer visuellen Echokammer grüßen sich Dalís in Punkte aufgelöster Kopf des toten Bruders und Sigmar Polkes der Drucktechnik entlehnte Raster; längliche wurmartige Formen finden sich in James Rosenquists Pop-Bild „I love you with my Ford“ und im „Phallus-Boot“ der hierzulande immer noch weit unterschätzten Japanerin Yayoi Kusama; das metallene Glitzern von Oberflächen findet sich in den 1976 fotorealistisch wiedergegebenen Neonschriften Robert Cottinghams wie auch zwanzig Jahre später in Jeff Koons ebenso akkurat gemalter rosa Schleife.

Dieser Gegenstand, der eigentlich keiner ist, verkörpert prototypisch die Erotisierung der Ware, das sinnliche Versprechen auf ein Dahinter, das es nicht gibt. Erotik ist ein zentrales Thema der Ausstellung, der es an Buntheit und sinnlichen Reizen nicht mangelt. Die „wahnhafte“, halluzinatorische, „Hyper“-Wahrnehmung der Wirklichkeit ist manchmal beängstigend, oft aber betont lustvoll.

Unscharfe Katergorien

Klare Kategorien gehen dabei unter, so die nicht besonders einleuchtende Einteilung der Schau in sechs Abteilungen. „Begehrte Objekte - objekthaftes Begehren“ - eher Wortspiel als Kategorie. Jedenfalls würde sie nicht auf alle ausgestellten Werke passen. Konziser ist da schon die Einteilung in eine Kunst, die von den Naturwissenschaftlichen und eine andere, die von Science Fiction inspiriert ist. Auch die Zusammenfassung von Dalís Lenin-Vexierbild mit Op Art und neuerem Ornament-Revival „Vexierwelten / Psychedelik / Cybermystik“ ist einigermaßen nachvollziehbar.

Wirkliche „Cyber“-Kunst findet man jedoch nicht. Auch bei der Auswahl ganz aktueller Kunst dominieren Malerei und Video, Olaf Breunings Installation mit Ritterrüstung weist auf die Welt der Computerspiele. Das Nachleben des Surrealismus in der heutigen Bilderwelt war besser dokumentiert in den „Fantastic Voyages“, der „Kosmologie des Videoclips“, die kürzlich in sieben Folgen in 3sat ausgestrahlt wurde.

Das Morphing-Verfahren, in Dalís „Madonna von Raphael in Höchstgeschwindigkeit“ 1954 mit Pinsel und Öl vorausgeahnt, gehört inzwischen zum Standardrepertoire des Musikvideos. Bice Curigers These, dass „Hyper“ mittlerweile „normal“ geworden sei, veranschaulicht „Fantastic Voyages“ besser als die Ausstellung.

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