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Montag, 13. Februar 2012
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Kunst und Krempel Was treibt Harald Schmidt?

16.05.2006 ·  Eine Schwangerschaftssendung, Sport-Gaudi mit Waldemar Hartmann, Moderation des Politmagazins „Report“ - Harald Schmidt hat jüngst keinen Überraschungscoup ausgelassen. Aber paßt der Zyniker tatsächlich in jedes Format?

Von Uwe Ebbinghaus
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Es gibt wohl keinen deutschen Fernsehunterhalter, der sich in den letzten Jahren mit ähnlicher Akribie zur einsamen Fernsehlegende stilisiert hat wie Harald Schmidt: Er ließ sich außer für Fernsehwerbung für kaum etwas instrumentalisieren, gab spärlichst Interviews, hielt Distanz zum Publikum und zum Gesprächsgast. Sein Größenwahn war nur dürftig ironisch gebrochen.

In den letzten Monaten dann der spektakuläre Wandel - drunter tut es Schmidt noch immer nicht. Er zeigt leutselig wie nie Urlaubsfotos bei Beckmann, gibt auch sonst gerne Interviews, findet es eine gute Idee, sich im Apres-Skihumor mit Waldemar Hartmann zu messen - es war eine schlechte Idee -, moderiert eine Schwangerschaftssendung mit Akademikerinnen, die so langweilig ist wie das Warten auf die ersten Wehen, läßt sich von Christiansen zum putzmunteren Talk über ein so ausgemergeltes Thema wie die Lage der Nation einladen und hat gestern - zum 40. Jahrestag - das Politmagazin „Report“ moderiert .

Die Sammelwut eines Messies

Was kommt als nächstes: Die Heimwerkerserie „Dirty Harry“, eine Tiersendung namens „Schmidts Schnauzer“, eine philosophische Talkrunde mit dem Titel „Schmidternacht“, ein religiöses Magazin in Kooperation mit Peter Hahne, im Stil von „Don Camillo und Peppone“? Harald Schmidt ist neuerdings alles zuzutrauen - nur was treibt ihn zu seinen jüngsten Selbstversuchen, die so willkürlich sind, daß sie an die Sammelwut eines Messies erinnern?

Zunächst ist bemerkenswert, daß sein Heimsender ihn bei seinen Eskapaden unterstützt, wenn er diese nicht gar angeregt oder vertraglich festgeschrieben hat. Bemerkenswerter noch, daß in der Programm-Chefetage der ARD dabei niemandem aufzufallen scheint, daß man mit der Schmidtisierung des Programms die Beliebigkeit desselben demonstriert.

Deplaziert und albern

Eine pfiffige Idee der Programmplanung: Warum die gekürzten Politmagazine, die neuerdings ohnehin notorisch satirische Elemente enthalten, nicht mal zum Jubiläum von einem Vorzeigekabarettisten moderieren lassen? Und man kann ja auch wirklich zum Zyniker werden, wenn man in den Beiträgen von gestern abend sah, wie wenig Politmagazine im Grunde bewirken: So zeigte ein Beitrag von gestern, daß Robben weiterhin beherzt gemetzelt werden, obwohl Report schon vor 20 Jahren mit seinen Recherchen für Aufruhr unter den Fernsehzuschauern gesorgt hatte.

Das Problem bei alldem ist nur, daß man dem Zyniker, wenn man ihn instrumentalisiert, und sei es für eine gute Sache, die Zähne zieht. Ein instrumentalisierter Zyniker ist gar kein wirklicher Zyniker mehr, auch wenn Schmidt die Instrumentalisierung gerne als neue Variante des Zynismus darstellen würde. Der Zuschauer (2,3 Millionen sahen den gestrigen „Report“) kann nicht umhin, Schmidts Deplaziertheit zu erkennen und ist verstimmt - ähnlich verstimmt, wie Schmidt selbst gestern wirkte, als er im zuschauerleeren Raum spürte, wie albern seine Anchorman-Persiflage und sein Spickzettelgefummel letztlich waren.

Hase und Igel mit B. Kerner

Was also ist los mit Schmidt? Warum bemerkt er in letzter Zeit immer erst bei der Ausführung, daß er im falschen Konzept steckt? Haben seine Berater nachgelassen (Schmidt selbst verriet außer im Rar-Machen noch nie besonders große Konzeptstärke) oder kommt jetzt in seinen besten Jahren der Schwabe raus, der für das viele Geld, das er - diesmal hauptsächlich vom gemeinen Fernsehzuschauer - bekommt, verantwortungsvoll auch einmal dahin geht, wo es wehtut?

Spielt er gar Hase und Igel mit seinem Alter Ego Johannes B. Kerner oder übt er sich in einer vorübergehenden Selbst-Entmythologisierung á la Bob Dylan, der auch einige schwache mittlere Jahre mit ulkigen Frisuren hinter sich bringen mußte, bevor er zum großen Comeback ansetzen konnte. Es ist ja ein typisches Schmidt-Prinzip der letzten Jahre: So lange auf Kurs bleiben, und sei es auf Fehlkurs, bis es Kult wird.

Kunst und Krempel

Oder gehorcht am Ende gar alles einem ästhetischen Prinzip - die Ehre, so zu fragen, tut man Schmidt ja immer noch gerne an? Ein Prinzip, das sich als Da-Vinci-Code in einer seiner letzten Sendungen aufspüren ließ, in der Schmidt die BR-Sendung „Kunst und Krempel“ persiflierte?

Lautet der Hinweis: Keine Kunst ohne Krempel - erst der Kontrast schärft den Sinn fürs Besondere?

Das würde ja passen: In den letzten Wochen gab es von Schmidt eine Menge, teils kaum erträglichen Krempel. Als nächstes aber steht ein Ausflug in die vermeintliche Hochkultur an - zu den Salzburger Festspielen, wo Schmidt in die Oper „Die Hochzeit des Figaro“ einführen wird.

Davon abgesehen wäre es aber auch eine interessante Variante, wenn sich Schmidt darauf besänne, daß der Krempel, als Ausdruck der Phantasielosigkeit, zuweilen auch den Sinn für den Krempel stärkt - auf Kosten der Kunst.

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