Um fünf Millionen Euro mehr geht es in der Auseinandersetzung um die Kölner Oper. Die hätte Uwe Eric Laufenberg gebraucht, um einzulösen, wofür die Stadt ihn geholt hat: den Abschied aus der Provinz. Ein Posten von siebzigtausend Euro kann da, so möchte man meinen, nicht mehr groß ins Gewicht fallen. Und so hat es den Intendanten am Dienstag, als er seinen vorzeitigen Abgang bekanntgab, schon gewundert, dass er wegen einer Deckungslücke in dieser Höhe eine Einladung zum renommierten Hongkong Arts Festival mit der Inszenierung von Wagners „Meistersingern von Nürnberg“ sausenlassen musste.
Wo die Stadt doch 2012 zum „China-Jahr“ erklärt hat und Delegationen, Unternehmen und wirtschaftsnahe Institutionen keine Mitfahrgelegenheit auslassen, um im Reich der Mitte für den Standort Köln die Klinken zu putzen. Zweieinhalb Tage später war der scheidende Opernintendant wieder etwas klüger, da gab der Oberbürgermeister bekannt, von wem er die Domstadt in der großen weiten Welt kulturell repräsentiert sehen möchte: „De Höhner“ wird er am 3.Mai, 10 Uhr, im Senatssaal des Historischen Rathauses zu „Wirtschaftsbotschaftern der Stadt Köln“ ernennen. Die Kultband, die spätestens seit dem Tod von Willy Millowitsch als Synonym der Kölsch-Seligkeit gilt, hat sich dafür schon länger warmgeschunkelt: Auch bei der Weltausstellung Expo 2010 in Schanghai hat sie mit „Blootwoosch“ und „Met Breef un Siejel“ für Kölle geworben.
Mit der Hymne „Viva Colonia“, die vor jedem Heimspiel des F.C. die Müngersdorfer Stadionschüssel zum Schwingen bringt und keinen Gegner das Fürchten lehrt, sagt die Stimmungskapelle an, wo’s langgeht: „Wir lieben das Leben, die Liebe und die Lust. Wir glauben an den lieben Gott und hab’n noch immer Durst.“ Dem wird sich, so das Kölner Selbstbewusstsein, doch auch in Fernost niemand verschließen können, und anders als mit den „Meistersingern von Nürnberg“ gibt es zum Standort kein Vertun. Der entscheidende Vorsprung, den die Mundart-Musikanten gegenüber der Oper mitbringen, aber ist, so geht es aus der Presse-Information der Stadt hervor, ein kultureller: „De Höhner“ können „mit ihren Hits in chinesischer Sprache für Köln“ werben. „Ming Stadt am Rhing“ klingt ja auch schon danach.