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Kunst Kulturerbe in Gefahr

09.12.2003 ·  Der „Heritage at Risk“-Report des Internationalen Rats für Denkmalpflege sieht Kulturstätten im Irak und in Afghanistan bedroht, aber auch der Kölner Dom ist ein Sorgenkind des Komitees.

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Mit Berichten aus 55 Ländern der Welt will der Internationale Rat für Denkmalpflege (Icomos) auf Kulturstätten in Gefahr aufmerksam machen. Der Weltreport „Heritage at Risk“ 2002/2003, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde, umfaßt 60 Beiträge zur Denkmalpflege von Afghanistan bis Zimbabwe. Dazu kommen thematische Schwerpunkte wie die weltweit bedrohte Felsenmalerei oder die Gefährdung herausragender Architektur des 20. Jahrhunderts.

Erstmals in dem Report vertreten sind unter anderem Berichte aus Algerien, Kambodscha, Palästina und Venezuela. Icomos-Präsident Michael Petzet betonte, der Report sei eine Chance, den Blick der Öffentlichkeit auf Regionen und Stätten des Kulturerbes zu richten, die sonst leicht vergessen würden. So werde in dem neuen Report von einer Vernichtungsaktion berichtet, der in der aserbaidschanischen Region Nachitchevan offenbar mit Erlaubnis der Regierung noch Anfang dieses Jahres tausende Grabsteine eines armenischen Friedhofs zum Opfer fielen. Dies sei eine „ungeheuerliche und sinnlose Barbarei“, beklagte Petzet.

Schwierige Situation im Irak

Auch die Situation im Irak sei derzeit „ein kaum lösbares Problem“, sagte der Icomos-Präsident. Die Kriegsschäden in Archiven und Museen wie dem geplünderten Nationalmuseum in Bagdad seien noch gar nicht abzuschätzen. Er betonte, diese Schäden seien nur zum Teil auf den Krieg zurückzuführen. Überdies seien Ausgrabungsstätten im ganzen Land bedroht, sagte Petzet. „Die eigentliche Katastrophe sind archäologische Stätten, wo mit Bulldozern gegraben wird.“ Dramatisch sei jedoch, daß die aktuelle Lage im Irak dort kein sicheres Arbeiten möglich mache. Nachdem Icomos auch in früheren Reports schon über das historische Erbe in Afghanistan berichtet hatte, stellt der Bericht 2002/2003 das Konzept für die Sicherung der Reste der im März 2001 gesprengten Buddhas von Bamiyan durch die Taliban vor. Zur technisch komplizierten Sicherung der Fragmente der Buddhastatuen werde Icomos noch im Dezember eine Expertentagung in München organisieren.

Der Bericht informiert auch über die Schäden, die 2002 in Deutschland, der Tschechischen Republik und Ungarn, aber auch in Brasilien durch Hochwasser anrichtet wurden. Dabei werde auch deutlich, daß manchen historischen Gebäuden durch unsachgemäße Instandsetzung mehr Schaden drohe als durch die Naturkatastrophen, sagte Petzet.

Sorgenkind Kölner Dom

Ein Sorgenkind des deutschen Icomos-Nationalkomitees ist auch der Kölner Dom. Der geplante Bau von fünf Wolkenkratzern auf der gegenüberliegenden Seite des Rheins bedrohe den Dom in seiner herausragenden Stellung, kritisierte Petzet. Wenn die Hochhäuser gebaut würden, müsse darüber diskutiert werden, ob der Status des Doms als Weltkulturerbe nicht gefährdet sei.

Icomos, International Council on Monuments and Sites, wurde 1965 gegründet und ist Berater der Unesco in Fragen des Weltkulturerbes. Dem Rat gehören rund 7.000 Fachleute in mehr als 110 Nationalkomitees an. Icomos setzt sich für Schutz und Pflege von Denkmälern, archäologischen Stätten, Ensembles und Kulturlandschaften ein.

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