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„Kunst des stilvollen Verarmens“ Stilvoll wählen

16.09.2005 ·  Auch stilvolles Verarmen muß man sich leisten können: Es handelt sich bei diesen lesenden Wählern nicht um Menschen, die dank Hartz IV ohnehin nichts mehr zu verlieren haben.

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Luxus ist die hohe Kunst des Weglassens - nicht aus Not, sondern aus bewußtem Verzicht auf Überflüssiges: Dessen sind sich die vielen begeisterten Leser von Alexander von Schönburgs Buch ebenso gewiß wie der Tatsache, daß die entscheidenden Werte nicht im Vermögensportfolio aufgeführt werden, sondern immaterieller Natur sind.

Mit dieser Haltung reflektierter, antivulgärer Bescheidenheit wissen sie sich in der überlegenen Minderheit, was Geschmacksfragen, Lebensgewohnheiten und die korrekte Einschätzung der politischen Lage angeht. Aber auch stilvolles Verarmen muß man sich leisten können: Es handelt sich bei diesen lesenden Wählern nicht um Menschen, die dank Hartz IV ohnehin nichts mehr zu verlieren haben. Selbständige Unternehmer, Anwälte und Architekten, die wissen, daß jede Dienstreise auch erwirtschaftet werden muß, waren stets begabter zum Understatement als der durchschnittliche VW-Aufsichtsrat.

Die Aufhebung des Bankgeheimnisses empfinden sie schlicht als indezent, die von Kulturbürokraten betriebene Rechtschreibreform als skandalös. Wenngleich sie mit der Union sympathisieren - weil das C für jene christlichen Werte steht, die auch sie hochhalten - wissen sie doch, daß ihre Interpretation von Status und Prestige nicht der breiten Masse, sondern nur Eingeweihten einleuchtet. Als Mitglieder dieses kleinen, feinen Clubs geben sie ihre Zweitstimme der FDP.

Quelle: fvl / F.A.Z., 17.09.2005, Nr. 217 / Seite 39
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