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Kunst & Markt Was kostet die Kunst? Antworten im Netz

22.07.2002 ·  Wer wissen will, was Kunst heute kostet, kommt ohne Hilfsmittel nicht aus. Zahlreiche Internet-Dienste möchten Orientierung bieten. Ein Überblick.

Von Stefan Kobel
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Der immaterielle, persönliche Wert von Kunst lässt sich kaum ermessen. Gleichwohl handelt es sich bei jedem Kunstwerk um ein handelbares Gut, das damit auch seinen Preis hat. Die Preisbildung gehorcht den gleichen Gesetzen wie bei den meisten anderen Produkten. Allerdings ist der Markt wesentlich komplexer, weil die Zahl der unterschiedlichen „Produkte“ unendlich größer ist. Schließlich handelt es sich bei den meisten Werken um Unikate, selbst hohe Auflagen verlassen in den seltensten Fällen den dreistelligen Bereich.

Sich einen umfassenden Überblick über die Werte von Kunstwerken zu verschaffen, kommt einer Lebensaufgabe gleich, die selbst Profis mit jahrzehntelanger Erfahrung bestenfalls noch in ihrem Spezialgebiet bewältigen können. Auch der Handel wäre längst hilflos ohne Hilfsmittel und Instrumente zur Preisbestimmung: Datenbanken und Publikationen bieten Preisinformationen in diversen Formen, auf unterschiedlichen Daten basierend und zu verschiedenen Bereichen. Auch die Kosten für diese Dienste divergieren erheblich. Für jedermann kostenfrei zugängliche Internetdatenbanken konkurrieren mit gedruckten Verzeichnissen und CD-ROMS oder kostenpflichtigen Online-Zugängen, deren Preismodelle vom Pay-per-View bis zum Jahresabo reichen. Bei den Anbietern im Internet sind Kosten und Leistungsfähigkeit dabei genauso unterschiedlich wie die Layouts der Seiten, die von extrem spartanisch bis barock überladen daherkommen. Ein Überblick von FAZ.NET und kunstmarkt.com.

Suche mit Tücken: auction.de

Die Preisdatenbank des Stuttgarter Auktionshauses Nagel ist das einzige kostenfrei nutzbare Online-Instrument. Der Nagel Auction Index (kurz NAX) stellt die Versteigerungsergebnisse des eigenen Hauses in Form einer recherchierbaren Datenbank im Internet unter www.auction.de zur Verfügung. Dankenswerterweise ist dieser Service völlig frei zugänglich, eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Die Suchfunktion hat ihre Tücken, und die Datenbasis ist relativ schmal. Bei weniger prominenten Bereichen des Kunstmarktes wie asiatischer Kunst oder Schmuck stellt der NAX allerdings die einzige Online-Quelle dar. Die Daten stammen aus den eigenen Katalogen und enthalten daher die Abbildungen und vollständigen Beschreibungen. Mit jeder Auktion wächst der Datenbestand und damit die Aussagekraft der Ergebnisse für den deutschen Markt. Fazit: Für denjenigen, der kein Geld ausgeben kann oder will, bietet der Index erste Anhaltspunkte.

Amerikanisch und teuer: artnet.com

www.artnet.com wartet mit einer Internetseite auf, wie man es von einem Dotcom gewohnt ist: ansprechendes Design, Galerienportal und ein Magazinteil mit fast täglichem Klatsch und Tratsch aus der Kunstwelt bieten den Rahmen für eine Preisdatenbank, die über zwei Millionen Auktionsergebnisse der letzten 10 Jahre von 185.000 Künstlern bei 500 Auktionshäusern weltweit verzeichnet und bei Händlern sehr beliebt ist.

Artnet, mit viel Presserummel an die Börse gebracht, sorgte mit Gerüchten um Aktienverkäufe vor Ablauf der Haltefrist für einen der ersten Skandale am Neuen Markt. Mit Blick auf die internationale Kunstszene haben die Frankfurter zeitig ihre Zelte in New York aufgeschlagen und geben sich ganz amerikanisch. Das merkt man der Datenbank auch an: Sonderzeichen wie Umlaute und Accents führen regelmäßig zu Fehlern, so dass es angeraten ist, jeweils nach allen möglichen Schreibweisen zu suchen. Die Daten werden offensichtlich ungeprüft übernommen, so dass die Fehlerrate recht groß ist. Kataloge, in denen neben Kunst auch zum Beispiel Kunsthandwerk enthalten ist, werden gar nicht erst bearbeitet.

Die großen Pluspunkte von Artnet sind die Aufnahme der unverkauften Lose sowie die Abbildungen, auf die die anderen großen Anbieter aus Gründen des Urheberrechts verzichten. Ihren Wettbewerbsvorteil lassen sich die Deutsch-Amerikaner teuer bezahlen: Das günstigste Monatsabo mit dem Recht auf neun Abfragen kostet satte 30 Dollar, ein quasi unbegrenzter Zugang mit bis zu 125 monatlichen Einzelrecherchen schlägt mit 250 Dollar zu Buche. Als Zahlungsmittel werden ausschließlich Kreditkarten akzeptiert. Über Laufzeiten und Kündigungsfristen schweigt sich die Homepage aus. Fazit: Das Angebot lohnt sich nur für Profis und fortgeschrittene Sammler.

Abbuchen ohne Vorwarnung: artprice.com

www.artprice.com ist eine in Frankreich beheimatete Seite in französischer und englischer Version, die zur Groupe Serveur gehört. Prominentester Aktionär des Unternehmens ist Bernard Arnault, Chef des Luxusgüterkonzerns LVMH und Mitinhaber der Nummer Drei des Auktionsmarktes, Phillips, de Pury & Luxembourg. Neben der Auktionspreis-Datenbank werden Charts und Reports angeboten, die auf Basis dieser Daten erstellt werden. Rund 4 Millionen Ergebnisse seit 1700 von knapp einer Viertelmillion Künstlern aus 2.900 Auktionshäusern machen Artprice nach eigenen Angaben zum Marktführer in Sachen Datenfülle, die unter unter anderem durch die Aufnahme von Grafik ohne Preislimit bewerkstelligt wird.

Die Suche ist bisweilen mühselig, auch hier gibt es Probleme mit unterschiedlichen Schreibweisen der aufgeführten Künstler. Bei der Anzahl verzeichneter Gemälde hat die Konkurrenz die Nase oft vorn. Ein Testzugang wird nicht gewährt, der Interessent muss sich mit einem Beispieldatensatz begnügen. Die Abrechnung erfolgt nach einem Punktesystem: Jede Leistung kostet eine gewisse Anzahl an Punkten, die vorher erworben werden müssen. Die kleinste Einheit besteht aus 20 Punkten und kostet 20 Dollar.

Bei einer Suche in der Datenbank kostet die Detailansicht jedes verkauften oder unverkauften Loses eine Einheit, die Betrachtung der Daten zurückgezogener Werke ist kostenlos. Bei einer detaillierten Recherche nach vielgehandelten Künstlern können theoretisch Kosten von einigen Hundert Euro entstehen. Einmal eingeloggt, erfolgt die Abbuchung von Einheiten ohne weitere Vorwarnung, so dass sich das Konto unbemerkt leeren kann. Das ist besonders unangenehm in Anbetracht der Tatsache, dass in diesem Modus das System nicht in der Lage zu sein scheint sich zu merken, welche Egebnisse der Kunde bereits angeschaut hat. So kann es beim Vor- und Zurückblättern im Browser und mehreren offenen Fenstern vorkommen, dass für ein und dieselbe Leistung unbemerkt mehrmals bezahlt wird.

Die Bestellung von Charts und Reports geht auf die gleiche Weise vonstatten, allerdings ist es hier möglich, nach Belieben hin- und herzumanövrieren, ohne dass das Konto mehrfach belastet wird. Bei einem Preis von 50 Einheiten pro Abfrage kann man das auch erwarten. Schon dessen Höhe macht deutlich, dass sich dieses Angebot an Profis wendet. Einen angeblich unbeschränkten Zugang gibt es für 170 Euro für drei Monate oder 490 Euro für ein ganzes Jahr. Das Kleingedruckte stellt jedoch klar, dass bei 1.250 Einheiten pro Quartal Schluss ist. Bezahlt wird das teure Vergnügen per Kreditkarte, Scheck oder Überweisung. Fazit: Zum Ausprobieren lohnt sich ein kleines Einheiten-Paket für 20 Dollar, ansonsten nur für Profis.

Lob der Briefmarke: artauctionresults.com

Britisches Understatement bestimmt den optischen Eindruck des Art Sales Index. Eine sehr sparsame grafische Gestaltung vermittelt dem Nutzer den Eundruck, dass bei seiner Online-Datenbank www.artauctionresults.com nicht Entertainment, sondern reine Fakten im Mittelpunkt stehen. 2,5 Millionen Einträge seit 1950 sind nach Künstlernamen suchbar und können nach verschiedenen Kriterien sortiert werden.

Mit Sonderzeichen gibt sich der Purist gar nicht erst ab, verschiedene Schreibweisen eines Namens werden so vermieden. Die wenigen Abbildungen sind briefmarkenklein. Jede Ausgabeseite verzeichnet bis zu acht verkaufte Lose, wahlweise sortiert nach Dollar oder Pfund mit Angabe des Zuschlags in der jeweiligen Landeswährung, Größe, Verkaufsdatum usw. Die spartanische Optik sorgt für eine schnelle Ausgabe. Bei Gemälden ist die Datenbank führend, Fotografien und Grafik werden jedoch erst ab Taxen von 2.000 Pfund aufgenommen. Als zusätzlicher Service werden zu jedem Künstler Charts angeboten, mit denen jedoch nicht jeder etwas wird anfangen können.

Mit einer Jahresgebühr von 300 Euro plus Umsatzsteuer für einen unbegrenzten Zugang wahlweise zu Bürozeiten oder abends und am Wochenende ist der Art Sales Index mit Abstand das preiswerteste Angebot. Zusätzlich wird Pay-per-View angeboten - jede abgerufene Ergebnisseite und jeder Chart kosten 1,50 Euro. Neben der Zahlung per Kreditkarte ist eine Rechnungsstellung möglich. Fazit: Profis werden vor allem Abbildungen vermissen, junge Sammler den unteren Preisbereich bei Grafik und Fotografie - angesichts der vergleichsweise geringen Kosten und des besten Datenbestandes bei Gemälden wohl eher zu verschmerzen.

Als Ergänzung für Spezialisten offeriert www.gordonsart.com spezielle Datenbanken für Drucke (Auktions- und Händlerpreise) und Fotografie, die mit 195 bis 395 Dollar für Bestandskunden allerdings recht teuer sind.

Stundenlanges Stöbern: gabrius.com

Den aufwendigsten Auftritt leistet sich www.gabrius.com in italienischer und englischer Sprache. Zu dem italienischen Konzern gehören neben einem Verlag und einem Editeur die renommierte Zeitschrift Temaceleste, die alle auf der gleichen Seite wie der Zugang zum Index-Anbieter Artexpand, ein Galerienportal sowie das Preisverzeichnis untergebracht sind.

Gabrius verkauft nach dem gleichen Modell wie Artprice Einheiten, die jedoch noch einmal um 50 Prozent teurer sind als die der Franzosen. Die Auktionsdatenbank enthält 350.000 bebilderte Lose und verzeichnet neben den drei großen internationalen Häusern viele italienische Ergebnisse. Fazit: Die schönste Seite, stundenlanges Stöbern macht richtig Spaß - die dürftige Datenlage und die hohen Kosten machen Gabrius für die Preisrecherche (noch) nicht zur ersten Wahl.

Beengter Blick: mageda.de

www.mageda.de ist vom Bestand her der kleinste Anbieter unter den Internet-Kunstpreisdatenbanken. Die Maler- und Gemäldedatenbank konzentriert sich auf rund 40 Auktionshäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz, scannt deren Kataloge komplett und bearbeitet die Ergebnisse. Dem Kunden stehen nicht nur die Abbildungen und Katalogtexte zur Verfügung, sondern auch einige Services, mit denen die Konkurrenz nicht aufwarten kann.

So werden einzelne Werke auf ihrem Weg durch den Kunstmarkt verfolgt und Gemälde kenntlich gemacht, von denen mehrere Versionen zu existieren scheinen. Ladenhüter werden schnell entlarvt. Unstimmigkeiten in den Zuordnungen durch die Auktionshäuser können dabei ebenso entdeckt werden wie Wechsel in der Zuschreibung. Die Beschränkung auf den deutschsprachigen Raum erweist sich bei international marktgängigen Künstlern jedoch als Nachteil, da die höchsten Preise zumeist in London und New York erzielt werden. Andererseits gibt es viele Künstler, die nur eine regionale Bedeutung haben und im Ausland wesentlich preiswerter sind. Zudem fehlen einige wichtige spezialisierte Auktionshäuser.

Ein Monats-Abo kostet 80 Euro, für 710 Euro steht der Dienst ein ganzes Jahr lang uneingeschränkt zur Verfügung. Einmalig ist die Möglichkeit, über Click&Buy von Firstgate Zeiteinheiten zu kaufen. Für 2,45 Euro kann die Datenbank jeweils 10 Minuten lang genutzt werden. Fazit: Für die Recherche zu in Deutschland gehandelter Malerei die erste Wahl, für international orientierte Händler eher als zusätzliches Instrument geeignet. Für Privatleute ist die anonyme Abrechnung im 10-Minutentakt besonders interessant.

In Kooperation mit kunstmarkt.com, dem führenden deutschsprachigen Online-Magazin für den Kunstmarkt, berichtet FAZ.NET wöchentlich über alles, was rund um den Kunsterwerb interessiert.

Quelle: @jöt
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