01.02.2010 · Der Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch hat vorgeschlagen, künftig auf einen Kulturdezernenten zu verzichten und die Kulturpolitik selbst in die Hand zu nehmen. Kultur zur Chefsache zu machen heißt aus Erfahrung meistens wenig Gutes.
Von Andreas RossmannZur „Bundestadt“ hat es ein Gesetz gemacht, sehr viel lieber aber schmückt sich Bonn mit dem Titel „Beethovenstadt“. Der berühmteste Sohn hat mehr Strahlkraft als die sechs am Rhein verbliebenen Ministerien, und er soll für Zukunft stehen, wollen die drei hier ansässigen Dax-Unternehmen doch ein Festspielhaus seines Namens spendieren. Als sei das schon genug an Kultur, hat Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch nun vorgeschlagen, künftig auf einen Kulturdezernenten zu verzichten. Die Gelegenheit scheint günstig, denn die Ära von Ludwig Krapf läuft ein Jahr, bevor er die Altersgrenze erreicht, am 31. Mai aus, wobei er acht Jahre lang so unauffällig und besonnen wirkte, dass seine Verdienste – etwa seine kluge Personalpolitik oder die Neupositionierung des Kunstmuseums – kaum wahrgenommen werden.
Die Stadt aber muss bis 2012 hundert Millionen Euro sparen, und so möchte der Sozialdemokrat Nimptsch, dem im Rat eine schwarz-grüne Koalition gegenübersteht, ein Zeichen setzen. Als hätte er, gerade hundert Tage im Amt, mit dem Fiasko World Conference Center nicht mehr als genug zu tun, hat sich Nimptsch, hauptstadtaffin zumindest insoweit, Berlin zum Vorbild genommen: Wie Klaus Wowereit will er Kultur zur Chefsache machen. Dessen Slogan „arm, aber sexy“ gleich mitzubeanspruchen, traut er sich, wohl wissend, dass für Bonn eher die Umkehrung zutrifft, jedoch nicht, und auch ein fähiger Adlatus wie André Schmitz, der ihm das Tagesgeschäft abnähme, ist nirgendwo in Sicht.
Was Bonn aber brauchte, wäre eine Persönlichkeit, die mit innerer Kompetenz und starkem Standing die Kultur vertritt. In den Verhandlungen über das Festspielhaus und die denkmalgeschützte Beethovenhalle die Interessen der Bürgerschaft, die das Thema zu spalten droht, umsichtig wahrzunehmen, ist da nur die vordringlichste Aufgabe. Auch das Haus der Bildung gilt es auf den Weg zu bringen, die Sanierung des maroden Opernhauses anzugehen, den Intendantenvertrag auszuhandeln, die Leitung des Literaturhauses neu zu besetzen. Zu viele Baustellen, als dass ein Oberbürgermeister sie nebenbei übernehmen könnte. So setzt sein Vorstoß ein falsches Zeichen, droht er die „Beethovenstadt“, mit der sich Bonn eher vordergründig identifiziert, doch auszuhöhlen.