31.05.2002 · Die 14. Ausgabe der Kunstmesse Art Frankfurt ging am Donnerstag mit rund 28.000 Besuchern zu Ende - ein Fazit.
Von Ulrich Raphael FirschingAls Konkurrenz zur Art Cologne wird sie von einigen Galeristen bereits gehandelt, die Art Frankfurt, deren 14. Ausgabe am Donnerstag Abend mit rund 28.000 Besuchern zu Ende ging. Das Konzept sei schlüssig, und die Messe zeige mit jüngerer Kunst ab 1960 ein eigenständiges Profil, so Christian Hohmann von der gleichnamigen Hamburger Galerie. Während Köln etablierte Künstler pflege, gehe es hier um junge Positionen, die sich gerade erst in die Gunst des Publikums und der Kritiker hievten.
Christian Hohmann mag zu diesem Lob allen Grund haben, denn seine Geschäfte liefen gut. Sammler nahmen bei ihm für 2.000 Euro die Lithografien „Lola“ in einer 35er Auflage und für 2.200 Euro „Verklärte Nacht“ in einer 20er Auflage von Xenia Hausner mit, und der 9 x 1 Meter lange Feuersteinteppich von Richard Long fand bei 58.000 Euro einen Liebhaber. Hohmanns Verkaufsschlager waren Arbeiten des jungen Mannheimer Künstlers Konstantin Voit, der in seinem „Werbeblock“ mittels Schablonen kleine Leinwände besprüht. Die Tier-, Technik-, Sport- oder Verkehrsmotive montiert er zu kritisch-ironischen Ansichten über die Gesellschaft. Bis kurz vor Messeschluss waren für 40 Stück der in einer 20er Auflage erschienenen Leinwände zu je 240 Euro Käufer gefunden.
Kleinformate zogen in den Bann
Auch bei der Frankfurter Galerie Schuster waren es Kleinformate, die die Käufer in den Bann zogen. Die 380 Euro teuren Postkartengemälde stammen von dem Iren Eamon O'Kane, der in „After Kafka's America“ 365 Ansichten der USA geschaffen hatte. Als Vorlage dienten ihm Ansichtskarten und das Internet. Erst in einem zweiten Schritt suchte er seine virtuellen Orte real auf. Ein Schweizer Sammler wollte gleich am Eröffnungsabend die ganze Serie erwerben.
Nicht alle der 184 Galeristen äußerten sich so euphorisch. Das Gros gab sich moderat; viele konnten zumindest die Standkosten wieder einspielen und neue Kontakte mitnehmen, die sich noch zu Verkäufen umsetzen lassen sollten. Nur wenige Aussteller verzeichneten überhaupt schlechte Umsätze. Enttäuscht war man durchweg vom dürftigen Messebesuch an den Werktagen. Hier war es einfach zu ruhig, und die erhofften Synergieeffekte mit der gleichzeitig stattfindenden Manifesta blieben aus.
Die neue Messehalle überzeugte
Aussteller wie Besucher waren von den neuen Räumlichkeiten angetan: Im Obergeschoss der Messehalle 3 kann sich durch die Großzügigkeit der hohen Decke und durch die Glasfront mit dem Tageslicht die Kunst gut entfalten. Einziges Manko: die zur Wand hin platzierten Galeristen bekamen zu wenig Licht ab und mussten mit ungenügender künstlicher Beleuchtung kämpfen. Käme es im nächsten Jahr aus Termingründen wieder zu einer Rückverlegung in Halle 1, wäre dies ein Rückschritt, zumal dort durch die Aufteilung auf zwei Stockwerke die positive Durchdringung der aktuellen Positionen mit der etablierten Kunst wieder aufgegeben werden müsste.
Die Geschäfte seien entsprechend der allgemeinen wirtschaftlichen Lage, so der Wiesbadener Galerist Erhard Witzel. Seine Erwartungen waren nicht hoch gesteckt, und so zeigte er sich am letzten Tag zufrieden. Als „one-man-show“ stand bei im Ottmar Hörl mit grünen, blauen, gelben und roten Picassoköpfen auf Stelen - eine Hommage an den Meister des 20. Jahrhunderts - und Leuchtkästen mit Aufnahmen der Aquarien des Frankfurter Zoos - eine Persiflage auf Jeff Wall - im Mittelpunkt. Die Picassoporträts für 1.200 Euro in einer 25er Auflage fanden Abnehmer, von den Leuchtkästen wurde keiner verkauft.
Ähnlich äußerte sich der Frankfurter Galerist Ulrich Gering. Auch er hatte sich nicht viel versprochen und war vor allem über den Verkauf von „Strandelfen - Sharina und Juliane“ von 2001 seines Newcomers Philipp Weber glücklich. Der 28-jährige gebürtige Rostocker greift in fotorealistischer Manier fantastisches Lebensgefühl à la „Herr der Ringe“ auf und bannt zwei heranwachsende Mädchen mit durchscheinenden Flügeln auf die Leinwand.
Viel realistische Malerei
Damit liegt Gering im Trend, denn auf der Art Frankfurt war die realistische Malerei bevorzugtes Ausdrucksmittel. Die junge Berliner Galerie Jamurschek und Partner war mit verschwommen-realistischen Sichten auf Wartehäuschen von Christine Philipp und den sich räkelnden Schönheiten der Lifestyle-Szene nach Wallpapermanier der Engländerin Martha Parsey erfolgreich. Bei der Galerie Neue Kunst aus Konstanz kaufte ein junges Frankfurter Ehepaar Günter Beiers Verkettung zweier Luftballon „Love Party“ für 4.800 Euro, und die Galeria Principal Sombrerers aus Barcelona gab mehrere Gemälde zwischen 1.000 und 5.400 Euro von Xavier Visa ab, der dazu auf Fotografien und Filmaufnahmen von Menschen seiner Umgebung zurückgreift.
Auch Galerien wie Sander aus Darmstadt, die für ihr abstraktes Programm mit Cobra, deutschem Informel oder der Ecole de Paris bekannt ist, stellten dem diesmal Vanessa Beecroft oder Elisabeth Peyton gegenüber. Verkauft wurde hier dann Tony Craggs Bronzeskulptur „Envelope Spiral“, von der 1998 fünf Stück hergestellt wurden, für 125.000 Euro und eine Papierarbeit von Francis Bott für 12.000 Euro.
Auch Fotografie und Videokunst fanden ihre Freunde. Bei Galerie Haus Schneider aus Ettlingen klebten rote Punkte an den sachlichen und farblich konzentrierten Aufnahmen „Blau-Braun“ und „Parkhaus“ von Josef Schulz, die beide 2002 in einer 6er Auflage produziert wurden und 3.000 Euro kosten. Die Sammlung der Deutschen Bank deckte sich bei der Frankfurter Galerie Kunstadapter mit Kathrin Günters „Yellow Cab“ ein, die Berliner Galerie Kuckei + Kuckei verkaufte Lois Renners unikate Fotoarbeiten aus Stift Admont für 17.000 Euro, und für die DVDs der Videoinstallation „Die umgekehrte Rüstung“ von Yves Netzhammer und Bjørn Melhus, die Anita Beckers aus Frankfurt im Rahmen der „Projekte“ in einer Sonderkoje zeigte, gab es auch Abnehmer.
Zur Klasse der Art Cologne ist es noch ein kleiner Weg
Ob dies alles genügt, um der Art Cologne Konkurrenz machen zu können, bleibt fraglich, denn der Art Frankfurt mangelt es immer noch an Internationalität, und auf der Künstlerliste fehlen große Namen, die den Glanz der Messe erhöhen könnten. Da kann das Art Forum Berlin schon mit mehr aufwarten, wenn auch die Qualität der Arbeiten in Berlin stärker schwankt.
Zudem liegt - wie der Schlussbericht erwähnt - der Hauptteil der verkauften Arbeiten im mittleren Preissegment bis 20.000 Euro. In Köln werden größere Summen bewegt, wird letztlich mehr umgesetzt. Will Messeleiterin Marianne El Hariri, die den Vergleich mit der Art Cologne nicht scheute, die Art Frankfurt voranbringen, muss sie noch einiges dafür tun.