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Kunst und Geschichte Lautloser Jubel

09.01.2003 ·  Die kostbare Kunstsammlung von Friedrich Christian Flick kommt ab 2004 nach Berlin. Der Leihvertrag ist unterzeichnet - doch Jubel will nicht aufkommen.

Von Ilona Lehnart
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Es war keine allzu große Überraschung mehr. Schon im Sommer des letzten Jahres war mit den ersten Anzeichen eines möglichen Leihvertrags zwischen dem Sammler Friedrich Christian Flick und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz eine so lärmend-polemische wie in Teilen unsachliche Debatte um die historische Erblast des Enkels Friedrich Flicks entbrannt, daß allein das Schweigen der Verhandlungspartner vielsagend genug war.

Fest steht, daß Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit gut beraten war, als er dem Sammler Berlin als Standort für eine Kollektion zeitgenössischer Kunst offerierte, die ihre Attraktivität schon allein daraus bezieht, daß kaum ein Mensch sie je zu Gesicht bekam. Prompt war denn auch in den Medien von einer „Phantomsammlung“ die Rede - eine Skepsis, die insofern anhält, als die offizielle Rhetorik von geradezu emphatischer Begeisterung um Qualität und Quantität der „Flick Collection“ - rund 1800 Werke von 150 Künstlern soll sie umfassen - getragen wird.

Als jetzt der Vertragsabschluß auf einer Pressekonferenz im Hamburger Bahnhof bekannt gegeben wurde, schien sich in die ambivalente Stimmung Verlegenheit zu mischen. Sie dürfte sich sowohl aus der verlockenden Offerte wie aus dem Charisma der Person generiert haben.

Ist es wirklich so, daß Berlin mit der „Flick Collection“ ab Frühjahr 2004 so etwas wie eine Büchse der Pandora öffnet? Flick selbst weiß, daß eine scharfe Trennung zwischen Kunst und Geschichte, persönlicher Neigung und Verantwortung nicht zu ziehen ist. Kritik, so äußerte er jedoch nicht ganz zu Unrecht, dürfe nicht dazu führen, daß der Träger eines historisch belasteten Namens handlungsunfähig werde. Und es ist zu vermuten, daß die kritischen Stimmen in den nächsten Tagen erneut anschwellen. Schon äußerte sich Flicks innigste Berliner Feindin Alice Ströver, kulturpolitische Sprecherin der Grünen im Abgeordnetenhaus, indem sie dem Kultursenator „Feigheit“ vorwarf. Thomas Flierl hatte auf den Vertragsabschluß weder „mit Jubel noch mit Verdammnis“ reagieren wollen, indes immerhin den versöhnlichen Schluß gezogen, daß die Präsentation dieser Sammlung in Berlin geeignet sein könnte, die „historischen Brüche, mit denen die Stadt und die ganze deutsche Gesellschaft lebt, zum Gegenstand der öffentlichen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zu machen“.

Nimmt man den Sammler beim Wort, sind es in der Tat die Brüche und Verwerfungen Berlins, die ihm den Standort so attraktiv machten. Er glaubt, daß sich eine Sammlung, die ausdrücklich auf politische Kunst setzt - mit großen Werkblöcken von Bruce Nauman, Joseph Kosuth, Robert Ryman, Lawrence Weiner und anderen Konzeptkünstlern mehr - im Kontext der deutschen Hauptstadt anders positioniert als es in Zürich der Fall gewesen wäre. Kunst als Antipode zur Historie - eine Spannung, aus der sich neue diskursive Ansätze gewinnen lassen?

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