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Kulturpolitik Tod auf Raten

23.04.2009 ·  Christian Tombeil wird Intendant des Schauspiels Essen. Es ist das nächste Signal dafür, dass sich die neuntgrößte Stadt in Deutschland von dem kulturellen Aufschwung, den sie einst genommen hat, verabschiedet.

Von Andreas Rossmann
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Als Anselm Weber 2005 Intendant des Schauspiels Essen wurde, kam er aus Frankfurt, wo er Oberspielleiter war. Sein Vorgänger Jürgen Bosse war 1992 aus Stuttgart ins Ruhrgebiet gewechselt und dessen Vorgänger Hansgünther Heyme 1985 denselben Weg gegangen. Beide waren gestandene Intendanten, die den Zenit ihrer Karriere vielleicht schon überschritten hatten, Weber dagegen galt als aufstrebender Regisseur, der sich an ersten Häusern ausgewiesen hatte.

Und woher kommt nun, da er 2010 ans Schauspielhaus Bochum avanciert, sein Nachfolger? Aus Krefeld-Mönchengladbach. Aber nicht, dass Christian Tombeil am Niederrhein auf sich aufmerksam gemacht und ein Provinzwunder geschaffen hätte. Als künstlerischer Betriebsdirektor hat er dort in den letzten Jahren kein einziges Schauspiel, wohl aber, ohne weiter aufzufallen, die eine oder andere Oper inszeniert. Viel mehr hat sich der 1965 geborene Oberfranke, ein ausgebildeter Tänzer und studierter Germanist, in dem Kampf hervorgetan, überzogene Sparauflagen der Stadt Mönchengladbach von den Vereinigten Bühnen abzuwehren und die seit 1950 bestehende Theaterehe mit Krefeld zu sichern. Das ist aller Ehren wert, aber noch keine Empfehlung für Essen.

Kulturpolitisches Gängelband

Oder vielleicht gerade? Wird Tombeil dort doch mit sehr viel weniger Geld als den 3,4 Millionen Euro auskommen müssen, die dem Grillo-Theater derzeit als künstlerischer Etat zur Verfügung stehen. Wie hoch die Abstriche genau ausfallen, zunächst hieß es siebenhunderttausend Euro, ist offenbar noch offen, doch auch dieses kulturpolitische Gängelband hat den Bewerber nicht zögern lassen. Und wird in Essen nicht seit Monaten über eine Fusion mit dem Theater Oberhausen spekuliert? Nach dem Rausschmiss von Philharmonie-Intendant Michael Kaufmann ist die Berufung von Tombeil das nächste Signal dafür, dass sich die neuntgrößte Stadt in Deutschland von dem kulturellen Aufschwung, den sie in den letzten zwanzig Jahren genommen hat, verabschiedet. Und Berger Bergmann, seit Mitte 2008 Geschäftsführer der Theater und Philharmonie GmbH, steht als mächtiger Garant dafür.

Schon spricht Stefan Soltesz, der die Aalto-Oper in die internationale Spitze geführt hat, von einem „Tod auf Raten“ und lässt offen, ob er seinen bis 2013 laufenden Vertrag erfüllen wird. Aber dafür ist Essen 2010 ja Europäische Kulturhauptstadt. Im Grillo-Theater immerhin wird diese sich nicht breitmachen. Denn „eine Bühne“, so Tombeil, sich von Anselm Weber abgrenzend, „sollte ein Sprech-Theater und keine Event-Agentur sein“.

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Jahrgang 1952, Feuilletonkorrespondent in Köln.

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