01.12.2002 · Nicht erst die Flut hat Dresden den desolaten Zustand seiner Kultureinrichtungen gebracht. Intendanten packen jetzt an, Künstler spenden.
Eine Kunstauktion internationaler Zeitgenossen hat am Samstagabend in Berlin zu Gunsten der Dresdner Galerien Alter und Neuer Meister einen Erlös von über 3,4 Millionen Euro erbracht.
Die Veranstalter zeigten sich sehr zufrieden. Der höchste Einzelpreis wurde mit 2,6 Millionen Euro für das abstrakte Gemälde „Fels“ von Gerhard Richter erzielt. Bei der Versteigerung von insgesamt 46 Werken unter der Leitung des Londoner Auktionshauses Sotheby's fanden Arbeiten von Jörg Immendorf für 40.000 Euro, von Markus Lüpertz für 43.000 Euro und von Georg Baselitz für 180.000 Euro neue Besitzer.
Die Großfotografie „Dresden“ von Andreas Gursky erbrachte 130.000 Euro. Die Einnahmen werden ohne Abzug zur Finanzierung eines neuen Depots für die Dresdner Kunstschätze verwendet, sagte eine Sprecherin. Die Künstler hatten ihre Werke mit großzügiger Geste kostenlos zur Verfügung gestellt.
Kultur ist mehr als Kunst
Zur selben Zeit tagte in Dresden an diesem Wochenende eine Intendantenrunde, die sich mit einem öffentlichen Aufruf erneut zur prekären Lage von Kultureinrichtungen der Elbestadt zu Wort meldete. In einem Vier-Punkte-Papier hat sie unter anderem dazu gemahnt, das kommende Jahr für eine umfassende Konsolidierungsdiskussion zu nutzen. Dazu müssten vor allem die Streichungen im Kultur-, Sozial- und Jugendbereich zurückgenommen werden.
Die Intendantenrunde sprach sich für eine Sachdiskussion aller Beteiligten „ohne Zeitdruck“ aus, da dieser nachhaltige Lösungen nur verhindern könne. Die vorgeschlagene Schließung der Staatsoperette Dresden sei ein Zeichen der Konzept- und Hilflosigkeit. Der Aufruf ist mit einer Unterschriftenaktion verbunden. Zur Dresdner Intendantenrunde gehören die führenden Köpfe von Kultureinrichtungen der Stadt und des Freistaates, unter anderem von Kreuzchor, Semperoper und Staatsschauspiel.